Nach dem strengen Lockdown im Frühling werden im August in Frankreich die höchsten SARS-CoV-2-Neuinfektionen seit Mai gezählt. Wie kommt es zu den drastisch steigenden Zahlen und wo sind die Corona-Hotspots? Ein Überblick der Lage.

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Als eines der am stärksten betroffenen Ländern der Europäischen Union verhängte Frankreich zu Beginn der Coronakrise strenge Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Aufgrund des erhöhten Infektionsgeschehens werden die Hygiene-Maßnahmen zur Eindämmung von SARS-CoV-2 in einigen Regionen wieder verschärft.

Am 19. August bestätigte das französische Gesundheitsministerium mehr als 4.700 nachgewiesene Corona-Neuinfektionen an einem Tag - die höchste Zahl seit Mai.

Corona in Frankreich - die Hotspots

Vor allem die zur Region Île-de-France gehörenden Départements Seine-Saint-Denis, Val-de-Marne und die Hauptstadt Paris sowie die Départements Bouches-du-Rhône, Hérault und Alpes-Maritimes in der Mittelmeer-Region Provence-Alpes-Côte d'Azur sind stark betroffen.

Auch aus den Départements de la Sarthe im Nordwesten, Gironde im Südwesten und den an Spanien angrenzenden Départements Pyrénées-Atlantiques, Hautes-Pyrénées und Haute-Garonne werden steigende Infektionszahlen gemeldet.

Strenge Corona-Regeln in Frankreich

Landesweit gelten strenge Hygiene-Maßnahmen wie ein Mund-Nase-Schutz in geschlossenen Räumen, die öffentlich zugänglich sind. Beim Mindestabstand folgt Frankreich der WHO-Empfehlung von einem Meter. In einigen Städten gilt die Maskenpflicht auch in ausgewiesenen Bereichen in der Öffentlichkeit.

Nach der Einstufung als Corona-aktive Zone wurden auch in Paris die Maßnahmen im August verschärft. So muss in viel einigen Bereichen der Stadt unter freiem Himmel ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Dazu zählen viel frequentierte Gegenden wie das Seine-Ufer. Regelbrechern droht eine Strafe von 135 Euro.

Angesichts der Ausbreitung von COVID-19 in Frankreich wird die Maskenpflicht ab September auch auf Unternehmen ausgeweitet. Ausgenommen sind Einzelbüros. Zudem rät das französische Arbeitsministerium, im Homeoffice zu arbeiten. Großveranstaltungen bleiben bis auf Weiteres untersagt. Wie kommt es trotz der strengen Hygiene-Maßnahmen zu den steigenden Coronavirus-Infektionen?

Corona-Müdigkeit, Corona-Partys, Reiserückkehrer

Seitdem die französische Regierung nach dem strikten Lockdown im Frühling die Maßnahmen im Mai nach und nach lockerte, trafen sich Menschen wieder in Cafés, Parks, Schulen oder Kultureinrichtungen.

Wie in anderen Ländern auch, werden in Frankreich die Corona-Regeln nicht allerorts eingehalten. Vor allem unter jungen Menschen scheint sich eine gewisse Corona-Müdigkeit breitzumachen. Darauf deuten die Zahlen des französischen Gesundheitsministeriums hin.

Die Infektionen mit SARS-CoV-2 nehmen in Frankreich zwar in allen Altersgruppen zu, bei den 25 bis 35-Jährigen können aktuell besonders viele Infektionen nachgewiesen werden.

Da COVID-19 bei jungen Menschen häufiger mit leichten Symptomen verläuft, könnten so auch die sinkenden Zahlen derer erklärt werden, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Zudem besteht die Gefahr, dass das Coronavirus bei asymptomatischen Verläufen unentdeckt bleibt und sich so ungehindert ausbreitet.

Doch auch Reiserückkehrer und Urlauber könnten eine Rolle für die vermehrten Fallzahlen in Frankreich spielen. Bei den in Deutschland positiv auf das neue Coronavirus getesteten Personen handelt es sich laut Robert-Koch-Institut zu rund 40 Prozent um Rückkehrer aus dem Urlaub im Ausland. Auch viele Partygänger infizieren sich aufgrund nicht eingehaltener Hygiene-Maßnahmen mit dem Erreger.

Ähnlich wie in Berlin oder anderen Party-Hotspots wie dem Ballermann auf Mallorca, feierten auch in St. Tropez Menschen ausgelassen, ohne sich an die Abstandsregeln zu halten. Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran bat die Bevölkerung bei seinem Besuch im südfranzösischen Lozère um die Einhaltung der geltenden Vorschriften.

Einreise nach Frankreich

Eine Reisewarnung für Frankreich liegt aktuell nicht vor. Die Einreise nach Frankreich ist für EU-Bürger uneingeschränkt möglich. Die Niederlande warnen jedoch bereits davor, die Ballungsräume Paris oder Marseille zu besuchen.

England schickt Frankreich-Rückkehrer in eine zweiwöchige Quarantäne. Das Auswärtige Amt informiert auf seiner Internetseite über die aktuelle Lage und die geltenden Hygiene- und Einreise-Vorschriften.

Verwendete Quellen:

  • Auswärtiges Amt: Frankreich: Reise- und Sicherheitshinweise
  • Corona-Karte Map the News
  • Santé publique France:: Epidemiologische Lage 13. August 2020
  • Santé publique France: Epidemiologische Lage 21. August 2020
  • Robert-Koch-Institut: Epidemiologie
  • France Info: Coronavirus : Les contaminations explosent à Saint-Tropez
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