Bei Sandra Maischberger ist ein angeblich frauenfeindliches Bild das Thema. Die Debatte ist hitzig. Feministin Alice Schwarzer und ein Vertreter der deutschen Moscheen-Gemeinden gehen mit harschen Vorwürfen regelrecht aufeinander los. Maischberger entgleitet die Debatte.

Was ist das Thema?

In Deutschland sei die Gleichberechtigung klar geregelt, auch verfassungsrechtlich. Nicht alle Migranten halten sich aber laut Frauenrechtlerinnen an diese Prinzipien, sagt ARD-Moderatorin Sandra Maischberger. Vor allem junge, muslimische Männer seien diesem Vorwurf ausgesetzt, schildert die 49-Jährige und fragt: "Ist das ein Vorurteil, diskriminierend und islamfeindlich?"

Wer sind die Gäste?

Alice Schwarzer, Feministin und Journalistin. Die Frauenrechtlerin ist in Hochform, übernimmt zeitweise eigenwillig die Moderation. Maischberger lässt sie damit nicht gut aussehen.

Sie spielt wiederholt auf die Vorkommnisse in der Silvesternacht in Köln an. "Das war eine bestimmte Sorte von Muslimen. Das ist bestätigt worden", meint die 73-Jährige, beruft sich auf den Polizeibericht und erklärt: "Die meisten der Angeschuldigten sind angereist. Es ging um eine Machtdemonstration Gleichgesinnter. Es ging um den radikalen Islam."

Und sie sagt, dass unter den mutmaßlichen Tätern damals viele "Neugekommene, Illegale" gewesen seien.

Simone Peter, Bündnis 90/Die Grünen, Bundesvorsitzende. Sie tut an diesem Abend zweierlei: Sie schützt den Islam vor Generalisierungen und warnt, dass die Alternative für Deutschland (AfD) durch diese Debatte noch mehr Auftrieb bekomme. "Sexismus hat keine Religion. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass Frauen auch anderswo diskriminiert werden", sagt sie.

"Wir können doch nicht über vier Millionen Muslime in Deutschland beschuldigen, dann liefern wir all jenen den Stoff, die jetzt von rechts kommen."

Murat Kayman, DITIB-Vorstand NRW. Das Vorstandsmitglied der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion fühlt sich in die Defensive gedrängt. "Wir sind in dem Verhältnis zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen keinen Schritt vorangekommen in den letzten 15 Jahren", meint er. "Die Gräben sind tiefer denn je."

Die Gäste bei "Anne Will" antworten auf öffentliche Hysterie mit Nüchternheit.

Was in Köln geschehen sei, sei kein Exempel für muslimisches Verhalten, sagt er. Mit zunehmender Dauer wird Kayman dünnhäutiger, auch wenn er versucht, die Contenance zu wahren. "Der Verlauf unserer Diskussion zeigt, dass wir uns in der Gesellschaft so wenig kennen, dass wir ständig über die Gerüchte über den Islam reden und nicht über das Verhalten der Muslime selbst", sagt er.

Samuel Schirmbeck, ehemaliger ARD-Korrespondent in Nordafrika. Er lebte zeitweise in Algerien und Marokko, kennt das Miteinander dort und erzählt davon – sehr drastisch. "So was wie in Köln gehörte zum Alltag in Algier und Marokko", schildert er seine Erfahrungen.

Selbst im Bus würden Frauen angemacht, es gebe einen wahren Markt dafür, Jungfernhäutchen wieder zu verschließen, erzählt er. "Schließlich dürfen Frauen vor der Ehe keinen Sex haben." Er greift den Islam als Ideologie an: Aufgrund des "erniedrigenden Frauenbildes im Islam" entstehe ein wahnsinniger sexueller Überdruck bei Männern. Schirmbeck beschwert sich: "Wenn man es anspricht, wird man in die rechte Ecke gedrängt."

Dominic Musa Schmitz, ehemaliger Salafist. Er lebte selbst vorübergehend unter Salafisten, die den Islam radikal auslegen. Musa Schmitz erzählt, wie er weder einer Frau die Hand geben noch diese anschauen durfte. Davon, wie er verheiratet wurde und mit einer fremden Frau zwei Kinder bekam.

Selbstbefriedigung sei verboten, Sex vor der Ehe sowieso. "Ich habe versucht, monatelang Frauen nicht ins Gesicht zu schauen. Man verbietet sich einen normalen Umgang mit der Frau", erzählt der junge Mann - und warnt dennoch vor einer Generalverurteilung des Islams.

Was war das Rede-Duell des Abends?

Kayman gegen Schwarzer. Es dominiert die gesamte Debatte. "Jede dritte Frau in Europa ist Opfer sexueller Belästigung", meint Kayman zu Schwarzer. Die entgegnet scharf, er unterstelle Dinge, die falsch seien. Schwarzer kommt wieder auf Köln zurück: "Die haben den Frauen die Faust zwischen die Beine gerammt."

Mutmaßliche Täter wie dort stünden unter Alkohol- und Drogeneinfluss, sagt Kayman daraufhin. Sie könnten deshalb gar nicht "als muslimisch abgestempelt" werden. Schwarzer attackiert ihn nun direkt, es wird persönlich. "Sie werden bezahlt, ideologisch munitioniert. Sie sind einer der stärksten Vertreter des Scharia-Islams", wettert sie. Und weiter: "Sie sind der verlängerte Arm von Herrn Erdogan."

Kayman spricht von Unterstellung und Lüge, fordert: "Wir müssen doch aufrichtig miteinander diskutieren. Damit kriminalisieren Sie zweitausend Moscheen-Gemeinden in Deutschland. Sie haben doch noch nie eine Moschee von innen gesehen." Es ist ein Duell, wie man es in einer solchen Intensität in Polit-Talks selten sieht.

Was war der Moment des Abends?

Als Kayman sagt, dass sich Nicht-Muslime und Muslime in Deutschland in den vergangenen Jahren nicht aufeinander zubewegt hätten, zu wenig voneinander wüssten. Er hat damit wohl recht. Genau an dieser Stelle werden die Bedenken von Simone Peter greifbar.

Wie hat sich Maischberger geschlagen?

Nicht souverän. Sie unterbricht zeitweise, wo sie es nicht sollte - als die Diskussion am spannendsten ist. Von Schwarzer wird sie regelrecht überrumpelt.

Am Ende beurteilt sie ihre Leistung indirekt selbst: "Es bleiben Fragen offen. Wir diskutieren diese beim nächsten Mal."

Was ist das Ergebnis?

Ex-Korrespondent Samuel Schirmbeck spricht es ganz am Ende der Sendung an. Maischberger greift sein Zitat sofort auf und macht es zum Statement der Sendung: "Islamkritik muss möglich sein, aber differenziert."