Erste Schüler kehren in ihre Klassenzimmer zurück, Geschäfte öffnen wieder - doch trotz Lockerungen soll die Verbreitung des Coronavirus eingedämmt werden. In Sachsen gibt es eine Maskenpflicht, in Bayern kommt sie am kommenden Montag und für den Gang in den Supermarkt empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bargeldloses Bezahlen. Aber wie hygienisch ist die Bankkarte?

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Stichwort Tröpfchen-Infektion: Sie ist nach derzeitigem Stand der häufigste Übertragungsweg des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2. Das Robert-Koch-Institut schreibt dazu auf seiner Webseite, dass Tröpfchen, die wir beim Husten und Niesen ausstoßen, den Erreger weiterverbreiten.

Durch den Luftstoß kann er auf die Schleimhäute anderer Menschen gelangen und so in deren Körper aufgenommen werden.

Wie viele Viren lauern auf den Tasten vom EC-Gerät?

Darüber hinaus können die Tröpfchen auf Oberflächen landen. Keime können sich vor allem auf Gegenständen sammeln, die von vielen Menschen berührt werden - wie beispielsweise Geldscheine sowie die Tastenfelder von Lesegeräten für EC- oder Kreditkarten.

Je seltener die Geräte gereinigt werden, desto mehr Erreger können sich darauf sammeln. Wenn ein Corona-Patient den Virus über seine Hand an die Tasten weitergibt, kann er einen anderen Menschen, der das Gerät berührt und seine Finger anschließend zu Mund, Nase oder Augen führt, anstecken.

Können sich Viren auf der Bankkarte sammeln, wenn Kunden sie in den Kartenschlitz stecken müssen?

Wer die Pin eintippt und anschließend die Karte aus dem Schlitz zieht, kann den Erreger mit seinen Fingern auch auf die Bankkarte übertragen. "Es gibt zwar keine Fälle, bei denen nachgewiesen wurde, dass sich Menschen über kontaminierte Gegenstände infiziert haben", sagt Jürgen Thier-Kundke, Sprecher des Bundesinstituts für Risikobewertung.

Außerdem seien Coronaviren in der Umwelt relativ instabil. Deshalb sei eine Ansteckung auf diesem Weg "nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich".

Mobiles und kontaktloses Bezahlen als hygienische Methode

Dennoch: Eine sogenannte Kontakt- oder Schmierinfektion ist denkbar, sagt Thier-Kundke. Um das Ansteckungsrisiko zu senken, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wenn möglich mobiles und kontaktloses Bezahlen per Handy-App.

Wer mobil bezahlt, hält sein Smartphone an das entsprechende Terminal im Geschäft. Ähnlich funktioniert kontaktloses Bezahlen: Dabei halten Kunden ihre Karte an das Lesegerät, dann werden die Daten übertragen. Limit: meist 25 Euro.

Um das Bezahlen für Kunden angesichts der Corona-Pandemie sicherer und komfortabler zu gestalten will die Deutsche Kreditwirtschaft den Betrag für kontaktloses Bezahlen auf 50 Euro erhöhen. Die Pin müssen Karteninhaber dann entweder nach fünf Transaktionen oder nach einer Summe von 150 Euro wieder eintippen.

Wie gehen Kunden am besten mit möglicherweise kontaminierten Tastenfeldern um? Helfen Handschuhe?

Handschuhe wirken wie ein sicherer Schutz gegen das Coronavirus und andere Erreger, doch der Schein trügt. Anfang April hat der niedersächsische Allgemeinmediziner Marc Hanefeld auf Twitter auf den falschen Gebrauch medizinischer Handschuhe in der Öffentlichkeit hingewiesen.

"Medizinische Handschuhe sind porös", schreibt er. "Und unter Alltagsgebrauch werden sie noch poröser." Entsprechende Untersuchungen stützen seine These.

Im Krankenhausalltag sollen medizinische Handschuhe größere Verunreinigungen reduzieren. Allerdings schützen sie weder Träger noch den Berührten. Außerdem herrsche unter dem Handschuh feucht-warmes Klima - ideale Bedingungen für die Vermehrung von Bakterien, so Hanefeld. "Vor und nach Gebrauch ist eine hygienische Händedesinfektion notwendig."

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Ist Bargeld hygienischer als die Tasten auf dem Zahlpad anzufassen?

Geldscheine und Münzen sind genau wie die Tastenfelder der Kartenterminals häufig gemeinsam genutzte Gegenstände. Schmierinfektionen mittels Bargeld sind ebenfalls noch nicht nachgewiesen, aber prinzipiell denkbar, sagt Jürgen Thier-Kundke vom Bundesinstitut für Risikobewertung.

Das A und O sei die richtige Hygiene - unabhängig von der Bezahlmethode. Die wichtigsten Tipps dazu hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihrer Seite infektionsschutz.de aufgelistet. Die Behörde empfiehlt:

  • Häufiges und gründliches Händewaschen für 20 bis 30 Sekunden, gerade nach dem Naseputzen, Niesen oder Husten
  • Hygienisches Husten und Niesen in die Armbeuge oder ein Taschentuch, danach sollte das Taschentuch entsorgt werden
  • Das Vermeiden von Berührungen wie Händeschütteln und Umarmungen zur Begrüßung oder Verabschiedung
  • Das Fernhalten der Hände vom Gesicht, vor allem von Mund, Augen und Nase
  • Abstand zu anderen Menschen halten
Über den Experten: Jürgen Thier-Kundke ist Sprecher des Bundesinstituts für Risikobewertung in Berlin. Das Institut ist eine unabhängige wissenschaftliche Einrichtung. Ihre Experten bewerten Gesundheitsrisiken für Verbraucher und geben Vorschläge zu deren Minimierung.

Verwendete Quellen:

  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Gespräch mit Sprecher Jürgen Thier-Kundke.
  • Infektionsschutz.de: Virusinfektionen - Hygiene schützt!
  • Deutsche Kreditwirtschaft: Kreditwirtschaft wird Limit für kontaktlose Zahlung im girocard-System ohne PIN-Eingabe auf 50 Euro erhöhen
  • Management & Krankenhaus: Medizinische Handschuhe: Auf den Umgang kommt es an
  • Twitter-Account: Dr. Marc Hanefeld
  • WHO & Global Health Cluster Cash Task Team: Guidance note on the role of Cash and Voucher Assistance to reduce financial barriers in the response to the COVID-19 pandemic, in countries targeted by the Global Humanitarian Response Plan COVID-19
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