Hausärzte, speziell in ländlichen Gebieten, werden immer weniger. Viele Arztpraxen stehen leer und können, mangels Interesse von Seiten der Mediziner, nicht nachbesetzt werden. Die ORF-Sendung "Report" widmete sich in einem Beitrag diesem Thema.

Für angehende Mediziner ist der Beruf des Hausarztes unattraktiv geworden. Große Verantwortung, aber weniger Geld und Prestige bieten wenig Motivation für junge Mediziner eine Praxis als Hausarzt zu übernehmen. Der ORF-"Report" griff dieses Problem in einem Beitrag auf.

Um die Zahl der Hausärzte halten zu können, bräuchte es jedes Jahr einen Zugang von 400 Allgemeinmedizinern. Eine Situation, die sich in den nächsten Jahren noch verschlimmern wird, denn bis 2025 werden 60 Prozent der praktischen Ärzte in Pension gehen. Momentan sind in Österreich 65 Kassenstellen vakant und können nur schwer nachbesetzt werden.

4.000 Patienten für einen Landarzt

Vor allem am Land stehen Arztpraxen, mangels Nachfolger, oft viele Monate leer. Eine davon ist die Praxis von Wolfgang Kammerer in der Marktgemeinde Gresten in Niederösterreich. Seit er vor zwei Jahren in Pension ging, wurde seine Kassenstelle 24 Mal von der Ärztekammer ausgeschrieben. Bislang leider ohne Erfolg, Bewerbungen blieben aus. Und so gibt es in Gresten nur noch einen Hausarzt, der nun alleine für 4.000 Patienten zuständig ist. Dadurch ergeben sich für die Patienten weniger Betreuung und viel längere Wartezeiten. An Hausbesuche ist nicht zu denken, und so sind auch Eltern mit fiebernden Kindern in der Praxis anzutreffen.

Christoph Dachs, Präsident der österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin, sieht in der kommenden Pensionierungswelle ein großes Problem. "Wenn man die Zahlen anschaut, ist der Hausarzt vom Aussterben bedroht. So wie der Pandabär bedroht ist. Ich glaube ein System ohne Hausarzt würde nicht gut funktionieren", erklärt Dachs gegenüber dem ORF.

Für die Ökonomin Maria Hofmarcher ist das Problem hausgemacht, denn Österreich hat eine der höchsten Ärztedichten weltweit. "Es gibt überhaupt generell keinen Ärztemangel. Das Hauptproblem, das wir haben, ist ein Verteilungsproblem zwischen Fächern und auch regional. Das heißt, wir haben eine dichte Versorgung in städtischen Zonen, aber am Land ist sie weniger gut", so Hofmarcher im "Report".

Neue Modelle für junge Ärzte

In Salzburg versuchen Allgemeinmediziner, den Beruf Hausarzt mit neuen Modellen für Ausbildung und Arbeitszeiten wieder attraktiv zu machen. Um Medizinern die Angst vor dem Einstieg als Hausarzt zu nehmen, bildet Christoph Dachs in Hallein schon seit 20 Jahren junge Ärztinnen und Ärzte aus.

Eine davon ist Turnusärztin Valerie Stameseder. "Sinnvoll daran ist, dass man während der Ausbildung das macht, was man dann als Allgemeinmediziner auch wirklich ausführt. Die Ausbildung in einer Klinik in den verschiedenen Abteilungen ist wichtig, weil es darum geht, Details zu lernen, aber es ist nicht die Arbeit, die man später tatsächlich macht", so Stameseder.

Maria Lainer, Mutter von vier Kindern, hat sich ebenfalls für eine Ausbildung zur Hausärztin entschlossen. Da sie aufgrund ihrer Familiensituation alleine keine Praxis führen könnte, hat ihr Christoph Dachs angeboten, sich seinen Kassenvertrag zu teilen. Zusammenarbeit als Zukunftsmodel.

"Für mich ist das ideal. Man arbeitet zusammen und hat den Luxus, mehr Zeit für die Patienten zu haben. Der Stress zu wissen, dass im Wartezimmer schon die nächsten zehn Patienten warten, fällt weg", so Hausärztin Lainer zum "Report".

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