Kein Glück hatte Jungunternehmerin Hendrike Grubert in der Vox-Sendung "Die Höhle der Löwen" auf der Suche nach einem Investor. Obendrein wurde die Gründerin der Naturkosmetik-Marke "Ponyhütchen" von Unternehmerin Judith Williams ordentlich abgestraft.

Dass die Produkte nicht bio-zertifiziert oder dermatologisch getestet sind, bezeichnete Williams als "fahrlässig". Doch was steckt hinter Bio- und Naturkosmetik-Siegeln? Sagen diese wirklich etwas über die Qualität der Produkte aus oder ist dies lediglich Augenwischerei?

Für viele Jungunternehmer ist die Sendung "Höhle der Löwen" ein Sprungbrett und der Weg in den Erfolg. Manch einer geht jedoch mit hängendem Kopf aus der Höhle – so erging es gestern auch Hendrike Grubert. Die Berlinerin wollte für ihr Naturkosmetik-Label "Ponyhütchen" einen Investor gewinnen.

Stattdessen sieht sich Grubert nun gezwungen, auf Facebook die Qualität ihrer Produkte zu rechtfertigen. Gegen Ende ihrer Präsentation hatte sich Investorin und Unternehmerin Judith Williams nach den Zertifizierungen der Produkte erkundigt – also ob sie bio-zertifiziert oder dermatologisch getestet seien. Beides verneinte die Jungunternehmerin.

Ein No-Go für Williams: "Das finde ich fahrlässig, das kann man nicht machen. Vor allem unter dem Deckmantel von Naturkosmetik, die auch nicht bio-zertifiziert ist. Das ist für mich so undenkbar!"

Welche Tests sind für die Zulassung von Naturkosmetik erforderlich?

Zwar wird der Begriff Naturkosmetik häufig verwendet, eindeutig rechtlich geschützt ist er jedoch nicht. Obwohl es keine einheitliche Definition gibt, sind bei Naturkosmetik bestimmte Inhaltsstoffe wie beispielsweise Paraffine, Silikone und Parabene ausgeschlossen. Trotz alledem wird Naturkosmetik in Europa wie jedes andere Kosmetikprodukt behandelt.

Das bedeutet: Bevor ein Produkt auf den Markt kommt, muss es eine so genannte Sicherheitsbewertung durchlaufen haben. Diese Regelung stammt aus der EU-Kosmetik-Verordnung Nr. 1223/2009. "Die Firma ist verantwortlich für die Sicherheit ihrer Produkte und muss deshalb eine Sicherheitsbewertung vorweisen.

Erachtet ein Experte die Produkte bei vernünftiger und vorhersehbarer Verwendung als sicher, dann – und auch nur dann – dürfen die Produkte in Europa auf den Markt", so Andreas Tief vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Vor- und Nachteile weiterer Siegel

Es gibt einige Siegel, die dazu dienen, Naturkosmetika von normaler Kosmetik zu unterscheiden. Dabei handelt es sich um Zertifizierungen wie demeter, BDIH, NaTrue oder EcoCert. "Diese Siegel bieten in erster Linie eine Orientierung für den Verbraucher, der sich dann sicher sein kann, dass das Produkt nach den Vorgaben dieser Verbände produziert wurde und es sich nicht nur um Kosmetik "mit grünem Anstrich" handelt, in der trotzdem problematische Substanzen stecken", erklärt Marieke Jörg von der Zeitschrift Ökotest.

Nicht immer sagen Zertifizierungen etwas über die Qualität der Kosmetik- oder Naturkosmetik-Produkte aus. "Dermatologisch getestet" weist zum Beispiel lediglich auf einen Test, jedoch nicht auf dessen Ergebnis hin. "Auch "Vegan" sagt erst einmal nichts über die allgemeine Qualität der Inhaltsstoffe aus, sondern lediglich darüber, dass keine Substanzen tierischen Ursprungs eingesetzt werden und/oder das Produkt nicht an Tieren getestet wurde", so Jörg von Ökotest weiter.

Die unterschiedlichen Siegel werden von Unternehmen gerne verwendet, um Produkte höherwertiger erscheinen zu lassen. Oftmals werden die Produkte durch Verwendung bestimmter Siegel dann auch teurer verkauft. Es steckt also jede Menge Marketingstrategie dahinter.

Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, wie gut und natürlich die Produkte sind, der sollte den Blick auf die Inhaltsstoffe nicht vernachlässigen.