Die Universität Salzburg hat dem österreichischen Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz die Ehrendoktorwürde entzogen. Grund ist die Verbreitung nationalsozialistischer Ideologie durch Lorenz, die die Uni mit erschreckenden Zitaten belegt.

Ehrungen von Personen, die womöglich nationalsozialistisch belastet waren - als erste österreichische Universität leitete die Uni Salzburg zu diesem Thema im vergangenen Jahr Untersuchungen ein. Eine der ersten Konsequenzen: Das im Jahr 1983 verliehene Ehrendoktorat von Verhaltensforscher Konrad Lorenz wird widerrufen. Lorenz, 1989 verstorben, habe aktiv nationalsozialistisches Gedankengut verbreitet, so die Begründung.

Uni nimmt Schuld auf sich

Dieses Urteil trifft auch den deutschen Wirtschaftsrechtler Wolfgang Hefermehl, dessen Ehrendoktorwürde ebenfalls zurückgezogen wurde. In beiden Fällen seien die nationalsozialistischen Aktivitäten im Verfahren der Verleihung des Ehrendoktorats verschwiegen worden.

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Die "geradezu systematischen Auslassungen der Zeit zwischen 1933 und 1945 in den Lebensläufen vieler Geehrter wurde hingenommen und nicht hinterfragt", heißt es in dem Beschluss. "Durch diese Praxis hat sich die Universität selbst mit Schuld beladen, indem sie nämlich einer Kultur des Verschweigens, Vergessens und Verdrängens Vorschub geleistet hat."

Lorenz: "Selbstverständlich immer Nationalsozialist"

Im Beschluss zitiert die Universität Lorenz' Aufnahmegesuch an die NSDAP aus dem Jahr 1938: "Ich war als Deutschdenkender und Naturwissenschaftler selbstverständlich immer Nationalsozialist (...). Ich habe unter Wissenschaftlern und vor allem Studenten eine wirklich erfolgreiche Werbetätigkeit entfaltet, schon lange vor dem Umbruch war es mir gelungen, sozialistischen Studenten die biologische Unmöglichkeit des Marxismus zu beweisen und sie zum Nationalsozialismus zu bekehren ... Schließlich darf ich wohl sagen, daß meine ganze wissenschaftliche Lebensarbeit, in der stammesgeschichtliche, rassenkundliche und sozialpsychologische Fragen im Vordergrund stehen, im Dienste nationalsozialistischen Denkens steht."

Weitere Doktorate unter der Lupe

Lorenz und Hefermehl sind nicht die ersten, denen die Uni Salzburg die Ehrendoktorwürde aberkannt hat. Im Oktober 2014 traf der Widerruf Eduard Paul Tratz. Der Überprüfungsprozess soll im Jahr 2016 abgeschlossen werden.