Die Grünen haben praktisch keine Chance mehr auf einen Verbleib im Parlament und müssen nach 31 Jahren ihren Platz räumen. Was lief schief in der Öko-Partei? Für den Alt-Grünen Johannes Voggenhuber ist die Parteiführung dafür verantwortlich. Die Grünen seien zusammengestürzt "wie ein Kartenhaus, weil Ihr es vorher zu einem Kartenhaus gemacht habt", schreibt Voggenhuber auf Facebook und holt zum Rundumschlag aus.

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2013 haben die Grünen ein Rekordergebnis von 12,4 Prozent gefeiert - jetzt sind sie auf 3,8 Prozent (vorläufiges Endergebnis des Innenministeriums) abgestürzt. Der ehemalige Grünen-Politiker Johannes Voggenhuber hat nun heftige Kritik an der Partei geübt.

Johannes Voggenhuber: Partei wurde "abgefackelt"

In einem Facebook-Post schreibt er, die Partei sei regelrecht "abgefackelt" worden. "Genau in dem Augenblick für den sie geschaffen wurde, als Alternative zu den einstürzenden, morsch und zerrüttet gewordenen politischen Altbauten der Nachkriegsgeschichte."

Der Absturz sei nicht überraschend gekommen und habe sich über die Jahre abgezeichnet. Die Partei hätte die "Gewitterwolken" nicht wahrnehmen wollen und habe sich "gegen jegliche Kritik resistent" gezeigt.

Bundeskongress ein "Intrigantenstadel"

"Ihr habt Euch nicht davon abhalten lassen, Versprechen, Prinzipien und Ideale der Gründerzeit in zynischer Überheblichkeit über Bord zu werfen", schreibt Voggenhuber. Der Bundeskongress sei zu einem "Intrigantenstadel" der Parteispitze gemacht worden.

Die innerparteiliche Demokratie sei herabgewürdigt worden. "Auch die Ämterkumulierung, die wir Jahre lang als Wurzel vieler Übel angeprangert haben, wurde mir nix Dir nix zur grünen Selbstverständlichkeit. Frau Glawischnig war Bundessprecherin, Spitzenkandidatin, Klubobfrau, III. Nationalratspräsidentin und Mitglied im Österreich-Konvent," schreibt Voggenhuber,

Die Grünen hätten es versäumt, Stimmen jener Leute zu gewinnen, die nach einer Alternative zu traditionellen Parteien suchten. "Ihr habt nicht einmal einen Bruchteil dieser frei gewordenen Stimmen gewinnen können. Statt dessen habt Ihr Euch bei Wahlniederlagen hingestellt und von einer 'Stagnation auf hohem Niveau' gefaselt", wettert Voggenhuber.

"Wer wird sich dafür finden?"

Auch die Zukunft der Partei will Voggenhuber nicht schönreden. Die Grünen müssten ohne "Ressourcen, Parteienfinanzierung aber mit vielen Schulden" wiederaufgebaut werden. Am Schluss bliebe die Frage: "Wer wird sich dafür finden?"

Die Grünen werden im kommenden Nationalrat nicht mehr vertreten sein. Was wird nun aus deren Themen? Sowohl der Abtrünnige Peter Pilz als auch Vertreter von SPÖ und NEOS wollen mit Fokussierung auf grüne Themen die Lücke künftig schließen.