Medikamente sollen Kranken helfen, ihre Beschwerden zu lindern oder sie zu heilen. Einige der Pillen, Tabletten und Tropfen sollten aber nicht mit bestimmten Lebensmitteln eingenommen werden. Sonst können mitunter schlimme Wechselwirkungen entstehen.

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Rund ein Zehntel aller älteren Patienten, die in ein Krankenhaus kommen, werden aufgrund von Wechselwirkungen mehrerer Medikamente eingeliefert. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Medikamente sich gegenseitig in ihrer Wirkung behindern, verstärken oder es schädliche Nebenwirkungen gibt, bei rund 13 Prozent. Bei vier Medikamenten sind es schon 38, bei sieben sogar 82 Prozent.

Auch mit Lebensmittel können Wechselwirkungen auftreten

Wechselwirkungen gibt es aber nicht nur zwischen Medikamenten selbst, sondern auch zwischen Medikamenten und Lebensmitteln. Diese Wechselwirkungen müssen nicht immer schlecht sein.

Von Vitamin C ist zum Beispiel bekannt, dass es die Aufnahme von Präparaten verbessert, die gegen Eisenmangel helfen sollen. Deswegen wird bei solchen Tabletten empfohlen, ein Glas Orangensaft dazu zu trinken.

Oft sind die Wechselwirkungen aber auch unerwünscht. Ein typisches Beispiel sind Milchprodukte, wenn gerade Medikamente gegen eine bakterielle Infektion, also Antibiotika, genommen werden. Milch, Joghurt und Käse können die Wirkung der Antibiotika abschwächen. Es könnte also im schlimmsten Fall sein, dass die Heilung länger dauert oder die Krankheit gar nicht weggeht.

Milchprodukte und Antibiotika sind aber nur ein Beispiel von vielen. Und die Gefahr von Wechselwirkungen besteht nicht nur bei Lebensmitteln, sondern vor allem bei Nahrungsergänzungsmitteln, weil diese häufig recht hoch dosiert sind.

Alkohol zu Medikamenten ist meistens schlecht

Generell ist zu beachten, dass sich Alkohol mit vielen Medikamenten nicht verträgt. Das gilt nicht nur, aber vor allem, für alle Wirkstoffe, die auf das zentrale Nervensystem Einfluss nehmen. Also zum Beispiel Schlafmittel, Psychopharmaka, Medikamente gegen Epilepsie und starke Schmerzmittel.

Auch wird häufig davon abgeraten, Medikamente mit fetthaltigem Essen einzunehmen, weil fetthaltiges Essen (und damit auch die Tabletten oder Tropfen) länger im Magen bleiben und somit erst später im Dünndarm ankommen. Dort entfalten die meisten Medikamente ihre Wirkung.

Es gibt aber auch Medikamente, die über die Leber verstoffwechselt werden, zum Beispiel Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Diclofenac oder Ibuprofen. Werden sie zusammen mit Nahrungsergänzungsmitteln geschluckt, die ebenfalls in der Leber verstoffwechselt werden, wie etwa Cranberry oder Ginkgo, kann es passieren, dass sie nicht mehr so gut wirken.

Diese Wechselwirkungen sollten Sie beachten

Neben diesen allgemeinen Empfehlungen gibt es noch einige sehr konkrete zu Wechselwirkungen von Medikamenten mit Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln:

  • Kaffee oder Tee zu eisenhaltigen Medikamenten kann dazu führen, dass diese Medikamente, die einen etwaigen Eisenmangel beheben sollen, nicht mehr so gut wirken.
  • Wer blutdrucksenkende Mittel mit harntreibenden Diuretika nimmt und dazu Lakritze verzehrt, kann Herzbeschwerden bekommen.
  • Eine erhöhte Gefahr für unerwünschte Wirkungen kann es auch geben, wenn tyraminhaltige Lebensmittel wie Wein oder Käse mit sogenannten MAO-Hemmern kombiniert werden. Mit ihnen werden Depressionen behandelt.
  • Bestimmte blutdrucksenkende Mittel, zum Beispiel Amlodipin, Felodipin oder Nifedipin, sollten nicht zusammen mit Grapefruitsaft eingenommen werden. Dann kann es nämlich passieren, dass die Wirkung länger anhält als es beabsichtigt ist und verstärkte Nebenwirkungen auftreten. Gleiches gilt für Grapefruitsaft in Kombination mit cholesterinsenkenden Medikamenten und Immunsuppressiva.
  • Milch und Milchprodukte hemmen nicht nur die Wirkung von Antibiotika, sondern auch von Schilddrüsenhormonen bei einer Erkrankung dieses Organs, und von Bisphosphonaten bei der Behandlung einer Osteoporose.
  • Vitamin-K-haltige Lebensmittel wie Kohl oder Spinat reduzieren die Wirkung von blutgerinnungshemmenden Medikamenten wie Phenprocoumon, das als Marcumar oder Falithrom verkauft wird. Sie können damit das Risiko für Thrombosen erhöhen.
  • Das Gegenteil gilt für Nahrungsergänzungsmittel mit Chondroitin, Cranberry, Ginkgo, Glucosamin, Goji, Ingwer und Knoblauch - und für Grünen Tee: Sie können die Blutungsneigung erhöhen. Die Höhe des Risikos hängt von der Dosierung ab und davon, welchen Wirkstoff das Medikament hat. Von Warfarin ist zum Beispiel bekannt, dass es in Verbindung mit Glucosamin zu schweren Organblutungen führen kann.
  • Nahrungsergänzungsmittel mit viel Calcium können die Wirkung von Bisphosphonaten gegen Osteoporose hemmen und von bestimmten Antibiotika. Auch Herz-Kreislauf-Medikamente aus der Gruppe der Calcium-Antagonisten wirken möglicherweise schwächer, wenn Calcium eingenommen wird.
  • Darüber hinaus gibt es einige Nahrungsergänzungsmittel, die bei Krebstherapien Probleme machen können, etwa Beta-Carotin in sehr hohen Dosen oder Folsäure.
  • Einige Substanzen wie Ginseng und Ingwer senken den Blutzuckerspiegel. Wenn Diabetes-Medikamente eingenommen werden müssen, sollte darauf also besser verzichtet werden.

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Wer sich unsicher ist, was er zu einem Medikament essen oder trinken kann und was nicht, sollte als erstes einen Blick in den Beipackzettel werfen. Darüber hinaus schadet es aber nicht, einen Arzt oder Apotheker zu fragen.

Wechselwirkungschecks im Internet gibt es zwar auch, allerdings berücksichtigt etwa jener der Apotheken Umschau nur Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Medikamenten, nicht aber zwischen Medikamenten und Lebens- oder Nahrungsergänzungsmitteln.

Verwendete Quellen:

  • Infoportale der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): "Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln" und "Wechselwirkungen mit Nahrungsergänzungsmitteln"
  • Webseite der Apotheken Umschau: Wechselwirkungs-Check
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): "Nahrungsergäzungsmittel: Können sie auch schaden?"
  • Infoblatt der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (PDF): "Was Nahrungsergänzungsmittel verschweigen dürfen..."
  • Deutsche Herzstiftung: "Muss ic hals Marcumar-Patient auf Lebensmittel mit Vitamin K verzichten?

In einer früheren Version dieses Artikels wurde berichtet, dass Vitamin-K-haltige Lebensmittel die Wirkung von Blutverdünnern verstärken. Richtig ist, dass sie deren Wirkung vermindern.

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