• Seit Corona berichten Ärzte von immer mehr Patienten mit einer Thrombose.
  • Wie gefährlich sind diese Blutgerinnsel eigentlich? Und wer genau ist betroffen?

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Raus an die frische Luft und sich bewegen - auch im "Lockdown light". Das fordern Mediziner. Denn eine Thrombose, die sich bis zu einer Lungenembolie entwickeln kann, macht keine Pause. Doch sind nur "Couch-Potatoes" und Senioren gefährdet? Und fördert COVID-19 tatsächlich Thrombosen?

Das griechische Wort "Thrombus" bedeutet übersetzt "Klumpen" oder "Pfropf". Bei einer Thrombose bildet sich nun in einem Blutgefäß ein Gerinnsel, dass das Gefäß verschließt. "Ein solches Gerinnsel besteht aus Zellen und Proteinen, also Eiweißen des Blutes, die sich verbinden können", erklärt Heiko Rühl, Oberarzt am Institut für Experimentelle Hämatologie und Transfusionsmedizin der Universität Bonn. Durch den Gefäßverschluss wird die Blutversorgung des Körperteils gestört. "Sind innere Organe betroffen, können sie in ihrer Funktion beeinträchtigt werden." Durch den Blutstrom kann es auch passieren, dass ein Thrombus vom Entstehungsort in andere Körperregionen verschleppt wird und dort ein Gefäß verschließt. Eine Embolie entsteht. "Häufig treten Thrombosen in Beinvenen auf", sagt Rühl. Von dort kann ein Thrombus dann in die Lunge gelangen und zu einem Verschluss der Lungengefäße führen. "Eine solche Lungenembolie kann lebensbedrohlich sein."

Wann eine Thrombose entsteht

Während das Blut in unverletzten Blutgefäßen ungehindert fließt, verhindern Blutgerinnsel bei einer Verletzung, dass der Körper aus einem verletzten Blutgefäß zu viel Blut verliert. "Eine Thrombose entsteht dann, wenn sich auch ohne äußere Gefäßverletzung ein Blutgerinnsel bildet", erklärt Rühl. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Blutfluss wie bei längerem Liegen gestört ist, wenn wie bei Venenentzündungen die Gefäßwand auch ohne äußere Verletzung geschädigt wird oder wenn gerinnungsfördernde Stoffe im Blut vorhanden sind wie zum Beispiel bestimmte Hormone. "In der Regel müssen mehrere Faktoren gemeinsam vorliegen, damit eine Thrombose entsteht", sagt Rühl.

Und wie bemerkt man eine Thrombose? Schwillt das Bein einseitig an, treten Schmerzen sowie Rötungen auf und wird es an den betroffenen Stellen besonders warm, kann sich eine Beinvenenthrombose entwickelt haben. "Zusätzlich, aber auch einzeln können Beschwerden im Brustbereich inklusive einer Atemnot oder Schmerzen beim Einatmen die Folge sein und den Verdacht einer Lungenembolie bestätigen", sagt Cihan Ay, Spezialist für venöse Thromboembolien an der Medizinischen Universität Wien, Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie. "In manchen Fällen ist auch ein Husten mit blutigem Auswurf möglich."

Bei einem Verdacht sofort zum Arzt

Liegen diese Warnhinweise vor, sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen oder die Rettung verständigen. Ay rät speziell bei Symptomen einer Lungenembolie, sofort ein Krankenhaus aufzusuchen. Aber auch bei Patienten ohne Atembeschwerden besteht Handlungsbedarf: Es könnte sich ein Blutgerinnsel in die Lunge verschleppt haben. "Sollte sich der Verdacht einer akuten Thrombose erhärten, bekommt der Patient als erste Maßnahme eine blutgerinnungshemmende Substanz verabreicht", sagt Ay. Sie verhindert, dass das Gerinnsel weiterwächst und ermöglicht zudem eine Auflösung durch körpereigene Mechanismen.

