Der Mord an einem Georgier im Berliner Tiergarten belastet das deutsch-russische Verhältnis. Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich nun erstmals zu dem Fall geäußert - und erhebt schwere Vorwürfe gegen den Ermordeten. Gleichzeitig warnt er Deutschland.

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Wladimir Putin hat im Fall des ermordeten Georgiers eine "spiegelgenaue" Reaktion Russlands angekündigt. Der russische Präsident droht Deutschland mit der Ausweisung zweier Diplomaten.

Die Bundesregierung wirft Russland fehlende Kooperation bei der Aufklärung des mutmaßlichen Auftragsmords vor und hatte deshalb in der vergangenen Woche zwei russische Diplomaten ausgewiesen.

"Es gibt eine Regel: Ihr habt unsere Diplomaten ausgewiesen, wir weisen eure Diplomaten aus", sagte Putin. Gleichzeitig relativierte Russlands Präsident den Mord an dem 40-Jährigen. Er sei ein "Bandit" gewesen, der selbst viele Menschen auf dem Gewissen habe.

Der Mann sei in Russland gesucht worden, sagte Putin in der Nacht zum Dienstag auf einer Pressekonferenz zum Ukraine-Gipfel in Paris. Er habe auf der Seite von Separatisten im Kaukasus gekämpft und dort alleine bei einem Anschlag den Tod von 98 Menschen verschuldet. Zudem sei er an einem Anschlag auf die Moskauer Metro beteiligt gewesen.

Den deutschen Behörden warf Putin vor, den "Verbrecher und Mörder" trotz entsprechender Gesuche nicht ausgeliefert zu haben. Gleichzeitig zeigte er sich aber bereit, die deutschen Ermittler bei der Aufklärung des Mordes zu unterstützen. "Wir müssen unseren deutschen Kollegen helfen", sagte er.

Zu den möglichen Hintergründen der Tat sagte Putin: "Ich weiß nicht, was mit ihm passiert ist. Das ist ein verbrecherisches Umfeld. Da kann alles Mögliche passieren."

Deutschland vermutet Auftragsmord im Tiergarten

Die möglichen Auswirkungen des Falls auf die deutsch-russischen Beziehungen spielte der russische Präsident herunter. Er glaube nicht, dass das Verhältnis beider Länder dadurch in eine Krise stürze. Aber gut sei das nicht für die Beziehungen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den Fall vor dem Ukraine-Gipfel in einem Einzelgespräch mit Putin angesprochen. "Wir haben im Augenblick einen Anfangsverdacht des Generalbundesanwalts, nicht mehr und nicht weniger", sagte sie später auf der Pressekonferenz. Das habe sie dem russischen Präsidenten auch so mitgeteilt.

Auf die Frage, ob sie nun eine russische Kooperation bei den Ermittlungen erwarte, sagte die Kanzlerin: "Ich gehe davon aus, dass uns die russische Seite ihre Informationen zur Verfügung stellt, jedenfalls fände ich das gut."

Der 40-jährige Georgier war am 23. August im Kleinen Tiergarten in Berlin von hinten erschossen worden. Der mutmaßliche Täter wurde kurz darauf gefasst und sitzt seither in Untersuchungshaft. Er schweigt zu den Vorwürfen.

Die Bundesanwaltschaft verdächtigt staatliche Stellen in Russland oder in der Teilrepublik Tschetschenien, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Die Behörde hat deshalb die Ermittlungen übernommen.

SPD-Außenpolitiker kritisiert Wortwahl

SPD-Außenpolitiker Nils Schmid kritisierte Putin für seine Äußerungen. "Ich bin erschrocken über diese Wortwahl", sagte Schmid am Dienstagmorgen im ARD-"Morgenmagazin".

Selbst wenn der Georgier ein Terrorist gewesen sein sollte, gehe es nicht an, dass ein ausländischer Geheimdienst in Deutschland einen Mord verübe, sagte der SPD-Obmann im Auswärtigen Bundestagsausschuss. Es gebe rechtsstaatliche Verfahren, an die sich auch Russland halten müsse. (dpa/ank)

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