Es ist ein Mythos, dass Frauen nicht schwanger werden können während sie stillen. Durch die besondere hormonelle Situation ist dies zwar nicht so wahrscheinlich wie sonst, dennoch sollte man auch in der Stillzeit unbedingt an die Verhütung denken.

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Frauen, die kurz nach einer Geburt wieder schwanger werden, sind häufig überrascht, dass der Körper dazu schon wieder in der Lage ist. Durch das Stillen verschiebt sich bei den meisten Frauen nämlich die erste Menstruation nach der Geburt.

Die Hormone müssen erst einmal wieder ins Gleichgewicht kommen. Darüber hinaus wird beim Stillen das Hormon Prolaktin ausgeschüttet: Es unterdrückt den Eisprung und macht damit eine Befruchtung unwahrscheinlicher.

Unmöglich ist es aber nicht, kurz nach der Geburt und während der Stillzeit wieder schwanger zu werden. Nicht immer unterdrückt Prolaktin tatsächlich den Eisprung.

Bei einer längeren Stillpause kann es durchaus vorkommen, dass doch ein Eisprung stattfindet - dann kann eine Frau schwanger werden, auch wenn sie nach der Geburt womöglich noch gar keine Menstruation hatte.

Eine Schwangerschaft kurz nach einer Geburt ist eine Herausforderung

Wer sehr kurz nach einer Geburt wieder schwanger wird, stellt seinen Körper vor eine besondere Herausforderung.

"Kurz nach der Geburt ist die Rückbildung der Gebärmutter noch nicht abgeschlossen", sagt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte, im Gespräch mit unserer Redaktion. "Es besteht die Gefahr, dass dann der Muttermund noch nicht wieder stabil genug ist."

Dadurch kann es zu Komplikationen kommen: Studien zeigen zum Beispiel, dass bei einem kurzen Abstand zwischen zwei Schwangerschaften das Risiko für eine Frühgeburt um etwa das 1,5-fache erhöht ist, sofern weniger als 18 Monate zwischen beiden Schwangerschaften liegen.

Frauen, die schnell wieder schwanger werden, sollten deshalb besonders auf die Vorsorgeuntersuchungen achten und mit ihrem Gynäkologen sprechen.

Anfangs ist das Infektionsrisiko erhöht

Nach der Geburt haben Frauen außerdem ihren Wochenfluss: Bei der Geburt löst sich die Plazenta von der Gebärmutterwand. Dabei entsteht dort eine Wunde. Beim Wochenfluss werden restliches Plazentagewebe, Wundsekret, Blut und Schleim ähnlich wie bei der Menstruation ausgeschieden.

Der Wochenfluss dauert etwa vier Wochen und tritt auch bei Frauen auf, die ihr Kind durch einen Kaiserschnitt bekommen haben. "Wenn der Gebärmutterhals noch nicht geschlossen ist, besteht eine erhöhte Infektionsgefahr", sagt Albring.

Infektionen in der Gebärmutter erhöhen das Risiko für Komplikationen bei einer Schwangerschaft, im schlimmsten Fall können sie zu einer Fehlgeburt führen.

Das bedeutet nicht, dass in jedem Fall ein Gesundheitsrisiko besteht, falls man bereits während des Wochenflusses wieder schwanger wird - Frauen sollten in so einer Situation aber ganz besonders auf ihren Körper achten.

Ärzte raten deshalb zum Beispiel auch dazu, während des Wochenflusses ein Kondom zu verwenden, damit erst gar keine Keime in die Scheide eindringen können.

Frauen sollten besonders auf eine gute Nährstoffversorgung achten

Für die Mutter ist diese Situation eine besondere Herausforderung: Sie braucht mehr Energie und Nährstoffe, um reichhaltige Muttermilch produzieren zu können. Zugleich benötigt auch das ungeborene Kind Nährstoffe, damit es sich entwickeln kann.

"Stillen plus Schwangerschaft ist anstrengend", sagt Albring. Deshalb sollten Frauen in dieser Zeit ganz besonders auf eine ausgewogene Ernährung achten und sich ausreichend Ruhepausen gönnen.

Frauen sollten in dieser Situation mit ihrem Arzt besprechen, ob ihre Versorgung mit Nährstoffen ausreichend ist. Es kann notwendig sein, zusätzlich ein Präparat mit Vitaminen und Spurenelementen einzunehmen.

Albring empfiehlt, zudem darauf zu achten, dass die Mutter genügend hochwertige Proteine und Fettsäuren zu sich nimmt: "Wichtig ist, dass die Milch für das Baby in dieser Situation nahrhaft genug bleibt."

Körper regelt oft selbst, ob er bereit für eine Schwangerschaft ist

Kathrin Herold arbeitet als Hebamme in Rostock und ist Vorsitzende des Landeshebammenverbands Mecklenburg-Vorpommern.

Auch ihrer Erfahrung nach ist eine Schwangerschaft in dieser Situation anstrengend. "Wenn der Körper noch nicht bereit dafür ist, regelt er das allerdings auch selbst", sagt sie. "In den meisten Fällen wird eine Frau dann erst gar nicht schwanger."

Wenn es doch passiert und die Schwangerschaft gut verläuft, steht einer Frau, die zugleich einen Säugling versorgt, eine anstrengende Zeit bevor. "Es ist dann außerordentlich wichtig, sich frühzeitig um Unterstützung zu kümmern", rät Herold.

Über die Krankenkasse sei es beispielsweise möglich, eine Haushaltshilfe zu beantragen. Sobald die Schwangerschaft feststeht, haben Frauen außerdem Anspruch auf die Begleitung durch eine Hebamme. Diese kennt oft noch andere Unterstützungsmöglichkeiten und hat weitere hilfreiche Tipps.

Auch in der Stillzeit ist eine passende Verhütung wichtig

Wer nicht sofort wieder schwanger werden möchte, sollte auch in der Stillzeit verhüten. Eine herkömmliche Pille, die die Hormone Östrogen und Gestagen in Kombination enthält, darf dabei aber nicht zum Einsatz kommen.

Die beiden Hormone werden in den Eierstöcken produziert. Sie spielen eine wichtige Rolle beim Menstruationszyklus, haben aber noch weitere Funktionen im Körper.

Weil Östrogen in die Muttermilch übergeht, dürfen Frauen beim Stillen keine Pille einnehmen, die Östrogen enthält. Außerdem hemmt Östrogen die Milchbildung und wäre daher in der Stillzeit ungünstig.

Wer hormonell verhüten möchte, kann aber die Minipille einnehmen, die nur Gestagen enthält. "Möglich ist es auch, die Kupfer- oder die Hormonspirale zu verwenden", sagt Herold.

Günstig sind in den meisten Fällen zunächst Kondome. "Am besten wählt die Frau aber das Verhütungsmittel, mit dem sie am besten zurechtkommt."

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte
  • Gespräch mit Kathrin Herold, Hebamme in Rostock und Vorsitzende des Landeshebammenverbands Mecklenburg-Vorpommern
  • Hebammenblog.de: "Verhütung in der Stillzeit und der erste Sex nach der Geburt"
  • Profamilia.de: "Verhütung nach der Geburt"
  • Birth Spacing
  • dpa
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