Sturmtief "Friederike" fegt über Deutschland und sich im Laufe das Donnerstags in einen Orkan verwandelt. Am Nachmittag hat die Bahn bundesweit den Fernverkehr eingestellt. Auch in Teilen Österreich ist Vorsicht geboten.

Todesopfer, geschlossene Schulen, ausgefallene Flüge: Das Sturmtief "Friederike" hat Deutschland mit voller Wucht erreicht und ist zum Orkan heraufgestuft worden. Meteorologen warnen: Im Zweifel lieber zu Hause bleiben.

Am Nachmittag wurde bekannt: Die Deutsche Bahn stellt den Fernverkehr im ganzen Land ein. Die Züge würden nur noch bis zum nächsten geeigneten Bahnhof fahren und dort stehenbleiben, teilte die Bahn am Donnerstagnachmittag mit.

Auch über Großbritannien fegt der Sturm mit bis zu 120 km/h, in weiten Teilen der Niederlande herrscht Alarmstufe Rot.

Sechs Tote in Deutschland

Inzwischen starben in Deutschland drei Menschen wegen des Orkans. Zunächst war ein 59-Jähriger auf einem Campingplatz am Rhein in Emmerich-Elten von einem Baum erschlagen worden. Er sei sofort tot gewesen, berichtet die Polizei.

In Bad Salzungen starb ein Feuerwehrmann bei Rettungsarbeiten. Auch er wurde von einem Baum erschlagen, berichtet die "Thüringische Landeszeitung".

Zudem ist bei Lippstadt in Nordrhein-Westfalen ein 68-Jähriger bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, bestätigt das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in Duisburg. Der Fahrer hatte im Orkan die Kontrolle über seinen Transporter verloren und war in den Gegenverkehr geraten.

Nach Polizeiangaben stieß der 68-Jährige aus Geseke in seinem Wagen mit einem Lkw zusammen und war sofort tot. Der 73-jährige Fahrer des 40-Tonners kam verletzt ins Krankenhaus.

Auch ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Nordrhein-Westfalen sowie ein Lastwagenfahrer sind ums Leben gekommen.

In Mecklenburg-Vorpommern ist eine Frau bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

Bundeswehr im Einsatz

Die Bundeswehr unterstützt mit einem Schützenpanzer die Bergungsarbeiten an einem Unfallort im thüringischen Bad Salzungen. Dort war am Donnerstagnachmittag ein 28 Jahre alter Feuerwehrmann von einem Baum erschlagen worden.

Es seien wegen des Orkantiefs "Friederike" so viele Bäume umgestürzt, dass Feuerwehr und Polizei mit ihren Einsatzfahrzeugen nicht mehr vorwärts gekommen seien, sagte ein Sprecher des Landeskommandos der Bundeswehr.

Ganze Region von der Umwelt abgeschnitten

Der Oberharz in Niedersachsen ist wegen der Auswirkungen von Orkantief "Friederike" seit Donnerstagnachmittag weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten.

Wegen zahlreicher umgekippter Bäume seien alle Zufahrtsstraßen gesperrt worden, sagte ein Sprecher der Kreisverwaltung Goslar. Auch viele andere Straßen im Kreisgebiet seien unpassierbar.

Ein Polizeisprecher bezeichnete die Lage als chaotisch. Es stürzten nach wie vor in großer Zahl Bäume auf die Fahrbahnen. Trotz zahlreicher Verkehrsunfälle sei bisher niemand verletzt worden.

Kölner Dom gesperrt, Züge gestoppt

Wegen der Sturmwarnung für Nordrhein-Westfalen ist die direkte Umgebung des Kölner Doms am Donnerstag teilweise abgesperrt worden.

"Vorsicht Steinschlag!" warnte ein Schild. Von der Bahnhofsseite aus sei der Dom aber noch weiter erreichbar. Der Kölner Dom ist großenteils aus Trachyt vom Drachenfels am Rhein. Das Gestein wurde im Mittelalter über den Fluss nach Köln transportiert und dort verbaut.

Kleinere Steinschläge am Dom durch Verwitterung oder Kriegsschäden sind nicht ungewöhnlich. Bei Sturm erhöht sich das Risiko deutlich, weshalb die Domplatte dann vorsichtshalber abgesperrt wird.

In Nordrhein-Westfalen sowie in Niedersachsen wurde zudem der Zugverkehr komplett eingestellt.

Mehrere Menschen verletzt

Es gibt viele Verletzte, darunter auch Schwerverletzte.

In Ratingen wurde eine Frau von einem umstürzenden Baum erfasst und eingeklemmt, wie die Feuerwehr mitteilte.

Fast zeitgleich wurden im Kreis Heinsberg zwei Fußgänger von einem Baum getroffen. Sie mussten von der Feuerwehr befreit werden und wurden nach erster Einschätzung der Feuerwehr schwer verletzt. Auch in Dortmund stürzte ein Baum auf einen Menschen. Die Feuerwehr konnte den Verletzten bergen.

Wind mit bis zu 160 km/h

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt, dass es an diesem Donnerstag in vielen Teilen Deutschlands Orkanböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 115 Kilometern pro Stunde geben könnte. In Hochlagen kann es noch heftiger werden - im Harz wird mit Windgeschwindigkeiten bis zu 160 Stundenkilometern gerechnet.

Vielerorts fällt der Schulunterricht aus, etwa im Oberharz in Niedersachsen, in Teilen von Mittelhessen und Oberfranken. In Nordrhein-Westfalen, wo für das gesamte Land Unwetterwarnungen ausgegeben wurden, können die Schulen selbst entscheiden, ob sie aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben, wie das Schulministerium mitteilte.

In Regionen, in denen Orkanböen drohen, empfehlen die Meteorologen, Aufenthalte im Freien zu vermeiden. Sie warnen vor entwurzelten Bäumen, herabstürzenden Dachziegeln und Schäden an Gerüsten und Hochspannungsleitungen.

Nicht nur der Wind birgt große Gefahr

Neben dem Wind bleibt die Glätte in vielen Teilen Deutschlands weiterhin ein Problem - vor allem im Norden, in der Mitte, im Osten und im Süden.

In Teilen Niedersachsens führte die Glätte zu zahlreichen Unfällen - am Abend und in der Nacht besonders rund um Wilhelmshaven und Westerstede. Auf den Autobahnen 28 und 29 krachte es "im Minutentakt", wie die Polizei mitteilte. Zwei Menschen wurden leicht verletzt.

Auch in Oberbayern berichtete die Polizei von vielen Unfällen durch Schneefall. In Baden-Württemberg kam kurz nach Mitternacht ein 23-Jähriger ums Leben. Er saß auf dem Beifahrersitz eines Wagens, der gegen einen Sattelzug schleuderte. Der Fahrer war bei Glätte zu schnell unterwegs gewesen.

Sturmwarnungen auch in Österreich

Österreich ist von "Friederike" nur in abgeschwächter Form betroffen. Laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) sind auf den Bergen Böen von etwa 120 km/h zu erwarten.

In tieferen Lagen sei mit stürmischem Wind und Böen zwischen 70 und 80 km/h zu rechnen, in exponierten Regionen kurzzeitig auch mit bis zu 100 km/h.

Vorsicht ist wegen des Sturms laut den ZAMG-Prognosen vor allem in Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und der Steiermark geboten.

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(dpa/af)