Vor 45 Jahren startete mit der Mission Apollo 17 der letzte bemannte Raumflug zum Mond. Lange Zeit stand der Trabant nicht im Fokus der Weltraumorganisationen, doch schon in wenigen Jahren werden wieder Astronauten zum Mond fliegen.

Die Landung der ersten Astronauten auf dem Mond war ein ganz besonderer Moment in der Menschheitsgeschichte. Seit den 1950er Jahren lieferten sich die USA und die Sowjetunion einen Wettlauf ins All.

Im Juli 1969 schließlich war es soweit und im Zuge der Mission Apollo 11 betraten die Amerikaner Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin als erste Menschen den Mond.

Es folgten fünf weitere bemannte Mondlandungen und am 11. Dezember 1972 reisten mit der Mission Apollo 17 die vorerst letzten Astronauten zum Mond. Eugene Cernan und Harrison Schmitt verbrachten ganze drei Tage auf dem Erdtrabanten. Seither hat es keinen bemannten Raumflug zum Mond mehr gegeben.

"Das Wettrennen war entschieden und der Fokus lag viele Jahre auf anderen Themen", erklärt Thomas Reiter, ESA Koordinator internationale Agenturen und Berater des Generaldirektors. Der ehemalige Raumfahrer hat viele Tage auf der Internationalen Raumstation ISS verbracht und war bis 2015 Leiter des ESA-Direktorats für Bemannte Raumfahrt.

Der Mond im Fokus

Nach der letzten Apollo Landung vor 45 Jahren wurden nur wenige robotische Missionen auf dem Mond durchgeführt. "Heute erlebt der Mond eine Renaissance", betont Thomas Reiter. "Denn viele Gründe sprechen dafür, die astronautische Raumfahrt zum Mond wieder aufzunehmen."

Zum einen ist der Mond mit durchschnittlich 380.000 Kilometern nicht weit von der Erde entfernt. "In kosmischen Dimensionen ist das nur ein Katzensprung", so Reiter. Und mit der heute zur Verfügung stehenden Technik wäre es möglich, erneut zum Mond zu fliegen.

Für Wissenschaftler ist der Mond zudem wie ein Geschichtsbuch unseres eigenen Planeten. Nach international akzeptierter Theorie entstand der Trabant vor 4,5 Milliarden Jahren durch die Kollision eines Asteroiden mit der Erde. "Der damalige Zustand der Erde wurde auf dem Mond konserviert", erklärt Thomas Reiter.

Forschungen auf dem Mond könnten daher Rückschlüsse auf die Entwicklung des Sonnensystems ermöglichen. Außerdem ist von der erdabgewandten Seite des Mondes optische und Radio-Astronomie möglich, da hier die Störung durch irdische Radiowellen besonders gering ist.

Wertvolle Rohstoffe

Das Apollo-Programm brachte zwar bahnbrechende Erkenntnisse über den Mond, tatsächlich wurde jedoch nur an der Oberfläche des Trabanten gekratzt. Die ESA konzentriert sich jetzt auf eine nachhaltige Rückkehr zum Mond. Dabei spielen Rohstoffe eine wichtige Rolle.

"Es gibt Indizien dafür, dass an den Polen des Mondes Wasser in gefrorenem Zustand oder in gebundener Form im Mondgestein vorliegt", weiß Thomas Reiter. "Wasser ist eine wichtige Ressource, denn wir können zum Beispiel Sauerstoff für die Astronauten und Treibstoff für Raketen herstellen." Und diese Stoffe sind für die menschliche Erkundung des fernen Weltraums unabdingbar.

Besonders interessant sind die vermuteten Vorkommen an Seltenen Erden oder Helium-3. Der Stoff gilt möglicherweise als idealer Treibstoff für Kernfusionsreaktoren und könnte ein neuer Schlüssel zur Energieversorgung sein.

Vom Mond ins All

Eine permanente Station auf dem Mond oder im Mondorbit wäre ein guter Ausgangspunkt für die weitere Erkundung des Sonnensystems. "Die bemannte Raumfahrt zum Mars könnte dort starten", gibt Thomas Reiter ein Beispiel.

"Zudem wäre der Mond mit seiner geringen Schwerkraft ein guter Startplatz für möglicherweise zukünftig notwendige Ablenkungsmaßnahmen von Asteroiden, die sich in Richtung Erde bewegen." Die ersten Projekte zur Erkundung des Mondes laufen bereits. "In Kooperation mit der NASA bauen wir ein Servicemodul für die Orion Kapsel", erklärt Thomas Reiter.

"2019 soll der Jungfernflug starten, ein bis zwei Jahre später sollen Menschen um den Mond fliegen." Gemeinsam mit den Russen werden derzeit zwei Luna-Missionen vorbereitet. 2019 soll Luna 27 auf dem Mond landen und 2021 soll Luna 29 mit Hilfe präziser Navigationssysteme der ESA auf dem Kraterrand in der Südpolregion auf dem Mond aufsetzen. Ein Bohrer der ESA wird Bodenproben entnehmen und ermitteln, ob es hier Wasser gibt.

Eine neue Raumstation

Erste Projektplanungen gibt es seitens der US-amerikanischen NASA und der russischen Weltraumorganisation Roskosmos zur Einrichtung der cislunaren Raumstation Deep Space Gateway. "Das soll ein kleiner Stützpunkt im Mondorbit werden", so Reiter. Neben der japanischen JAXA wollen sich auch die kanadische CSA, die russische Raumfahrtagentur und die ESA beteiligen.

Nach aktuellen Planungen werden erste Schritte in der ersten Hälfte des nächsten Jahrzehnts stattfinden. "All diese Missionen bereiten die Rückkehr von Menschen zum Mond in der zweiten Hälfte des nächsten Jahrzehnts vor", betont der ehemalige Raumfahrer Thomas Reiter.

Vielleicht wird dann auch die Vision des ESA-Generaldirektors Jan Wörner Realität. In seinem "Moon Village" will er die Fähigkeiten verschiedener Weltraumnationen zusammenführen – sei es in Form von Robotik oder Astronauten.

Die Teilnehmer dieser permanenten Mondbasis könnten in verschiedenen Feldern aktiv sein: Wissenschaft und Grundlagenforschung, kommerzielle Gewinnung von Rohstoffen oder sogar Tourismus. "Im Gegensatz zu den bereits laufenden, konkreten Projekten geht beim Moon Village zunächst nur um ein Konzept", erklärt Reiter. "Doch auch die längste Reise beginnt mit einem ersten Schritt."

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