Heidi Klum hat sich einen Parasiten eingefangen – und ist damit nicht die einzige in Deutschland. Jährlich erkranken hierzulande Hunderte Menschen an Kryptosporidiose. Wir erklären, was hinter der oftmals unterschätzten Infektionskrankheit steckt und für wen sie besonders gefährlich sein kann.

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"Ich habe einen Parasiten", verkündete Heidi Klum ihren 6,9 Millionen Instagram-Abonennten im Dezember aus erster Hand. Dazu zeigte die Vierfach-Mama eine Computergrafik von sogenannten Kryptosporidien. "Ist das nicht das Widerlichste, was ihr je gesehen habt?", kommentierte Klum das Bild.

Zwei Wochen lang lag sie bereits flach. "Jetzt weiß ich endlich, was ich habe", sagt die Vierfach-Mama. Zunächst habe sie nämlich gedacht, sie leide an einer schlichten Grippe – mit einem Parasiten hatte sie wohl nicht gerechnet.

Auf Fernreisen in tropische Länder fangen sich Touristen zwar nicht selten gefährliche Parasiten ein. Doch ein Kontakt mit Erregern wie Kryptosporidien ist auch in Deutschland durchaus möglich. Im Jahr 2018 sind fast so viele Menschen an Kryptosporidiose erkrankt wie an EHEC, mehr als an Hepatitis A – und sogar mehr als dreimal so viele wie an FSME.

Trotzdem ist die Infektionskrankheit noch immer weitgehend unbekannt. Daher wird davon ausgegangen, dass viele Infektionen mit den Parasiten unerkannt bleiben und die Zahl der Betroffenen deutlich höher ist. Doch woran erkennt man eine Kryptosporidiose überhaupt und wie wird sie übertragen?

Was sind Kryptosporidien?

Kryptosporidien sind einzellige Parasiten. Von ihnen gibt es 19 verschiedene Spezies. Als Krankheitserreger beim Menschen gelten hauptsächlich Cryptosporidium hominis und Cryptosporidium parvum. Quellen für Cryptosporidium parvum sind vor allem Tiere wie Rinder, Pferde, Ziegen, Schafe, Hunde, Katzen und Vögel, während Cryptosporidium hominis hauptsächlich beim Menschen vorkommt.

Die Einzeller sind mit Plasmodium, dem Erreger der Malaria, und mit Toxoplasma gondii, dem Erreger der Toxoplasmose, verwandt. Sie sind besonders lange überlebensfähig und extrem widerstandsfähig gegenüber vielen Desinfektionsmittel, so auch der häufig für die Desinfektion von Trinkwasser eingesetzten Chlorung.

Wie infiziert man sich mit Kryptosporidien?

Durch ihre Widerstandsfähigkeit werden die Erreger häufig über kontaminiertes Wasser wie etwa durch Trinkwasser, Eiswasser oder Badewasser übertragen. Aber auch die Übertragung von Mensch zu Mensch oder die Infektion durch kontaminierte Lebensmittel durch beispielsweise Fleisch oder Gemüse ist möglich.

Die Parasiten sind weltweit verbreitet. In Entwicklungsländern ist die Ansteckungsgefahr deutlich höher als in Industriestaaten. In Deutschland besteht Meldepflicht.

Was sind die Symptome von Kryptosporidiose?

Die Inkubationszeit der Erkrankung liegt in der Regel bei sieben bis zehn Tagen. Die Betroffenen leiden häufig unter starken Bauchschmerzen und schweren Durchfällen. Weitere mögliche Symptome sind Krämpfe im Unterbauch, Übelkeit, Erbrechen, erhöhte Temperatur, Müdigkeit und Gewichtsverlust.

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Besonders gefährdet sind Kleinkinder und abwehrgeschwächte Menschen. Bei ihnen kann es unter Umständen zu langanhaltenden Durchfällen und letztendlich zu schweren chronischen oder gar tödlichen Verläufen kommen. Die Infektion steht zudem in Verdacht, Darmkrebs Vorschub zu leisten.

Wie wird die Erkrankung erkannt?

Eine Diagnose erfolgt beim Arzt über eine Laboruntersuchung des Stuhls. In Deutschland sind außerdem Schnelltests verfügbar, mit denen innerhalb von zehn Minuten humanpathogene, also den Menschen möglicherweise krankmachende Kryptosporidien nachgewiesen werden können.

Welche Behandlung hilft gegen Kryptosporidiose?

Bisher gibt es keine spezifische Therapie, welche die Parasiten zuverlässig entfernt. Meist verschwindet die Infektion nach etwa zwei Wochen von alleine wieder. Daher erfolgt häufig eine Behandlung aufgrund der Symptome: Der durch Durchfall ausgelöste Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyte wird ersetzt.

Wie kann man sich vor Kryptosporidien schützen?

Durch gute Hygiene sowohl beim Trinkwasser als auch beim Umgang mit Lebensmitteln kann man einer Ansteckung mit Kryptosporidiose vorbeugen.

Bei Auslandsreisen mit unklarer Wasserqualität sollte darauf geachtet werden, kein Leitungswasser zu trinken, keine Eiswürfel in Drinks zu nehmen und nur Mineralwasser aus Flaschen zu trinken, die man selbst geöffnet hat. Das Schlucken von Wasser in Schwimmbädern und Badeseen sollte vermieden werden. Wenn die Erreger im Trinkwasser nachgewiesen werden, muss das Wasser so lange abgekocht werden, bis die Quelle desinfiziert wurde.

Gute Handhygiene nach Toilettenbesuchen ist grundsätzlich wichtig. Auch nach dem Kontakt mit Haustieren sollte man an das Händewaschen denken.

Verwendete Quellen:

  • Robert-Koch-Institut: Ratgeber Kryptosporidiose
  • Robert-Koch-Institut: Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2018
  • Deutsche Apotheker-Zeitung: Unterschätzte Kryptosporidiose
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