Alle Zähne fallen aus, das Haus steht unter Wasser, man steht nackt vor einer Personengruppe. Viele Menschen haben kuriose Träume. Wir erklären, was sie bedeuten können.

  • Der Mensch träumt während der REM-Schlafphase
  • Ein Traumtagebuch hilft bei der Aufarbeitung
  • Forscher raten zum "Traumdeuter-Algorithmus", eine Art Fragebogen zur Auswertung der Träume
  • Häufige Träume und Ihre Bedeutung

Jeder Mensch träumt - in jeder Nacht: Wir verarbeiten damit das, was wir erlebt haben, was uns beschäftigt oder was wir unbewusst wahrgenommen haben. Die meisten Träume erfolgen während der sogenannten REM-Schlafphase, die durch schnelles Augenrollen und einen erhöhten Pulsschlag gekennzeichnet ist. Nicht an alle Träume erinnern wir uns, an manche aber sehr wohl. Das sind meist die, aus denen wir schlagartig erwachen und die uns irritieren: Warum sind uns alle Zähne ausgefallen? Oder was hatte das Wasser zu bedeuten?

Medizin und Ethik sind sich bei dieser Frage nicht immer ganz einig.

Viele Menschen versuchen, ihre Träume zu deuten. Dutzende Bücher und Lexika beschäftigen sich mit dem Thema und geben Tipps, was dieses oder jenes Symbol zu bedeuten hat. Doch dass man Situationen oder Symbole in Träumen allgemeingültig deuten kann, glaubt der Psychotherapeut und Traumdeutungsexperte Dr. Karl Werner Ehrhardt nicht. "Es gibt keine Symbole, die für alle gleich sind", sagt er: "Beim Träumen sortieren wir nachts, was am Tag passiert ist. Wenn etwas mit bisherigen Lebenserfahrungen, Konflikten, Gefühlen nicht übereinstimmt oder dem widerspricht, kommt es zu einem Traum, von dem man aufwacht und an den man sich erinnert. Das ist eine Botschaft vom Unterbewusstsein, dass etwas noch nicht bearbeitet ist."

Verschlüsselte Botschaften

In Träumen stünden Raum und Zeit ebenso nebeneinander wie Realität und Symbolik. Viele Botschaften können wir nicht sofort verstehen, weil sie verschlüsselt seien. "Dann denkt man: Ich habe wieder Mist geträumt. Doch das ist kein Mist, man muss nur den Sinn herausbekommen", erklärt Ehrhardt. Er rät dazu, eine Art Fragebogen zu verwenden, den "Traumdeuter-Algorithmus": Dabei gehe es darum, den Traum zunächst genau zu beschreiben und zu analysieren.

Dr. Johannes erklärt, wie wir uns nachts optimal erholen.

Dann folgen Fragen wie: "Wenn die beteiligten Personen in diesem Traum Teile Deiner selbst wären, was würden sie Dir zu sagen haben?". Der Psychotherapeut, der auch selbst mit dem Fragebogen arbeitet, erläutert: "Die Personen und Situationen muss der Traumdeutende übersetzen in 'Teile seiner selbst'. Und das ist meist sehr schnell erleuchtend: Man sieht plötzlich etwas, was einem so nicht klar war." Ein Henker kann dann etwa dafür stehen, dass man sich nicht traut, mit Aggressionen umzugehen. Der nächste Schritt: fragen, in welcher aktuellen Lebenssituation sich der Träumer befindet, welche Konflikte und ungelösten Dinge er mit sich herumschleppt. "Dann schaut man, wozu die Botschaften des Unterbewusstseins passen. Die Ergebnisse sind fantastisch", sagt Ehrhardt. Die letzte Frage ist dann: "Wenn Du diesen Traum in Deinem wirklichen Leben leben würdest, was würdest Du anders machen?" Für jede Person könne so ein individualisiertes Ergebnis ermittelt werden: "Wenn zwei Menschen das Gleiche träumen, hat es eine unterschiedliche Bedeutung."

