Andreas Khol lässt mit Äußerungen zur nationalsozialistischen Vergangenheit Österreichs aufhorchen. Der Präsidentschaftskandidat der ÖVP erklärt, Österreich sei ein "Opfer des Nationalsozialismus" gewesen.

"Das Land Österreich war ein Opfer des Nationalsozialismus": Mit dieser Aussage hat am Montagabend der ÖVP-Bundespräsidentenkandidat Andreas Khol im ATV-Polittalk "Klartext" für Überraschung gesorgt. Er schickte hinterher: "Viele Österreicher waren aber auch Täter."

FPÖ-Kandidat für Präsidentenwahl attackiert Van der Bellen.

Kritik an Khols Sager ließ nicht lange auf sich warten: "Khols Geschichtsverständnis ist auf dem Stand der 50er- und 60er-Jahre", tadelte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Gerhard Schmid Dienstagfrüh in einer Aussendung. "Ich empfehle dem ÖVP-Präsidentschaftskandidaten, sich mit Österreichs Mitschuld am NS-Terror zu beschäftigen."

Khol stellt sich hinter Waldheim

Den verstorbenen Bundespräsidenten Kurt Waldheim, der wegen seines Umgangs mit Österreichs und seiner eigenen Vergangenheit bis heute umstritten ist, verteidigte Khol als "Ehrenmann" und "aufrechten Christdemokraten".

Präsident kritisiert Allmachtsfantasien seiner möglichen Nachfolger.

Waldheim war Mitte der 1980er-Jahre in die Kritik geraten, nachdem bekannt geworden war, dass er seine Tätigkeiten als Offizier der Wehrmacht in biographischen Angaben ausgelassen hatte.

Infolge der sogenannten "Waldheim-Affäre" arbeitete Österreich erstmals offen seine nationalsozialistische Vergangenheit auf.

Waldheim selbst bekannte kurz vor seinem Tod in dem Schreiben "Ein letztes Wort" im Jahr 2007, "... dass ich – unter dem äußeren Druck monströser Beschuldigungen, die mit meinem Leben und meinem Denken nichts zu tun hatten – viel zu spät zu den NS-Verbrechen umfassend und unmissverständlich Stellung genommen habe".

Äußerungen sind nicht neu

"Mitwissen heißt nicht Schuld", argumentierte Khol am Montag zur Verteidigung Waldheims. Waldheim habe vielleicht nicht alles gesagt, was er wusste. Doch der Krieg, den er habe fechten müssen, sei ein Krieg gewesen, "für den er nicht gestanden ist."

Khol äußerte sich nicht zum ersten Mal in diese Richtung. 1987 gab er das Buch "Die Kampagne" heraus, in dem es heißt: "Sowie Österreich als Land, so war auch Kurt Waldheim Opfer des Nationalsozialismus." (af)