Menschen, die an der Küste leben, haben eine höhere Lebenserwartung. Forscher finden einen einfachen Ausweg aus der Einsamkeit. Und ein Start-up entwickelt Superfood für ausgezehrte Böden. Das sind unsere guten Nachrichten der Woche.
Die tägliche Flut an negativen Nachrichten lässt viele frustriert, traurig, wütend oder mit einem Gefühl der Ohnmacht zurück. Trotzdem werden negative Schlagzeilen mehr gelesen als positive Meldungen – vermutlich aus einem evolutionsbiologischen Grund: Das menschliche Gehirn ist darauf ausgelegt, uns vor Gefahren zu bewahren. Deshalb reagiert es auf Schreckensmeldungen besonders sensibel und speichert negative Informationen stärker ab.
Aber: Doomscrolling, also gezielter und massiver Konsum von negativen Nachrichten, kann der psychischen Gesundheit schaden, wie zahlreiche Studien belegen. Positive Informationen wirken da wie ein Gegengewicht. Sie verdeutlichen, dass es auch konstruktive Lösungen für ein gutes Miteinander und eine bessere Zukunft gibt. In diesem Sinne: Hier sind drei gute Nachrichten.
Mehr Meer, mehr Lebenszeit?
Wer schon immer davon geträumt hat, am Meer zu leben, hat jetzt auch aus wissenschaftlicher Sicht einen guten Grund, sich diesen Wunsch zu erfüllen. Ein Forschungsteam der Ohio State University hat untersucht, ob sich das Leben in Wassernähe auf die Lebenserwartung auswirkt. Dafür analysierten sie Daten aus über 66.000 US-amerikanischen Wohngebieten und verglichen die Lebenserwartung der Menschen mit Blick auf die Nähe zu einem Gewässer.
Heraus kam, dass Menschen im Umkreis von 50 Kilometern bis zur Küste im Durchschnitt rund ein Jahr länger leben als andere Bewohner des Landes. Die höhere Lebenserwartung der Küstenbewohner führen die Forscher auf ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Faktoren zurück.
Weniger Hitzetage, reinere Luft, viele Möglichkeiten für Sport und Erholung, eine gute soziale Infrastruktur und höhere Einkommen würden sich positiv auf die Gesundheit der Menschen auswirken. In Küstenregionen würden die Menschen seltener an Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, stellten die Forscher fest. Überrascht zeigten sie sich, dass andere "Blue Spaces", das sind wassernahe Lebensräume wie beispielsweise am See, nicht den Gesundheitseffekt des Meeres haben.
Wer nicht ans Meer ziehen kann oder möchte, kann der Gesundheit trotzdem Gutes tun. Auch "Green Spaces", also Gegenden mit vielen naturnahen Grünflächen, wirken sich positiv auf die körperliche und psychische Gesundheit aus und senken so das Sterberisiko. Ob Waldbaden oder im Meer planschen – wer viel und aktiv in der Natur unterwegs ist, betreibt also kostenlose Gesundheitsvorsorge.
Eine einfache Methode gegen die Einsamkeit
Eine der Spätfolgen der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Lockdowns ist der Anstieg von Einsamkeit, die sich bei vielen Menschen "chronifiziert" hat, wie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) bestätigt. Auffallend viele junge Menschen sind von Einsamkeit betroffen.
Digitale Angebote wie Online-Kurse oder Homeoffice sind zwar komfortabel und sparen Zeit, könnten das Problem aber verstärken. Wer sich oft isoliert und einsam fühlt, sollte öfter Präsenz-Veranstaltungen besuchen, so das Ergebnis einer neuen Studie der University of Georgia und der Brigham Young University. Die Forscher fanden heraus, dass Live-Events, bei denen man aktiv eingebunden ist und nicht nur passiv anwesend ist, eine besonders einfache und effektive Methoden gegen Einsamkeit darstellen.
Während nach Events wie Konzerten das Zugehörigkeitsgefühl nur kurzzeitig anhält, haben Veranstaltungen, die sich regelmäßig wiederholen und zum Interagieren anregen, einen Langzeiteffekt. Dazu zählen Aktivitäten wie Workshops, Fitnesskurse oder ehrenamtliche Tätigkeiten. Auch gemeinsam organisierte Veranstaltungen wie Dinner-Abende, bei denen alle Gäste eine Aufgabe übernehmen, sind laut der Studie eine gute Möglichkeit, um die soziale Isolation endlich hinter sich zu lassen und neue Kontakte zu knüpfen.
Ein Superfood für Böden und Klima
Weltweit arbeiten Menschen an Technologien und Methoden, um die Folgen des Klimawandels abzuschwächen und eine hohe Lebensqualität auch unter neuen Umweltbedingungen zu sichern. In dem von Markus Antonietti, Direktor am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, mitgegründeten Start-up Humify wird aus Biomasse wie Klärschlamm oder organischen Reststoffen künstliches Humin (A-HS) hergestellt. Genau wie natürlicher Humus macht A-HS Böden fruchtbarer, speichert CO2, verbessert die Wasserspeicherfähigkeit und beugt so Erosionen und Hitzeschäden vor.
Eine Tonne Huminstoff pro Hektar kann im ersten Jahr bis zu 50 Tonnen Kohlenstoff binden. Außerdem macht es Pflanzen widerstandsfähiger gegen Schädlinge, steigert Ernteerträge um bis zu 20 Prozent und gilt als vielversprechend für die Sanierung kontaminierter Böden. Während Naturhumus über Jahrhunderte entsteht, ist A-HS aus dem Hochdruckkocher des Labors nahe Potsdam deutlich schneller einsatzbereit.
Empfehlungen der Redaktion
In großen Massen könnte es dazu beitragen, mehrere globale Probleme gleichzeitig zu lösen: Es speichert CO2 und hilft so, die Erderwärmung zu verlangsamen, hilft im Kampf gegen den Welthunger und gleicht menschengemachte Umweltschäden aus. Aktuell arbeitet Antonietti mit seinem Team aus ehemaligen Max-Planck-Wissenschaftlern an einer Anlage, die 3.000 Tonnen künstlichen Humus im Jahr erzeugen soll.
Verwendete Quellen:
- news.osu.edu: Could living near water mean you’ll live longer?
- sciencedirect.com: Unveiling complexity in blue spaces and life expectancy
- ssph-journal.org: Greenspaces and Health: Scoping Review of studies in Europe
- journals.sagepub.com: Actively Participating in Live Events as an Avenue for Social Connection
- bib.bund.de: Einsamkeit im jüngeren und mittleren Erwachsenenalter angestiegen
- mpg.de: Superfood für den Boden
- humify.earth: Humify Humus