• Armin Laschet? Oder doch Markus Söder? Die Frage, wen die Union als Kanzlerkandidaten ins Rennen schickt, bewegt selbstverständlich auch namhafte CDU-Mitglieder.
  • Im Exklusivinterview erklärt Urgestein Ruprecht Polenz, warum er glaubt, dass eigentlich kein Weg an CDU-Chef Laschet in der K-Frage vorbeiführt.
Ein Interview
von Denis Huber

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Herr Polenz, noch steht offiziell nicht fest, wen die Union als Kanzlerkandidaten ins Rennen schickt. Nehmen wir mal an, Markus Söder wird’s. Was würde das bedeuten für die Erfolgschancen bei der Bundestagswahl?

Ruprecht Polenz: Markus Söder könnte nur erfolgreich sein, wenn er von der CDU breit unterstützt wird. Das hat er selbst gesagt und zur Bedingung für seine Kanzlerkandidatur gemacht. Wenn das nur halbherzig geschieht, hätte er im Bundestagswahlkampf keine Chance. Es wird ohnehin schwer genug. Nach 16 Jahren haben die Leute das Gefühl, dass Abwechslung vielleicht mal ganz guttäte.

Könnte Söder diese Wechselstimmung auffangen?

Um das aufzufangen, braucht es Geschlossenheit, gute Ideen, neues Personal auch in der Breite und es braucht viel Schwung. Wenn die eigenen Leute Sand ins Getriebe streuen, nimmt dieser Schwung ab. Das darf nicht passieren. Darunter hat die Union in den letzten Jahren öfter mal gelitten. Loyalität und Disziplin sind wichtig. Wenn das alles zusammenkommt, hat die Union eine Chance. Wenn entscheidende Punkte davon fehlen, wird sie die Bundestagswahl nicht erfolgreich bestreiten.

Aber eine Regierungsbeteiligung hat die Union fest eingerechnet, oder?

Die Union ist trotz ihres Absturzes in den Meinungsumfragen immer noch stärkste Partei. Es wird sehr darauf ankommen, wie die Corona-Pandemie bis September bekämpft worden ist. Ich hoffe, dass wir den gesundheitlichen Teil, also die Impfung der Bevölkerung, bis zum Sommer abgeschlossen haben. Damit rücken dann die anderen Folgen in den Blick: wirtschaftlich, sozial und im Bildungswesen. Da kann die Union die Menschen überzeugen, dass der Umgang mit diesen Folgen bei ihr in guten Händen ist.

Ist eine schwarz-grüne Koalition also zwangsläufig?

Die Grünen werden nur dann mit der Union zusammenarbeiten, wenn sie keine Alternative haben. In dem Moment, wo sich eine Regierungsbildung gegen die Union irgendwie abzeichnet, wird es eine ziemlich starke Strömung bei allen anderen Parteien geben, es ohne die Union zu machen. Die Union wird nur dann dabei sein, wenn sie unbedingt zu einer Regierungsbildung gebraucht wird. Sonst eben nicht.

"Beste aus Union und Grüne wäre eine gute Mischung"

Ist Schwarz-Grün oder Grün-Schwarz nicht trotzdem die Regierungskoalition des aktuellen Jahrzehnts – angesichts der großen Probleme, die wir im Rahmen des Klimawandels zu bewältigen haben?

Ja, das glaube ich auch und das wäre auch mein Wunsch. Das Beste aus Union und Grüne gemeinsam in einer Regierung wäre eine gute Mischung, um Deutschland gut für die kommenden Jahrzehnte aufzustellen, also die Klimaziele zu erreichen und trotzdem den Wohlstand zu bewahren.

Was würde es für Laschet bedeuten, wenn er als CDU-Chef nicht Kanzlerkandidat wird?

Das ist schwer zu sagen. In seiner Autorität als CDU-Bundesvorsitzender wäre er natürlich geschwächt. Die Union würde mit einer schwierigen Ausgangslage in den Bundestagswahlkampf gehen. Immerhin hat sich der gesamte Bundesvorstand der CDU mit breiter Mehrheit hinter Laschet gestellt. Dem Bundesvorstand gehören auch alle Landes- und Vereinigungsvorsitzenden an. Ich glaube, dass auch diese Argumente unterm Strich dazu führen werden, dass es auf eine Kanzlerkandidatur von Laschet hinauslaufen wird.