Heinz-Christian Strache kritisiert Außenminister Sebastian Kurz scharf: Dessen Verhalten im Fall Mitterlehner sei "ein Alarmsignal". Auch vonseiten der Grünen kommt Kritik. Peter Pilz fürchtet gar, Kurz könnte seine Partei ruinieren.

Sebastian Kurz habe den scheidenden ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner "in den Rücktritt gemobbt": So formuliert FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache seine Kritik am Außenminister.

"Kurz geht politisch über Leichen - sogar innerparteilich", schreibt Strache auf Facebook. "Das ist ein Alarmsignal für seine menschlichen Qualitäten." Er könne sich nicht vorstellen, "dass die Österreicherinnen und Österreicher solch eine skrupellose und unehrliche Person wollen".

Rohrer: "Minister ohne Courage"

Strache verlinkte in seinem Posting auf einen Kommentar von Innenpolitik-Urgestein Anneliese Rohrer. Diese ortet bei Kurz fehlende Courage.

Kein anderer österreichischer Politiker habe so schnell auf das Wahlergebnis in Frankreich reagiert wie Kurz. "Wenn er schon weiß, was Emmanuel Macron zu tun hat, dann wäre es vielleicht auch an der Zeit zu wissen, was in Österreich zu geschehen hat", schreibt Rohrer.

Praktisch als einziger hochrangiger Politiker in Österreich hat sich Sebastian Kurz bisher nicht zum Rückritt von ÖVP-Chef und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner geäußert.

Kritik auch von den Grünen

Nicht nur von FPÖ-Seite, auch auf der anderen Seite des politischen Spektrums wurde Kritik an Kurz' Verhalten laut. Die Grünen-Abgeordneten Harald Walser und Peter Pilz werfen dem Außenminister Opportunismus vor.

Walser bemängelte, dass vonseiten der ÖVP "eiskalt kalkuliert, demontiert und zerstört" werde - und warnte gleichzeitig vor einer Neuauflage von Schwarz-Blau.

"Nun heißt’s: Etappenziel erreicht", glaubt Walser. "Reinhold Mitterlehner hat entnervt das Handtuch geworfen, und Kurz muss die Partei wohl übernehmen."

Kurz und Innenminister Sobotka stehe nun die Aufgabe bevor, "die Regierung zu sprengen – möglichst ohne selbst die Koalition aufkünden zu müssen". Auf der Strecke bleibe einmal mehr die Regierungsarbeit.

Peter Pilz: "Kurz kommt aus dem Schönwetter"

Kurz habe warten wollen, bis seine Partei das Wasser für ihn vorgewärmt habe. Nun stehe er an der Klippe eines eiskalten Sees. "Am Klippenrand ist politisch bald Schluss. Im kalten Wasser vielleicht auch. Kurz weiß das", glaubt Pilz.

Der Grüne Abgeordnete geht noch weiter: "Wenn die ÖVP zum ersten Mal einen Rechtspopulisten an ihre Spitze wählt und dann doch verliert, zahlt die Partei die Hauptrechnung."

Der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser habe die ÖVP in große Gefahr gebracht. Aber: "Kurz kann sie ruinieren."