Hat ein ADAC-Rettungspilot im Januar 2022 wirklich gekündigt, weil er dafür "verachtet" wurde, nicht geimpft zu sein? Das wird auf Telegram und Twitter behauptet. Laut ADAC hat aber aktuell gar kein Pilot gekündigt.

Auf Telegram und Twitter verbreiten Nutzerinnen und Nutzer die Behauptung, der Pilot eines Rettungshelikopters habe seinen Job gekündigt, weil er sich nicht habe impfen lassen wollen: "Ich habe euch jeden Tag auf die Intensiv geflogen, weil es Euch so schlecht ging. Jetzt verachtet 'ihr' mich, weil ich den Impfstoff nicht will? Ich bin raus, hab' gekündigt! Fliegt selbst!", heißt es in dem ursprünglichen Tweet vom 22. Januar.

Dazu wird ein Foto aus dem Inneren eines fliegenden Helikopters verbreitet. Der ursprüngliche Beitrag wurde mittlerweile gelöscht, die Behauptung verbreitet sich dennoch als Screenshot des Ursprungs-Tweets weiter.

Wie die Recherche von CORRECTIV.Faktencheck zeigt, handelt es sich bei dem Foto um eine Aufnahme aus einem YouTube-Video von September 2017. Der ADAC teilte auf Nachfrage mit, dass im Januar kein Pilot gekündigt hat. Auch der Twitter-Nutzer, der die Behauptung ursprünglich verbreitete, sei dem ADAC nicht bekannt.

Auf Telegram und Twitter verbreitet sich dieser Beitrag eines angeblichen Rettungspiloten. Das Profil des Nutzers, der ihn erstellt hat, gibt ihn als Selbstverteidigungstrainer aus. Mittlerweile ist der Beitrag gelöscht, das Bild und die Behauptung verbreitet sich weiter.

Aufnahme stammt aus einem Video von 2017 und zeigt eine "Präzisionslandung" eines ADAC-Helikopters

Zuerst haben wir versucht, den Ursprung der Aufnahme per Bilder-Rückwärtssuche zu finden. Diese führte jedoch zu keinem Ergebnis. Allerdings lieferten Beiträge auf Twitter Hinweise darauf, dass es sich bei dem Tweet über den angeblichen Rettungspiloten um eine Falschbehauptung handelt.

In zwei Beiträgen vom 23. Januar heißt es, der Ursprung des Bildes sei ein YouTube-Video von September 2017. Tatsächlich findet sich in dem Video, das eine "Präzisionslandung" des Hubschraubers "Christoph Europa 1" in Aachen zeigt, die Aufnahme bei Minute 6:29.

Links das Bild aus dem Twitter-Beitrag, rechts das Bild aus dem YouTube-Video von 2017.

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Laut Luftrettung des ADAC kündigte im Januar 2022 bundesweit kein einziger Pilot

Wie sich durch eine Google-Suche herausfinden lässt, wird der Rettungshubschrauber Christoph Europa 1 von der gemeinnützigen Luftrettung des ADAC betrieben. Standort des Hubschraubers ist Aachen-Merzbrück. Auffällig: Der Twitter-Nutzer, der den ursprünglichen Beitrag veröffentlichte, wohnt jedoch laut Angaben in seinem Profil in Stuttgart und ist seit 2019 Selbstverteidigungstrainer.

Wir haben bei der Luftrettung des ADAC nachgefragt, ob ein Crewmitglied des Christoph Europa 1 im Januar 2022 gekündigt hat. Pressesprecher Jochen Oesterle antwortete uns jedoch, dass weder der Twitter-Nutzer dem ADAC bekannt ist, noch dass es deutschlandweit im Januar 2022 eine Kündigung bei der ADAC Luftrettung gegeben hat.

Zu der Frage, ob eine Impfung gegen COVID-19 bei der Luftrettung für die Pilotinnen und Piloten Pflicht sei, schrieb uns Oesterle: "Ja. Die Luftrettung ist Bestandteil des öffentlich-rechtlichen Rettungsdienst und unterliegt entsprechend dem verpflichtenden Immunitätsnachweis gegen COVID-19 ab 16. März 2022. Danach müssen Mitarbeitende in medizinischen Einrichtungen wie zum Beispiel Krankenhäusern oder – wie für uns zutreffend – Rettungsdiensten gegen COVID-19 geimpft oder davon genesen sein."

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