Ein heikler Zwischenfall sorgt für den nächsten Streit zwischen den USA und dem Iran: Großbritannien hat auf Anweisung der USA ein Schiff festgesetzt, das iranisches Öl geladen hatte. Der Iran droht mit Rache.

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Es ist einer der sprichwörtlichen Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen könnte: Wegen des Verdachts illegaler Öllieferungen für Syrien hat Großbritannien vor Gibraltar einen Supertanker mit Rohöl aus dem Iran gestoppt. Die Briten handelten im Auftrag der USA.

Die Reaktion aus Teheran ließ nicht lange auf sich warten. Der Iran hat Großbritannien zur sofortigen Freigabe des Tankers aufgefordert. Die Beschlagnahme des Schiffes "Grace 1" sei ein Akt der "Piraterie" und das britische Vorgehen "inakzeptabel", hieß es in einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung.

Iranischer Major: "Auf Schikanen reagieren"

Ein hochrangiger Militär droht gar mit einem Racheakt: Sofern der iranische Tanker nicht weiterfahren dürfe, sei es Aufgabe der Obrigkeit, im Gegenzug ein britisches Schiff zu beschlagnahmen, schrieb Major Mohsen Resai laut "Frankfurter Allgemeine" auf Twitter. Die Zeitung zitiert: "Der islamische Iran hat in seiner 40 Jahre langen Geschichte nie Kampfhandlungen in Streitigkeiten angefangen, aber er hat auch nicht gezögert, auf Schikanen zu reagieren."

Eine diplomatische Karte hat Teheran bereits gezogen: Das Land bestellte den britischen Botschafter Rob Macaire ins Außenministerium ein. Die Regierung hat dem Botschafter nach eigener Aussage Dokumente über das Schiff und dessen Fracht übergeben, die "zeigen, dass der Weg des Schiffes absolut legal war".

Teheran betont, das Schiff habe sich in internationalen Gewässern aufgehalten, daher habe Großbritannien "kein Recht, seine eigenen einseitigen Sanktionen oder diejenigen der Europäischen Union außerhalb des Territoriums gegen andere Länder zu verhängen".

US-Sicherheitsberater spricht von "illegalem Handel"

Großbritannien und die USA sehen das freilich anders. Es gebe Grund zu der Annahme, dass das Rohöl an Bord der "Grace 1" für die Banjas-Raffinerie in Syrien bestimmt gewesen sei, sagte Gibraltars Regierungschef Fabian Picardo in einer Videobotschaft. Dies wäre aber ein Verstoß gegen die EU-Sanktionen, die seit Ende 2011 für das Bürgerkriegsland gelten. Sie beinhalten unter anderem ein Ölembargo.

Die USA, die die Beschlagnahmung erbeten hatten, versuchen ihrerseits mit strengen Sanktionen, die iranische Ölbranche und mit ihr die gesamte Wirtschaft des Landes in die Knie zu zwingen. Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, sprach mit Blick auf den festgesetzten Tanker von "exzellenten Nachrichten". Er schrieb auf Twitter: "Amerika und unsere Verbündeten werden die Regime in Teheran und Damaskus daran hindern, von diesem illegalen Handel zu profitieren." (mcf/dpa/afp)

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