Es gibt viel Aufholbedarf für Frauen in Österreich. In der Politik und in Führungspositionen sind sie im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen noch immer unterrepräsentiert. Das Durchbrechen der gläsernen Decke bleibt schwierig, doch eine vorgegebene Quote kann funktionieren.

Die Zahlen sprechen für sich: Laut dem Global Gender Gap Report 2016 rangiert Österreich bei der wirtschaftlichen Teilhabe von Frauen nur auf Platz 81 von 115 Ländern. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Arbeiterkammer in einer aktuellen Untersuchung.

Laut dem "Frauen Management Report" ist es noch ein weiter Weg bis zur Erfüllung der freiwillig festgelegten 30 Prozent Frauenquote in Aufsichtsräten. In den börsennotierten sowie in den 200 umsatzstärksten Unternehmen fehlen exakt 278 Frauen, um die Quote zu erreichen.

Rendi-Wagner wird noch heute offiziell Nachfolgerin von Sabine Oberhauser.

Die Luft in den Aufsichtsratsgremien und den Management-Etagen bleibt für Österreichs Frauen weiterhin dünn. Der Bericht legt beispielsweise offen, dass in puncto Unternehmenskarriere für Frauen schon im mittleren Management Schluss ist. Aufholbedarf gibt es laut dem Bericht auch in der Geschäftsführung. Denn ganz oben an der Spitze finden sich Frauen nur vereinzelt. Bei den 200 umsatzstärksten Unternehmen liegt der Anteil bei 7,2 Prozent – und damit exakt auf dem Niveau des Vorjahres.

Frauenanteil im Parlament bei 30,6 Prozent

In der Politik sieht es nicht viel anders aus - derzeit sind mit Bildungsministerin Sonja Hammerschmid, Familienministerin Sophie Karmasin und Sabine Oberhausers Nachfolgerin Pamela Rendi-Wagner im Gesundheitsministerium nur drei Frauen in der Bundesregierung vertreten.

Aktuell liegt der Frauenanteil im Parlament bei 30,6 Prozent. Einzig bei den Grünen und beim Team Stronach sind die Mandate gleichmäßig auf Frauen und Männer verteilt. Bei den Neos ist der Anteil am geringsten: Bei neun Mandaten hat nur eines davon eine Frau inne (11,11 Prozent).

KlubAnzahl
Mandate
davon
Frauen
Prozent
SPÖ521834,62
ÖVP501428,00
FPÖ38718,42
GRÜNE241250,00
NEOS9111,11
STRONACH6350,00
OK4125,00

Große Hürden in der Regionalpolitik

Noch schwieriger scheint die Situation in der Regionalpolitik zu sein. Derzeit gibt es keine Landeshauptfrau in Österreich. Johanna Mikl-Leitner wird erst Ende April die Nachfolge von Landeshautmann Erwin Pröll in Niederösterreich antreten. Mikl-Leitner ist erst die dritte Frau, die an der Spitze eines Bundeslandes steht. Ein weiteres Negativbeispiel ist Oberösterreich - in der Landesregierung ist keine einzige Frau vertreten.

Auch in der Kommunalpolitik sind vorrangig Männer vertreten. Derzeit werden nur 157 der insgesamt 2.100 Städte und Gemeinden von Frauen im Bürgermeisteramt geführt. Immerhin: Der Anteil an Frauen im Bürgermeisteramt hat sich in den vergangenen 18 Jahren mehr als verdreifacht.

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Quote kann funktionieren

Dass eine von der Regierung festgelegte Quote funktionieren kann, zeigt der "Gender Controlling Bericht" des Bundeskanzleramtes. Während der Frauenanteil in der in der Chefetage der 200 umsatzstärksten Privatunternehmen im Jahr 2015 bei 7,2 Prozent lag, waren im Bundesdienst 41,7 Frauen beschäftigt.

Seit 1. Jänner 2012 gilt für Führungspositionen im Bundesdienst ein Frauenanteil von 50 Prozent. Seit 2006 ist der Anteil der Frauen in Führungspositionen um 6,8 Prozentpunkte auf 34,5 gestiegen.