Besonders Menschen, die bei einem Krankenhausaufenthalt länger liegen müssen wie nach einer Operation, haben ein erhöhtes Risiko. Auch Krebserkrankungen oder schwere Allgemeinerkrankungen mit einer Entzündung und Fieber können zu einer Thrombose führen. "Ein weiterer Faktor ist ein veränderter Hormonhaushalt. Das ist zum Beispiel in der Schwangerschaft der Fall genauso wie bei der Einnahme bestimmter Hormonpräparate zur Empfängnisverhütung oder gegen Wechseljahresbeschwerden", sagt Rühl. Es gibt aber auch erbliche Störungen der Blutgerinnung, die zu einer angeborenen Thromboseneigung (Thrombophilie) führen können.

Eine Vorbeugung ist nicht immer notwendig

Personen, die in Ihrem Leben noch nie ein thrombotisches Ereignis entwickelt haben, müssen grundsätzlich keine spezifischen Vorsichtsmaßnahmen im Alltag treffen. "Dazu besteht keine Notwendigkeit", sagt Ay. "Dann ist es lediglich ratsam, bei besonders langen Phasen einer Immobilität wie zum Beispiel bei Reisen, die über sechs Stunden dauern, Pausen einzulegen." Genauso sollte man bei Flugreisen regelmäßig vom Sitz aufstehen und Bewegungsübungen machen.

"Bewegung ist wichtig, um die Muskelpumpe in den Unterschenkeln zu aktivieren", sagt Ay. "So fördert man den Rückfluss des Blutes aus den tiefen Beinvenen in das Herz und in die Lunge." Sind nicht mobile Patienten bereits erkrankt und liegen im Spital oder haben mit Unfall- oder OP-Folgen zu kämpfen, gibt es hingegen klare Empfehlungen: Dann sollten neben einer medikamentösen Thromboseprophylaxe zusätzlich allgemeine Maßnahmen wie eine frühe Bewegung erfolgen. "Das verordnet der Arzt immer nach einer Nutzen-/Risikoabwägung", sagt Ay. Außerdem rät Rühl zu einem gesunden Lebensstil mit viel Bewegung, ausgewogener Ernährung und einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr.

Begünstigt COVID-19 eine Thrombose?

Mittlerweile wissen die Mediziner, dass sich die Blutgerinnung bei Menschen mit einer schweren COVID-19-Erkrankung verändert. "Zu Beginn der Pandemie berichteten viele Ärzte von einer ungewöhnlich hohen Rate an Thrombosen bei Patienten, die wegen einer schweren COVID-19-Erkrankung in einem Krankenhaus behandelt werden mussten", erzählt Ay. Kürzlich veröffentlichte er mit Kollegen eine Studie zum Thromboserisiko bei COVID-19: "Darin zeigten wir, dass Patienten, die zwar stationär, aber nicht auf einer Intensivstation betreut werden müssen, ein Risiko zwischen fünf und elf Prozent haben." Patienten mit einem schweren Verlauf erleiden hingegen in 18 bis 28 Prozent der Fälle eine tiefe Beinvenenthrombose oder eine Lungenembolie. "Mechanistisch dürfte das auf ein Ungleichgewicht des Blutgerinnungssystem zurückzuführen sein", sagt Ay. "Hervorgerufen wurde das durch ein sich potenzierendes Zusammenspiel von Entzündung und Aktivierung der Blutgerinnung." Deshalb gehöre die medikamentöse Thromboseprophylaxe zur Schlüsseltherapie von schwerer erkrankten COVID-19 Patienten, sagt Ay.

Dieses Thromboserisiko bei COVID-19 sieht Rühl ähnlich. "Die genaue Ursache dieser Gerinnungsneigung ist noch nicht vollständig geklärt. Inzwischen weiß man aber, dass im Krankenhaus behandelte Menschen mit COVID-19 durch eine höhere Dosis gerinnungshemmender Medikamente besser vor Thrombosen geschützt werden können." Aber auch bei einem leichten Verlauf der COVID-19-Erkrankung, bei dem keine Behandlung im Krankenhaus erforderlich ist, können Medikamente zur Thromboseprophylaxe erforderlich sein.

Die Interviewpartner: Prof. Cihan Ay ist Leiter der Hämophilieambulanz an der Medizinischen Universität Wien. PD Dr. Heiko Rühl ist Oberarzt am Institut für Experimentelle Hämatologie und Transfusionsmedizin an der Universität Bonn.
Weitere Informationen zum Thema Thrombosen finden sich auch auf der Webseite des Aktionsbündnisses Thombose.

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