Auf gut österreichische Art hat Christian Kern (SPÖ) die Frage seiner Haltung zur FPÖ beantwortet. Der Bundeskanzler eröffnete am Montagabend im Gespräch mit Puls4-Moderatorin Corinna Milborn den TV-Wahlkampf und stellte sich den Fragen von Wählern.

Für Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) sind TV-Auftritte wie dieser von großer Bedeutung, glänzt doch etwas mehr als 100 Tage vor den Neuwahlen sein Kontrahent Sebastian Kurz (ÖVP) mit Umfragewerten. Im ersten großen Sommergespräch am Montagabend auf Puls4 blieb Kern souverän und wusste die eingesandten Wähler-Fragen für sich zu nutzen.

Christian Kern erklärt "Vollholler"-Kommentar

Schnell kam Moderatorin Corinna Milborn zum Thema Flüchtlingskrise. Ein junger Wähler wollte wissen, warum Kern den Kurz-Plan, die Mittelmeerroute zu schließen, als "populistischen Vollholler" bezeichnet habe.

"Mit Fingerschnippen kann man das Problem nicht lösen", sagte Kern und sprach sich dagegen aus, den Menschen "Sand in die Augen zu träufeln": "Ich weiß, die Leute wollen einfache Antworten hören. Das Problem ist, dass Kurz nicht gesagt hat, wie das gehen soll." Nur mit langfristigen Programmen ließe sich das Problem in den Griff bekommen.

Auch zum Thema Senkung der Steuer- und Abgabenquote erklärte er prinzipiell, ohne allerdings selbst ins Detail zu gehen: "Ich werde nur Dinge vorschlagen, die funktionieren, die man durchsetzen kann."

"Keine Lust" auf Erbschaftssteuer

Ausweichend war Kerns Antwort auf die Frage, ob er sich eher links oder rechts positioniert sehe ("Als pragmatisch - ich bin ein Anhänger dessen, was funktioniert"), während er zu Muslimen in Österreich klarere Worte fand: "Ich bin dagegen, den 600.000 Muslimen im Land zu sagen, dass sie nur Bürger zweiter Klasse sind."

Die Erbschaftssteuer will Kern, weil er "keine Lust" habe, "Privilegierte noch privilegierter zu machen".

Die Gretchenfrage, wie er es denn mit der FPÖ halte, löste Kern auf gut österreichische Art: "Die FPÖ ist mir völlig powidl".

Seine Anliegen: Chancengleichheit, mehr Lehrer, mehr Polizei, keine Enteignung mehr bei der Pflege. "Wer das mit uns umsetzt, ist ein gesetzter Partner", hielt der Kanzler fest.

Bis zur Nationalratswahl am 15. Oktober stehen im Zusammenhang mit dem Wahlkampf noch mehr als 60 Polit-Auftritte und Duelle in verschiedenen TV-Sendern auf dem Programm. (af)