Ohne Schneekanonen geht in der Wintersaison gar nichts. Skigebiete investieren in die künstliche Beschneiung, um den Tourismus zu stützen, was Umweltschützer kritisieren. Nun lässt das Grazer Joanneum Research mit einer Klimabilanz der künstlichen Beschneiung aufhorchen.

Um die Wintersportsaison abzusichern und den Urlaubern weiße Pisten zu garantieren, kommt mittlerweile kaum ein Skigebiet in Österreich ohne Beschneiungsanlagen aus. Doch so positiv sich diese Entwicklung auf den Tourismus auswirkt, so scharf wird sie von Klimaforschern und Umweltschützern kritisiert.

Der ORF- "Report" beleuchtete am Dienstagabend beide Seiten und ging der Frage nach, ob man sich guten Gewissens an einer künstlichen, technisch erzeugten, Winterlandschaft erfreuen kann.

Teurer Aufwand für weiße Pisten

Ungefähr 14.000 Hektar, das entspricht etwa 60 Prozent der österreichischen Skifläche, können künstlich beschneit werden. Ein teurer Aufwand, um den Gästen weiße Pisten bieten zu können. So beliefen sich die Kosten für Kunstschnee in der letzten Wintersaison auf 154 Millionen Euro. Der jährliche Energieverbrauch für die Erzeugung des Kunstschnees liegt bei ungefähr 15.000 Kilowattstunden.

Ein Beispiel ist der Stubaier Gletscher, der bereits zu Saisonbeginn künstlich beschneit wird. 300.000 Euro pro Saison lässt man sich hier die künstliche weiße Pracht kosten, damit die Schneedecke auch bis Saisonende hält. Nicht zu beschneien, sei teurer, ist man hier überzeugt.

Außerdem wird die Ansicht vertreten, dass der künstliche Schnee hilft, die Gletscherschmelze zu verlangsamen, da der technische Schnee wie ein Vlies wirke, der die Eismasse vor der Sonne schützt.

Versorgung über Wasserbecken

Klimaschützer kritisieren den hohen Verbrauch von Energie und Wasser für die technische Beschneiung. 400 Liter Wasser werden benötigt um einen Kubikmeter Kunstschnee erzeugen zu können. Um den Wasserverbrauch abzudecken wurden österreichweit 420 Speicherbecken angelegt.

Früher lagen Wasserspeicher nahe den Skigebieten, heute muss mit Wasser aus dem Tal nachgeholfen werden. Mit hohem Energieaufwand wird es hunderte Meter hochgepumpt. So kommen auch Bakterien in Regionen, in denen sie nichts verloren haben.

"Man muss sich bewusst sein, dass solche Bescheiungsanlagen auch Nachteile für die Landschaft und die Umwelt bringen. Es ist auch eine zusätzliche Belastung für unsere Bäche, wo in den Wintermonaten ohnehin schon wenig Wasser rinnt“, erklärt der Innsbrucker Umweltanwalt Johannes Kostenzer.

Positiver Klimaeffekt durch Beschneiung?

Experten des steirischen Joanneum Research haben eine Klimabilanz der künstlichen Beschneiung erstellt. Demnach würden die beschneiten weißen Flächen Sonnenbestrahlung reflektieren und sich daher nicht so stark erwärmen. Der sogenannte Albedo-Effekt.

"Wenn eine braune Oberfläche, die sehr viel Wärme anzieht, durch die künstliche Beschneiung weiß wird, dann wird ein relativ hoher Prozentsatz des einstrahlenden Lichtes und der Energie in den Weltraum zurückgeworfen", erklärt Franz Prettenthaler von Joanneum Reseach Life.

Und weiter: "Klimafreundlich ist die Beschneiung dann, wenn sie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern, wie Wasser, Wind oder Photovoltaik bereitgestellt wird und große Flächen bedeckt, die durch Naturschnee nicht bedeckt wären."

Es scheiden sich die Geister

Doch da scheiden sich die wissenschaftlichen Geister. An der Innsbrucker Universität kann man die Grazer Studie wissenschaftlich nicht nachvollziehen. "Es wird daraus ein positiver Effekt gemacht, ohne alle anderen Emissionen, die anfallen, wenn ich so etwas installiere, zu sehen. Da muss ich das Ganze sehen. Wenn man da einen zufälligen Teilaspekt herausholt, verleiht man der Seilbahnindustrie eine scheinbar weiße Weste", so Georg Kaser, Klimaforscher an der Universität Innsbruck.

Die Beschneiung sei nicht positiv, erklärt er weiter: "Sie ist immer noch negativ, wenn ich alles dazurechne. Wenn ich nur die Hälfte dazurechne oder nur einen kleinen Teil – ich kann so lange rechnen, bis etwas Positives herauskommt".