• Die Füße kribbeln häufig, Wärme fühlt sich nicht mehr warm an, die Bettdecke wirkt plötzlich ganz schwer und der Gang ist wackelig.
  • So oder so ähnlich mag es Jürgen Drews gegangen sein, als bei ihm kürzlich periphere Polyneuropathie festgestellt wurde.
  • Mit der Nervenkrankheit, die vor allem Füße, manchmal auch Hände betrifft, ist der Schlagerstar nicht allein.
  • Fünf bis acht Prozent aller Erwachsenen leiden darunter.

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Nerven versorgen das Gehirn mit Informationen aus der Umwelt und aus dem Körper. So können wir uns optimal den wechselnden Bedingungen unserer Umgebung anpassen. Doch nicht immer tun Nerven das, was sie sollen. Manchmal senden sie Fehlinformationen. Kommt das dauerhaft vor, kann eine Erkrankung wie die periphere Polyneuropathie vorliegen, und unser Alltag ist merkbar beeinträchtigt. Wir erklären, was genau hinter der Nervenkrankheit steckt und wie sie behandelt werden kann.

Was ist „periphere Polyneuropathie“?

Periphere Polyneuropathie, kurz PNP, beschreibt Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Mehrere Nerven, die außerhalb von Gehirn und Rückenmark liegen, funktionieren dabei nicht mehr richtig. Die Weiterleitung von Reizen über die Nervenfasern ist teilweise oder ganz gestört.

Wenn sich plötzlich alles anders anfühlt

Betroffene spüren dann oft weniger an beiden Füßen, manchmal auch an den Händen. Sie bemerken zunächst ein Kribbeln, das sich wie laufende Ameisen anfühlt, oder es tritt ein Taubheitsgefühl ein. Die Wahrnehmung von Berührungen und Schmerzen nimmt ab. Heißes und Kaltes kann manchmal nicht mehr gespürt werden, die Sensibilität ist gestört.

Im weiteren Verlauf können auch brennende, stechende Schmerzen und Schmerzattacken hinzukommen – jeder Zweite ist davon betroffen. Auch eine gesteigerte Schmerzempfindlichkeit ist möglich, die schon durch kleinste Berührungen ausgelöst werden kann.

Das Nervensystem ermöglicht Tasten und Fühlen

Das liegt daran, dass Nerven geschädigt sind, die zum somatosensorischen System gehören. Dieses reagiert auf Reize an der Oberfläche des Körpers oder im Körper. Es ist für das Tasten, das Fühlen von Wärme und Kälte, Kraft und Druck und für das Spüren von durch Verletzungen entstehende Schmerzen verantwortlich.

In der Folge fühlen Betroffene oft nicht mehr die Lage ihrer Gelenke, gehen wackelig und stehen unsicher. Das Sturzrisiko erhöht sich deutlich. Weil sie weniger benutzt werden, bauen sich Muskeln ab und werden schwach – ein Symptom, das auch Jürgen Drews bereits bei seinen Auftritten auf der Bühne bemerkt haben dürfte.

Was kann die Nervenkrankheit auslösen?

Die Ursachen für eine fehlerhafte Weiterleitung der beschriebenen Reize sind sehr vielfältig, bisher kennt man gut 200 Auslöser. In bis zu 40 Prozent der Fälle ist allerdings Diabetes der Grund.

Am zweithäufigsten kommt es bei übermäßigem Alkoholkonsum zu dauerhaften Nervenschäden. Auch Medikamente, die in der Chemotherapie eingesetzt werden, sowie Umweltgifte wie Arsen, Blei und Quecksilber können die Leitfähigkeit der Nerven deutlich stören.

Neben diesen chronischen Formen gibt es noch eine akute Form der Erkrankung. Diese wird unter anderem durch Gifte von Bakterien wie bei der Diphterie oder durch Chemikalien wie Trikresylphosphat, das als Flammschutzmittel und als Weichmacher für PVC benutzt wird, ausgelöst.

Wie häufig ist die Krankheit und wer ist meist betroffen?

Vor allem ältere Menschen erkranken an peripherer Polyneuropathie. Ihr Durchschnittsalter liegt bei rund 65 Jahren. Insgesamt sind fünf bis acht Prozent aller Erwachsenen davon betroffen, davon zwei Drittel Männer.

Das kann man gegen die Nervenkrankheit tun

Manchmal gibt es bereits Symptome, manchmal ist es auch ein Zufallsbefund – so wie es offenbar bei Schlagerstar Jürgen Drews war. Damit die Beschwerden bestmöglich behandelt werden können, sollten Betroffene auf jeden Fall bei ersten Störungen zum Arzt gehen. Entscheidend ist herauszufinden, was das Missempfinden auslöst und woher gegebenenfalls die Schmerzen kommen. Bei mindestens 70 Prozent der Patienten kann die Entstehung und Entwicklung der Krankheit aufgeklärt werden.

Ist die Ursache tatsächlich Diabetes, empfehlen Ärzte, den Lebensstil zu verändern und die Diabetes-Medikamente besser einzustellen. Auch medizinische Schuhe und Fußpflege können helfen, die Beschwerden zu lindern.

Wer durch extremen Alkoholkonsum Schäden an den Nervenfasern hat, der hat gute Chancen, dass sich diese durch den Verzicht auf Alkohol zurückbilden. Alkoholiker leiden oft an einem Mangel an gesunder Ernährung und nehmen deshalb zu wenig Vitamin B zu sich. Wenn sie regelmäßig Vitamin B12 einnehmen, können sie den Störungen entgegenwirken.

Gegen die bei der peripheren Polyneuropathie ausgelösten Schmerzen gibt es verschiedene Medikamente. Manchen Patienten reicht ein lokales Schmerzpflaster, manche benötigen allerdings Schmerzmittel mit Opiaten - das richtet sich sehr stark nach der Ursache der Nervenstörung. Da viele Schmerzmedikamente auch starke Nebenwirkungen haben, hat die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) dazu eine Leitlinie herausgegeben, die weitere Auskünfte gibt.

Darüber hinaus gibt es noch zusätzliche Therapiemöglichkeiten wie Akupunktur, Wechselbäder, in gewissem Rahmen Sport, Physiotherapie sowie Magnesium gegen Muskelkrämpfe in den Beinen. Auch mit psychotherapeutischer Hilfe und in Selbsthilfegruppen können Betroffene lernen, mit der Krankheit und ihren Symptomen zu leben und umzugehen.

Heilung hängt von der Ursache ab

Wenn Ärzte Patienten mit peripherer Poyneuropathie behandeln, versuchen sie zunächst, die Ursachen zu beheben. Ein auslösendes Medikament wird dann eingestellt oder ein Mangel in der Ernährung ausgeglichen. Lässt sich die Ursache jedoch nicht identifizieren, versucht man zumindest, das Fortschreiten der Schäden zu verhindern, die Symptome zu verringern und die Belastung durch Schmerzen so gering wie möglich zu halten. So können Betroffene, auch wenn sie nicht geheilt werden, gut mit der Nervenkrankheit leben.

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