Der islamische Religionswissenschaftler Ednan Aslan übt besonders an JUWA-Kindergärten der islamischen Föderation starke Kritik. Diese seien ein Problem, würden religiöse Botschaften propagieren, sich aber offiziell nicht als islamische Kindergärten bezeichnen. Das sagte er in einem ORF-Report Interview am Dienstag.

Was passiert in islamischen Kindergärten in Wien wirklich? Diese Frage beschäftigt derzeit vor allem die ÖVP rund um Sebastian Kurz.

Dieser hat vor kurzem angekündigt, alle islamischen Kindergärten schließen zu wollen. 150 davon soll es derzeit in der Bundeshauptstadt geben.

Das Problem, wenn es nach dem Experten Ednan Aslan geht: Es gibt "islamische Kindergärten" als solche nicht offiziell.

Muslimische Kinder, die kein Deutsch sprechen

Der islamische Religionswissenschaftler übt besonders an JUWA-Kindergärten der islamischen Föderation starke Kritik. Diese seien durchaus ein Problem und würden religiöse Botschaften propagieren, sagte er in einem ORF-Report Interview am Dienstag.

Esra Erdogan bestreitet das. Die Regionalleiterin der JUWA-Kindergärten meinte: "Wir sind kein islamischer Kindergarten", gab jedoch im selben Atemzug zu: "Wir haben Kinder die muslimisch sind und nicht Deutsch sprechen."

Zumindest würde sich die islamische Föderation nicht in den Kindergartenalltag einmischen, so Erdogan. Aussagen, die nicht überprüfbar sind.

Das kritisiert auch Aslan: "Offiziell haben wir in Wien keinen einzigen muslimischen Kindergarten. Denn das dürfen sie nicht sagen."

Man bleibt lieber unter sich

Wie es denn wirklich aussieht, hat sich die Journalistin Nour Khelifi angesehen. Die "Biber"-Journalistin recherchierte undercover und kam zum Fazit: Man bleibt lieber unter sich.

Besonders die deutsche Sprache würde kaum gelehrt werden. Dafür religiöse Bildung. Zu wenig Sprachförderung und fragwürdige Betreiber beschäftigen die heimische Politik in dieser Causa schon lange.

Aslan dazu: "Ich kenne kein Land in Europa, in dem man so einfach einen Kindergarten gründen kann." Und auch Migrationsforscherin Barbara Herzog-Punzenberger meint: "Wir haben Hilfspersonal, das in manchen Bundesländern überhaupt keine Ausbildung braucht und keine Weiterbildungen hat. Dabei wäre es ein wichtiger Ansatzpunkt, dass sich der ganze Standort weiterentwickelt."

Kindergarten-Schließung laut Soziologe Güngör nicht realistisch

Welche Probleme es in der Praxis tatsächlich gibt, diskutierten im Report-Studio auch Heidemarie Lex-Nalis, Sprecherin des Netzwerks EduCare, und Soziologe Kenan Güngör.

Für Güngör ist eine Schließung kaum realistisch: "Das Dilemma ist, dass sie es nicht können, weil kein einziger Kindergarten als islamischer Kindergarten firmiert. Das Problem ist die dahinterliegende Pädagogik und wie stark die Religion dort ausgeprägt ist."

Er hätte dazu gerne eine Diskussion mit wissenschaftlicher Evidenz auf Basis einer Studie, die im Herbst erscheinen wird.

Gefahr im Verzug könne er keinen erkennen, warnt jedoch: "Diese Frage wird uns nicht in Ruhe lassen, weil das Thema der religiösen Bedürfnisse auch bei den Flüchtlingen weiter eine Rolle spielt."

Fehlende Sprachkenntnisse als Integrationsproblem sieht Soziologe Güngör als nicht so essenziell. Deutsch solle man nicht überbewerten: "Die Muttersprache ist ebenfalls wichtig."

Lex-Nalis pochte auf eine stärkere Überprüfung der Kindergärten, abseits von politischem Geplänkel: "Man hat zu lange weggeschaut und hat diesen Wildwuchs zugelassen. Ich glaub aber, dass es darum geht, dass Kontrollen anders ablaufen müssen. Man könnte schon genauer hinschauen."