US-Präsident Trump ist ein Kritiker der Vereinten Nationen, seit mehr als einem halben Jahr haben die USA dort keine Botschafterin mehr. Das ändert sich jetzt. Die künftige Chefdiplomatin hat in der Vergangenheit mit Äußerungen zum Klimawandel für Aufsehen gesorgt.

Mehr zu den USA unter Donald Trump hier

Sieben Monate war der Posten verwaist, nun bekommen die USA wieder eine Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Der US-Senat bestätigte am Mittwoch die von Präsident Donald Trump nominierte Kandidatin Kelly Craft (57) als neue Chefdiplomatin bei den UN mit 56 zu 34 Stimmen. Sie ist die Nachfolgerin von Nikki Haley.

Craft ist bislang US-Botschafterin in Kanada. Die oppositionellen Demokraten im Senat hatten ihr bei ihrer Anhörung mangelnde Erfahrung für den wichtigen Posten bei den Vereinten Nationen bescheinigt.

Kelly Craft: Verheiratet mit Kohle-Milliardär

Haley hatte das Amt Ende vergangenen Jahres aus persönlichen Gründen abgegeben. Craft war vor ihrer Zeit als US-Botschafterin in Kanada Unternehmerin im US-Bundesstaat Kentucky. Sie ist mit Joe Craft verheiratet, einem milliardenschweren Geschäftsmann aus der Kohleindustrie. Beide sind Spender der Republikaner.

Im Wahlkampf 2016 unterstützte das Ehepaar Kandidaten der Konservativen nach einem Bericht der "Washington Post" mit rund 1,5 Millionen US-Dollar (1,35 Millionen Euro). Laut der "New York Times" spendeten die Crafts insgesamt zwei Millionen US-Dollar für Trumps Wahlkampf und seine Amtseinführungszeremonie.

Craft und die zwei Seiten des Klimawandels

Für Aufsehen sorgte Craft, als sie 2017 im Sender CBS erklärte, sie glaube "beiden Seiten" in der Debatte über den Klimawandel. Bei ihrer Senatsanhörung im Juni betonte Craft, Klimawandel stelle "ein echtes Risiko für den Planeten dar". Maßnahmen dagegen müssten alle Länder ergreifen.

Den USA dürfe dabei aber keine übergroße Last aufgebürdet werden, die Jobs oder die Wirtschaft gefährden könnte. Craft sprach sich bei der Anhörung zudem für Reformen bei den UN und für eine fairere Lastenteilung bei der globalen humanitären Hilfe aus.

Am Donnerstag gratulierte der US-Präsident Craft zur Bestätigung durch den Senat. Auf Twitter schrieb Trump, Craft habe als Botschafterin in Kanada "ausgezeichnete" Arbeit geleistet. "Kelly wird bei den Vereinten Nationen fantastisch sein. Gewinnerin!"

Botschafterin in Kanada - aber 300 Tage nicht dort

Die Demokraten bemängelten bei der Anhörung Crafts im Senat im vergangenen Monat dagegen unter anderem, dass sie in ihrer bis dahin 20-monatigen Amtszeit als Botschafterin 300 Tage außerhalb Kanadas gewesen sei.

Der ranghöchste demokratische Senator im Auswärtigen Ausschuss, Bob Menendez, kritisierte außerdem die seiner Ansicht nach mangelnde diplomatische Erfahrung Crafts. "Noch nie in unserer Geschichte haben wir jemanden für diesen wichtigen Posten nominiert, der so unterqualifiziert ist wie sie", sagte er.

Der Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, nannte Craft dagegen "eine phänomenale Wahl des Präsidenten". Der Senator aus Kentucky hatte Trump nach eigenen Angaben empfohlen, Craft für das Amt bei den Vereinten Nationen auszuwählen.

In Crafts Zeit als Botschafterin in Kanada fielen die Neuverhandlung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta und der G7-Gipfel in La Malbaie, bei dem es zum Eklat kam, weil Trump seine Unterstützung für die Gipfelerklärung im Nachhinein zurückzog.

Trumps erste Wahl sagt ab

Craft war Trumps zweite Kandidatin für das Spitzenamt. Die erste Anwärterin, Heather Nauert, hatte ihre Bewerbung im Februar überraschend zurückgezogen. Sie hatte erklärt, die Zeit nach der Bekanntgabe ihrer Berufung zur UN-Botschafterin sei für ihre Familie sehr aufreibend gewesen.

Mehrere US-Medien berichteten allerdings, Grund für Nauerts Rückzug sei gewesen, dass sie vor Jahren eine Frau als Kindermädchen beschäftigt hatte, die keine US-Arbeitserlaubnis gehabt habe. Aus Angst vor Komplikationen im Nominierungsprozess wegen dieses Falls habe Nauert entschieden, sich selbst aus dem Rennen zu nehmen. (hub/dpa)

Teaserbild: © imago images / ZUMA Press