In Frankreich sind ab dem kommenden Schuljahr Mobiltelefone in Schulen verboten. Das soll die Aufmerksamkeit der Schüler im Unterricht erhöhen und das Miteinander in den Pausen fördern. Der ORF-"Report" warf einen Blick auf die Situation in österreichischen Schulen.

Ein komplettes Verbot für Handys in Schulen hat der französische Unterrichtsminister Jean-Michel Blanquer vor einigen Tagen für das kommende Schuljahr angekündigt.

Mobiltelefone sind in Frankreich in Volksschulen und Unterstufen bereits seit 2010 im Unterricht verboten. Nun soll das Verbot elektronischer Geräte auch auf die Pausen und das Mittagessen ausgeweitet werden. Spiele, Social Media wie Facebook oder WhatsApp, sollen Schülerinnen und Schüler nicht mehr vom Unterricht ablenken, so das Ziel.

Doch wie sieht der Umgang mit Mobiltelefonen in heimischen Schulen aus? Ist auch hierzulande ein generelles Verbot vorstellbar? Darüber berichtete am Dienstagabend der ORF-"Report" und verschaffte Einblicke, wie Schüler und Lehrer die Situation hierzulande sehen.

Schule kann Regel in Hausordnung festschreiben

In Österreich können Schulen im Sinne der Autonomie den Umgang mit dem Handy in ihrer Hausordnung selbst festlegen. Generelle Regelungen gibt es keine.

Im Gymnasium Wasagasse in Wien gilt ein generelles Handyverbot, auch in den Pausen. "Die Beweggründe waren, dass wir beobachtet haben, dass sich unsere Schüler in der Pause um ein oder zwei Handys geschart haben. Unser Gedanke war, dass das nicht Sinn und Zweck der Pause sein kann. Wir haben dann in die Hausordnung aufgenommen, dass Handys für Schüler in der Unterstufe nicht erlaubt sind", erklärt Johannes Bauer, Direktor des Gymnasiums Wasagasse im "Report".

Erhöht Verbot den Reiz?

Acht von zehn Jugendlichen im Alter zwischen elf und 14 Jahren besitzen in Österreich ein Smartphone, Tendenz steigend. Die Mobiltelefone werden nicht nur in der Freizeit, sondern auch in der Schule genutzt.

Von einem von oben verordneten Verbot, wie in Frankreich, hält Medienpädagoge Christian Swertz allerdings nichts. Er plädiert im "Report" für die Eigenverantwortung der Schüler. "Eine Möglichkeit wäre, mit den Schülerinnen und Schülern zu diskutieren, welches Ausmaß an Erreichbarkeit sie für vertretbar halten, und wie weit sie bereit sind, auf Erreichbarkeit im eigenen Interesse zu verzichten. Wenn man das als Druck durchsetzt, wird höchstens der Reiz des Verbotenen erhöht", so Christian Swertz.

Eltern bestehen häufig auf Handy

Oft sind es allerdings nicht die Schüler, die gegen ein Handyverbot protestieren, sondern besorgte Eltern, die ihre Kinder während der Unterrichtszeit nicht mehr erreichen können. "Die Tendenz, Kontrolle über alles zu haben oder haben zu wollen, durch digitale Möglichkeiten, nimmt immer mehr zu. Wir haben die Möglichkeit, Familienmitglieder zu orten, ständig zu wissen, wo er oder sie gerade sind. Die Frage ist, wo überwiegen die Vorteile, wo die Nachteile", so Schuldirektor Bauer.

Das Handy wird aber auch immer mehr in den Unterricht eingebaut, etwa um Begriffe zu recherchieren. So wird den Schülern der richtige Umgang mit den Mobilgeräten näher gebracht. Da der Umgang mit digitalen Tools auch Gefahren birgt, regen Experten zu einer verstärkten Nutzung von Smartphones im Unterricht an.

Eine dieser Gefahren ist das Cybermobbing in Schulen. Gregor Wagner vom Forum Mobilkommunikation dazu: "Soziale Medien sind ein Spielbereich, wo Cybermobbing zu einer wirklich großen Belastung für einzelne Schülerinnen und Schüler werden kann. Gerade hier muss man ansetzen. Wird das Smartphone oder das Tablet in Schulen verboten und nicht in den Unterricht mit einbezogen, dann werden diese jugendlichen Menschen mit den Geräten und den Möglichkeiten komplett allein gelassen, und das birgt genau diese Probleme".

Darum hat sich die vorige Regierung auf einen Pilotversuch geeinigt. "Digitale Grundbildung" als verpflichtende Übung soll den richtigen Umgang mit den Tools vermitteln. Derzeit sind 178 Schulen in den Pilotversuch eingebunden. Im nächsten Schuljahr soll diese Maßnahme flächendeckend in ganz Österreich kommen.