Symbole, die sich allgemeingültig deuten lassen

Der Psychologe und Autor Klausbernd Vollmar sieht das anders. Er geht davon aus, dass es Symbole gibt, die sich allgemein deuten lassen - und beschreibt diese in seinem "Handbuch der Traumsymbole" (Königsfurt Verlag). Die fünf häufigsten Traumsymbole der Deutschen sind demnach: Wasser, Haus, Auto, Sex und Zähne.

Aber was haben sie zu bedeuten? Der Experte erklärt: "Wasser deutet meist auf das Auf und Ab der Gefühlswelt hin und symbolisiert die Bewegung unserer Begierden und Launen." Zugleich sollte man aber auch darauf achten, ob das Wasser im Traum klar ist: "Ist es gestaut, trüb und stehend, sollte man die weiteren Symbole auf Hinweise für eventuelle Gefühlsblockaden untersuchen. Hohe Wellen und Wildwasser verweisen auf starke, oft gespannte oder gegensätzliche Gefühle."

Haus, Auto, Sex und Zähne

Das Haus in einem Traum steht laut Vollmar für die seelische und körperliche Verfassung des Träumers, die eigene Persönlichkeit und den eigenen Körper. Es ist ein Ort des Schutzes und der Geborgenheit. Auch die einzelnen Räume bedeuten etwas anderes: Der Keller ist ein Symbol für das Unbewusste, die Dachstube für den Intellekt und den Überblick. "Das Schlafzimmer ist der Ort der Zeugung und des Todes, die Küche der Ort der Verwandlung." Im Bad steht die Reinigung im Vordergrund. Außerdem spielt es eine Rolle, ob Türen und Fenster offen sind oder nicht

Träumen wir von einem Auto, symbolisiert das seine Bewegung und Mobilität. Vollmar: "Wie alle Fahrzeuge verweist das Auto auf Beweglichkeit und symbolisiert zugleich eine Abgeschlossenheit von der Umwelt. Achten Sie darauf, wer das Auto fährt, wie es gefahren wird und um welche Art es sich handelt." Bedeutsam ist auch, ob der Träumer das Auto selbst steuert oder gefahren wird, etwa in einem Bus.

Sexualität drücke oft unerfüllte Wunschvorstellungen aus. "Immer wenn man sich in Trennungs- und Beziehungskrisen unvollständig fühlt, treten diese Träume gehäuft auf und regen einen an, sich anderen Menschen zuzuwenden", erklärt der Psychologe.

Zähne symbolisieren seiner Aussage nach vor allem Vitalität. "Sie können ein Hinweis auf die Bissigkeit des Träumenden sein und sprechen damit die Durchsetzungskraft an." Ausfallende Zähne stehen deshalb auch für ein Hindernis bei der Durchsetzung von Bedürfnissen.

Der Traumdeuter-Algorithmus

Der Traumdeuter-Algorithmus, wie ihn Karl Werner Ehrhardt verwendet:

  • Wie wurde der Traum initiiert?
  • War es ein diffuses assoziatives Nachdenken - was war das letzte Thema vor dem Einschlafen?
  • War es ein klares Thema - welche präzise Frage habe ich bewusst zur Bearbeitung in Auftrag gegeben?
  • Was waren die Hauptbestandteile meines Traumes?
  • Welche Einzelheiten sind für mich bedeutungsvoll? Weshalb?
  • Betitele den Traum in einem einzigen Satz.
  • Betitele den Traum mit einem einzigen Wort.
  • Was ereignete sich am Anfang des Traumes?
  • Welche Handlungen wurden unternommen?
  • Wer war in dem Traum anwesend?
  • Wären die in dem Traum anwesenden Personen Teile Deiner selbst, was würden sie Dir zu sagen haben?
  • Wie ist die Grundstimmung des Traumes?
  • Auf welche Weise fügt sich dieser Traum in Dein augenblickliches Leben?
  • Könnte Dir dieser Traum etwas über Dein Leben zu sagen haben, was Du sonst möglicherweise übersehen würdest?
  • Wie geht der Traum aus?
  • Wenn Du diesen Traum in Deinem wirklichen Leben leben würdest, was würdest Du anders machen?