• Vor fünf Jahren wurde das Klimaabkommen von Paris unterzeichnet.
  • Der Vertrag gilt als historisch: Er verpflichtet praktisch alle Staaten der Welt, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen.
  • Nach Einschätzung von Experten reichen die aktuellen Klimaschutz-Maßnahmen nicht aus, um die Pariser Ziele zu erreichen.
Eine Analyse
von Fabian Busch

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Der damaligen deutschen Umweltministerin Barbara Hendricks standen Tränen in den Augen. Auch dem französischen Sitzungspräsidenten Laurent Fabius brach die Stimme, als er das Ergebnis der mühsamen Verhandlungen verkündete: Am 12. Dezember 2015 einigte sich die Weltgemeinschaft in Paris auf ein Klimaabkommen. Am 22. April 2016 unterzeichneten dann 175 Staaten den Vertrag, der als erstes verbindliches Abkommen die Welt auf den Kampf gegen die Erderwärmung verpflichtet.

Ein historischer Schritt war das Pariser Klimaabkommen, darüber war man sich einig. Doch wie steht es fünf Jahre nach der Unterzeichnung um die Umsetzung?

Zwei-Grad-Ziel und Fünf-Jahres-Pläne

Der wichtigste Bestandteil des Vertrags ist das Zwei-Grad-Ziel: Die Staaten verpflichten sich, den weltweiten Temperaturanstieg auf weniger als zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Möglichst soll dieser Anstieg 1,5 Grad nicht überschreiten.

Die Staaten müssen nationale Pläne für ihren Beitrag zum Klimaschutz erarbeiten. Darin sollen sie erklären, welche Ziele sie sich setzen und mit welchen Maßnahmen sie sie erreichen wollen. Die Pläne müssen alle fünf Jahre aktualisiert und dabei jedes Mal ambitionierter werden. In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts sollen weltweit nur noch so viele klimaschädliche Gase in die Atmosphäre gelangen, wie ihr gleichzeitig entzogen werden können.

Im Gegensatz zum Kyoto-Protokoll gilt das Pariser Klimaabkommen nicht nur für die Industriestaaten, sondern für praktisch alle knapp 200 Länder der Erde. Denn während die Industrieländer 1990 noch für 60 Prozent der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich waren, könnten 2030 rund 75 Prozent in den sogenannten Schwellen- und Entwicklungsländern entstehen.

Die Industriestaaten sind aber aufgefordert, sie zu unterstützen. Mit Wissen und Geld: Aus privaten und öffentlichen Quellen sollen zwischen 2020 und 2025 jedes Jahr mehr als 100 Milliarden US-Dollar an Klimaschutzprojekte in ärmeren Ländern fließen.

Potsdam-Institut: Maßnahmen sind unzureichend

Inzwischen haben verschiedene Staaten immer neue Ziele verkündet: Die Europäische Union will ihre klimaschädlichen Emissionen bis 2030 um 55 Prozent senken. China will bis 2060 klimaneutral wirtschaften, die EU und die USA wollen dieses Ziel schon 2050 erreichen. Dass die neue US-Regierung unter dem Demokraten Joe Biden im Februar in das Paris-Abkommen zurückgekehrt ist, gilt als Hoffnungsschimmer für den Klimaschutz.

Mit dem Formulieren von Zielen lassen sich aber noch keine Emissionen senken. Expertinnen und Experten kritisieren, dass die Umsetzung der nationalen Pläne den Zielen nicht gerecht wird. Nichtregierungsorganisationen und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erstellen jährlich den "Climate Change Performance Index" (CCPI). Sie bewerten dafür die Klimaschutz-Anstrengungen der 57 Staaten, die für 90 Prozent der Emissionen verantwortlich sind. Die ersten drei Plätze werden dort derzeit wegen unzureichender Leistungen nicht vergeben.

Die Spitzenplätze 4 bis 8 belegen 2021 Schweden, Großbritannien, Dänemark, Marokko und Norwegen. Deutschland liegt nur auf Rang 19. "Selbst wenn alle Länder so engagiert wären wie die aktuellen Spitzenländer, wäre das immer noch nicht genug, um den Klimawandel aufzuhalten", heißt es auf der CCPI-Webseite.

Zu einem ähnlichen Schluss kommt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, müssten die Emissionen dem Institut zufolge bis 2030 um 40 bis 50 Prozent sinken. Die Umsetzung der aktuell beschlossenen Maßnahmen würde demnach aber nur zu einer Reduktion um 5,5 Prozent führen.

Rückgang in Deutschland – auch wegen der Pandemie

Für Deutschland konnte das Umweltbundesamt (UBA) vor kurzem zwar einen Erfolg vermelden: Im Vergleich zum Vorjahr sanken die Emissionen 2020 um 8,7 Prozent. Das war ein Rückgang um 40,8 Prozent im Vergleich zu 1990. Gut ein Drittel der Minderungen geht dem UBA zufolge aber auf die Corona-Pandemie zurück. Vor allem zur Zeit des ersten Lockdowns fuhren viele Menschen weniger mit dem Auto und stiegen kaum ins Flugzeug, zum Teil stand auch die industrielle Produktion still.

Die Reduktion von 2020 sei ein "Einmaleffekt der Coronakrise", teilte Christine Averbeck, Geschäftsführerin der Klima-Allianz Deutschland, mit. Der Zusammenschluss von rund 140 zivilgesellschaftlichen Organisationen fordert daher eine Nachschärfung des Klimaschutzgesetzes.

An Vorschlägen für eine strengere Klimaschutzpolitik mangelt es nicht. Die Bewegung "Fridays for Future" fordert unter anderem eine CO2-Steuer und ein früheres Abschalten von Kohlekraftwerken. Der Verkehr gilt ebenfalls als Sektor mit großen Einsparpotenzialen.

Auch was das Geld angeht, sind noch nicht alle Ziele erreicht. Der Globale Klimafonds der Vereinten Nationen, der die versprochenen 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr von den Industriestaaten und privaten Spendern einsammeln soll, kann derzeit noch keine Angaben dazu machen, ob die Summe 2020 zusammenkam. Ende des Jahres rechneten die UN aber damit, dass das Ziel mit Einnahmen von rund 80 Milliarden Dollar verfehlt wird.

Verwendete Quellen:

  • Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Fünf Jahre nach dem Abkommen – es klafft eine Lücke zwischen Versprechung und Umsetzung
  • Climate Chance Performance Index
  • Klima-Allianz Deutschland: Emissionsrückgang jetzt an das neue EU-Ziel anpassen
  • Umweltbundesamt: Treibhausgasemissionen sinken 2020 um 8,7 Prozent
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