Wer im Schlaf den eigenen Traum beeinflussen kann und gleichzeitig weiß, dass er schläft, hat einen Klartraum. Diese sogenannten luziden Träume nutzen Forscher, um Albträume zu behandeln oder neue Fähigkeiten zu trainieren.

Einmal fliegen können – danach sehnen sich viele. Dr. Brigitte Holzinger hatte bereits die Gelegenheit dazu. "Ich stand auf einem Hügel in einer Gruppe von Leuten und merkte, dass ich eigentlich schlafe, aber meinen Traum beeinflussen kann", erzählt die Psychotherapeutin und Traumforscherin. "Ich nahm Anlauf, sprang in die Höhe und schwebte einige Zeit in der Luft. Es war ein wundervolles Gefühl."

Klarträume, die auch luzide Träume genannt werden, sind ganz besondere Zustände. Sie stellen sich ein, wenn man im Schlaf bemerkt, dass man träumt.

"In einem normalen Traum hat man das Gefühl, dem Geschehen ausgeliefert zu sein", erklärt Dr. Brigitte Holzinger den Unterschied. Sie gründete vor über 25 Jahren das Institut für Bewusstseins- und Traumforschung in Wien und bietet heute unter anderem Schlafcoaching-Seminare.

"Erkennt man jedoch, dass man träumt, ist das ein richtiges Aha-Erlebnis." In diesem Zustand können Klarträumer das erleben, worauf sie Lust haben – und sogar fliegen. "Das ist ein Gefühl von großer Freiheit", beschreibt Holzinger die schönen Seiten der luziden Träume. Denn anders als im Tagtraum fühlt sich ein Klartraum besonders echt an.

Traumtagebuch führen

Grundsätzlich kann jeder Mensch das Klarträumen lernen. "Wichtig ist, dass man sich intensiv mit seinen Träumen beschäftigt und im ersten Schritt ein Traumtagebuch anlegt", beschreibt Dr. Brigitte Holzinger das Vorgehen. Darin werden Träume gleich nach dem Aufwachen notiert.

Wer seine Erinnerungen regelmäßig aufschreibt, kann sich im Laufe der Zeit morgens häufiger an seine Träume erinnern und die Wahrscheinlichkeit eines Klartraums erhöht sich.

Dr. Brigitte Holzinger empfiehlt zudem, sich im Wachzustand vorzustellen, dass ein Klartraum eintreten könnte. Auch Selbsthypnose kann dabei helfen, einen luziden Traum herbeizuführen.

Klarträume treten bei Menschen, die nachts länger schlafen, häufiger auf als bei denen, die beispielsweise bereits nach sechs Stunden wieder aufstehen müssen. "Wer in der Nacht aufwacht und sich vornimmt, in einen Traum einzusteigen, hat beim erneuten Einschlafen erhöhte Chancen auf einen luziden Traum", weiß Dr. Brigitte Holzinger.

Ängste überwinden

Luzide Träume sind nicht nur schön, sie können auch einen praktischen Nutzen haben. So spielen Klarträume beispielsweise bei der Bewältigung von Alpträumen eine wichtige Rolle.

"Die Betroffenen schlafen oftmals bereits besser, wenn sie erfahren, dass sie etwas gegen ihre Alpträume tun können", so Holzinger. "Sie lernen beispielsweise, sich während des Alptraums zu wecken und sind dem Traumgeschehen damit nicht mehr schutzlos ausgeliefert."

Wer den Inhalt seines Traums schließlich sogar beeinflussen kann, verändert das Geschehen. Ein Beispiel: Tritt im Alptraum ein unheimlicher Verfolger auf, können sich Schlafende im Klartraum einen sicheren Platz suchen oder sich sogar zum Verfolger umdrehen und der Gefahr konsequent begegnen.

Im Schlaf lernen

Traumforscher halten es generell für denkbar, dass Fähigkeiten im Schlaf erlernbar sind. "Der Bereich des Sports ist dabei sehr gut erforscht", weiß Dr. Brigitte Holzinger.

So behauptete der deutsche Psychologe Paul Tholey, im Klartraum Skifahren gelernt zu haben. Der Sportwissenschaftler Daniel Erlacher konnte wissenschaftlich evaluiert zeigen, dass Bewegungsabläufe im Klartraum "geübt" und verbessert werden können.

Viele Profisportler setzen bereits heute auf mentales Training. Dabei werden Bewegungsabläufe vor dem geistigen Auge durchgespielt, um sie im Wettkampf fehlerfrei zu absolvieren.

"Bei einem Klartraum kann ein Sportler die Bewegungen ganz real träumen und so den Ablauf trainieren", erklärt Holzinger. "Studien haben gezeigt, dass Probanden nach dem Training mit luziden Träumen die so gelernten Abläufe im Wachzustand besser durchführen konnten."

Dr. Brigitte Holzinger ist Leiterin des Instituts für Bewusstseins- und Traumforschung und studierte in Wien und Kalifornien Psychologie. Unter anderem ist sie Psychotherapeutin für Gestalttherapie sowie Supervisorin, Trainerin und Coach.

Wer ständig nörgelt und jammert, sorgt dafür, dass er in Zukunft noch mehr Schwierigkeiten erlebt: Die Art, wie wir auf eine Situation reagieren, verändert die Struktur unseres Gehirns.