Martin Sonneborn wollte im Europäischen Parlament weitermachen - und so wie es aussieht, wird er das auch können: Seine Satirepartei "Die Partei" hat im Vergleich zu den letzten Wahlen 2014 sogar zugelegt.

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2,4 Prozent für "Die Partei": Das ist das vorläufige amtliche Ergebnis für die Europawahl 2019. Damit legt Martin Sonneborns Satirepartei um 1,8 Prozentpunkte zu. Vor allem bei den Erstwählern erreichte "Die Partei" viel Zustimmung. Mit neun Prozent der Stimmanteile unter Erstwählern liegt sie auf Platz 3 hinter den Grünen und der Union. Sonneborn zieht auch aufgrund dieser Stimmen erneut ins Europäische Parlament ein und könnte nach aktuellem Stand noch einen weiteren Kandidaten neben sich haben.

"Die Partei": Nico Semsrott und Martin Sonneborn ins Europaparlament

Listenplatz Nummer 2 von der Partei "Die Partei" belegt Satiriker und Demotivationstrainer Nico Semsrott, der auf Twitter seinen Einzug ins Europaparlament wie folgt kommentierte: "(Hätte ich im Herbst 2007 bei meinem ersten Poetry Slam in einem verrauchten Keller auf St. Pauli auch nicht gedacht, dass das zwölf Jahre später dazu führt, dass ich ins gleiche Parlament gewählt werde wie Silvio Berlusconi.)"

Der Satiriker Sonneborn ist derzeit noch der einzige Abgeordnete für "Die Partei" im Europaparlament. Möglicherweise wird er sich einer der größeren Fraktionen anschließen.

Martin Sonneborn: "Die Partei" ist Organisation für "intelligente Protestwähler"

Die Führung der Grünen und der Linken hätten ihn angesprochen, sagte er vor der Europawahl "t-online.de": "Wir können jeder Zeit mit zwei oder drei Mandaten zu ihnen gehen", sagte er. "Aber wir werden nach der Wahl erst einmal verhandeln und alle massiv gegeneinander ausspielen."

Für seine Zeit in Brüssel hatte sich Sonneborn drei Aufgaben gesetzt, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion formulierte: "Erstens wollte ich die unseriösen Seiten der EU dokumentieren, zweitens dicke alte weiße Männer ärgern und drittens ab und zu große politische Reden vor einem fast leeren Plenarsaal schwingen. Das alles hat so viel Spaß gemacht, dass ich gerne weitermachen würde."

Der SPD Wähler abgeworben?

Zum Wählerpotenzial von "Die Partei" sagte Sonneborn, seine Organisation sei "eine Partei für intelligente Protestwähler". Das seien etwa Menschen, "die eigentlich die SPD wählen würden, wenn diese noch sozialdemokratische Inhalte vertreten würde".

Hingegen könne "Die Partei" der AfD eher keine Stimmen abjagen, erläuterte Sonneborn: "Ich glaube tatsächlich, dass wir die Protestwähler im Land aufgeteilt haben: Die Dummen wählen die AfD, die Intelligenteren 'Die Partei'."

Nach den Hochrechnungen verteilen sich die 96 deutschen Sitze im EU-Parlament so: CDU/CSU 28 bis 29 Mandate, SPD 15 bis 16, Grüne 21, AfD 11, Linke 5, FDP 5, auf andere Parteien entfallen demnach 10, darunter jeweils 2 für die Freien Wähler, die Tierschutzpartei und die Satirepartei "Die Partei". Bei der Europawahl gilt in Deutschland keine Fünf-Prozent-Hürde. (sap/pak/AFP/dpa)

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