Knackige Jungs und Mädels, die sich gekonnt auf dem Laufsteg oder vor der Kamera in Szene setzen – natürlich geht es um "Austria‘s next Topmodel". Was bei der mittlerweile sechsten Staffel auffällt: Obwohl das Sendungskonzept komplett neu ist und sich die Macher einiges haben einfallen lassen, findet das Format nicht so recht sein Profil. Tja, Heidi Klum lässt halt immer noch grüßen.

Larissa Marolt, Gewinnerin der ersten ANTM-Staffel ist zum Staffelstart der neuen Model -Generation am 11. September sicher: "Es liegt diese Würze in der Luft!". Aha. Wir finden, das ganze Format riecht immer noch verdammt nach Heidi-Klum-Abklatsch. Trotz eines neuen Sendungskonzeptes will die Suche nach dem nächsten österreichischen Topmodel nicht so recht zünden. Böse Zungen würden fragen: "Warum nächstes österreichisches Topmodel? Wer ist denn das aktuelle?" Aber Schluss mit dem Geplänkel und her mit den Fakten.

Fakten, Fakten, Fakten

Neu ist, dass neben Mädchen auch Jungs als Kandidaten antreten. Und das auch die Zuschauer mitvoten können, welches Möchtegern-Mannequin weiter kommen soll. Alt ist im Prinzip der ganze Rest, also Zickenkriege, Heulattacken und Ratschläge einer "prominenten" Jury. Natürlich wird mit Larissa Marolt als Model-Mentorin auch ein Quoten-Aufbesserer mit in die Show geholt, so wie es sich gehört. Ansonsten erinnert Melanie Scheriau an eine Heid Klum für arme Österreicherinnen und Papis Loveday verkörpert eine Art billige Mischung aus Bruce Darnell und Jorge Gonzalez.

Rettung für alle, denen die Sendung gehörig auf den Keks geht.

Selbstverständlich lebt diese Sendung nicht von Shootings am Riesenrad oder einer Brillenchallenge, sondern von den Momenten, in denen es "menschelt". Etwa, wenn die Kandidaten Lydia und Mirko bei einem Dinner über so ziemlich alle ihre Mitstreiter vom Leder ziehen. Oder wenn Larissa ihr Know-How in Sachen Modelbusiness aufblitzen lässt und Kandidatin Manuela gute Chancen einräumt, als Model erfolgreich durchzustarten. Wie schön Manuel aber wirklich sei, weiß sie laut Larissa allerdings nicht. Ob das wohl an Sendungen liegt, die jungen Mädchen ein völlig absurdes Schönheitsideal vorgeben? Formate, in denen alle Mädchen jenseits einer Kleidergröße 36 als "fett" gelten? Hmm … Fragwürdig.

Fragen über Fragen

Der Zuschauer bleibt jedenfalls mit vielen Fragen vor dem Fernseher zurück: Kann das spannendste an einer ANTM-Folge wirklich das homosexuellen-Outing eines jungen Mannes sein? Wenn eine zu bewältigende Challenge wirklich so wichtig ist, ist es dann nötig permanent zu betonen, dass "diese Challenge wichtig" ist? Glaubt der Sender, dass das gemeinsame Bloßstellen, pardon Auftreten, von "Boys and Girls" ein Akt der Gleichberechtigung ist?

Bis 4. Dezember wird die ganze Nation mehr oder minder gebannt darauf warten, wer Woche für Woche ein Foto bekommt und wer sich leider von einer vielsagenden Karriere verabschieden muss. Spätestens zu Weihnachten setzt dann beim TV-Publikum wieder das kollektive Vergessen ein und so muss im kommenden Herbst die nächste ANTM-Staffel starten. Spätestens dort wird das im Dezember 2014 gekürte Topmodel wieder einen Einsatz haben. Vermutlich ist es der erste der Model-Karriere. Als Mentor. Oder erfahrener Hase im Model-Business. Sendungsinterne Vetternwirtschaft quasi. Und der Teufelskreis fängt von vorne an ...

Es gibt reichlich Dinge, die die Welt nicht braucht. Manche sind zum Lachen, manche zum Heulen - und bei manchen wär's einem am liebsten, man könnte beides gleichzeitig. In unserer Rubrik "Des ned a no" sammeln und kommentieren wir Kurioses aus Österreich und dem Rest der Welt. Irrsinn in Serie sozusagen.