Deutschland liebt seine Knödel, Bratkartoffeln und Nudelgerichte. Doch der Klimawandel könnte diese Lebensmittel von unserer Speisekarte streichen, warnt ein Thinktank. Sein Bericht zeichnet ein wenig appetitliches Bild der Zukunft – und fordert Gegenmaßnahmen.

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Eine Analyse des europäischen Thinktanks Institute for European Environmental Policy (IEEP) warnt davor, dass europäische Nationalgerichte durch den Klimawandel bedroht sind. Für ihren Bericht untersuchten die Expert:innen die Auswirkungen verschiedener Klimarisiken auf drei Grundnahrungsmittel der europäischen Küche – nämlich Weizen, Kartoffeln und Oliven – und fassten die aktuelle Studienlage zusammen.

Der Bericht führt aus, dass schon heute Erträge sinken. Deutschland sei etwa der wichtigste Kartoffelproduzent in der EU, doch 2018 seien die Erträge wegen trockenem Wetter historisch niedrig gewesen – mit 35,4 Tonnen Ernte pro Hektar.

Der Thinktank prognostiziert, dass Erträge für alle drei untersuchten Nahrungsmittel in Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien weiter sinken werden, wodurch sich Preise für die Güter erhöhen. Dabei heben die Expert:innen immer wieder bestimmte Studien hervor. Eine sagt etwa bei Dürre circa 21 Prozent weniger Weizenertrag voraus, andere Studien schätzen die Auswirkungen konservativer ein. Kartoffelerträge könnten bis 2055 voraussichtlich um 2 bis 6 Prozent sinken. Wenn sich Landwirt:innen jedoch an die neuen Bedingungen anpassen, sieht das IEEP Chancen dafür, dass die Ernten um 9 bis 20 Prozent steigen.

Klimawandel und Anbaumethoden bedrohen Ernte in Europa

Den Expert:innen zufolge ist unter anderem der Klimawandel für Ernterückgänge verantwortlich. Das IEEP verweist in einer Pressemitteilung etwa auf Dürren und andere ungünstige Witterungsbedingungen. Auch konventionelle Anbaupraktiken würden Lebensmittel anfälliger machen und wichtige Ressourcen beeinträchtigen. So würden etwa intensive Bodenbearbeitung oder hoher Chemikalieneinsatz Böden systematisch schädigen.

"Auch wenn das genaue Ausmaß der zu erwartenden Ernteverluste nicht sicher prognostizierbar ist, so ist doch eines ganz klar: Die Verluste könnten geringer ausfallen und durch Anpassungsmaßnahmen sogar verhindert werden", zitiert Focus Online Melanie Muro, Senior Policy Analyst bei IEEP.

Europäische Nationalgerichte retten: Was das IEPP vorschlägt

Das IEEP hat bestehende Forschungsarbeiten dazu untersucht, wie sich nachhaltigere Praktiken auf Boden-, Wasser- und Biodiversitätsparameter auswirken. Aus Basis dessen geben sie Empfehlungen ab, um die Widerstandsfähigkeit der Produktion von Weizen, Kartoffeln und Oliven zu erhöhen – beispielsweise Änderungen bei Anbaufolge, Anordnung und Managementtechniken. Weizen und Kartoffeln könnten etwa davon profitierten, wenn auf den Feldern Zwischenfrüchte angebaut werden. Diese sollen unter anderem Bodenerosion und Unkraut vermeiden. Mulchen könne die Bodentemperatur senken und Wasser im Boden halten, wovon unter anderem Kartoffeln und Olivenbäume profitieren. Den Expert:innen zufolge deuten ihre Ergebnisse nicht darauf hin, dass die neuen Maßnahmen weniger Erträge erzielen würden als konventionelle Methoden.

Von politischen Entscheidungsträger:innen fordert das IEEP unter anderem, dass sie Landwirt:innen unterstützen und verschiedene Praktiken zur Verbesserung der Bodenqualität, des Wasserschutzes und der Landschafts- und Biodiversitätsparameter zu fördern. Außerdem sollten die EU-Länder Anreize für Landwirt:innen schaffen, um die Praktiken anzuwenden und entsprechende Beratungsangebote ausbauen.

"Ohne Maßnahmen zur Abschwächung der Klimaauswirkungen und zur Anpassung an sie könnten die Landwirte gezwungen sein, auf andere Kulturen umzusteigen", heißt es in der Pressemitteilung des IEEP. Dies hätte langfristig auch Einfluss auf die Nationalgerichte in Europa. Denn Gerichte wie Bratkartoffeln, Pasta und Olivenpaste sind ohne ihre Grundzutaten undenkbar.

Prominente rufen zu Gegenmaßnahmen auf

Focus Online zitiert auch Prominente, die sich für Maßnahmen zum Schutz regionaler Lebensmittel einsetzen. Foodstylist und Autor Stevan Paul bezeichnete die Gastronomie demnach als wichtigen Träger von Kultur und Tradition. Er verweist auf Zusammenhänge zwischen Natur, Ernährung und Kultur und ruft dazu auf, Natur für zukünftige Generationen zu bewahren.

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Die Fernsehmoderatorin Madita van Hülsen verweist auf das Renaturierungsgesetz der EU, welches sie "unerlässlich" findet, um "unser kulturelles Erbe durch unsere heimischen Lebensmittel auch in Zukunft zu sichern". Das Renaturierungsgesetz ist ein bedeutendes Umweltgesetz, dass im Februar das EU-Parlament passiert hat – die Zustimmung der Mitgliedsstaaten steht noch aus.

Verwendete Quellen:IEEP Pressemitteilung,IEEP Bericht, Focus Online  © UTOPIA

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