Die charakteristischen Wesenszüge seiner Landsleute nimmt der österreichische Kabarettist Alfred Dorfer gerne aufs Korn. Doch auch die Politik bekommt in bitterbösen und zynischen Pointen ihr Fett weg. Nun erhält der Wiener den Deutschen Kabarett-Preis.

Er ist der witzig-zynische Lebensbegleiter für eine ganze Generation: Alfred Dorfer ist einer der profiliertesten Kabarettisten Österreichs. Seine Themen sind stets politisch und gehen gleichzeitig über die Tagesaktualität hinaus. Doch selbst wer seinen schwarzen Humor nicht mag, kommt kaum an ihm vorbei. Als Schauspieler, TV-Moderator, Buch- und Drehbuchautor oder Kolumnist probiert sich der Wiener auch immer auf fremden Terrain aus. Am Samstag bekommt der 55-Jährige den mit 6.000 Euro dotierten Deutschen Kabarett-Preis in Nürnberg überreicht.

Mit einem fiesen Facebook-Post sorgt der Comedian für Schlagzeilen.

Dorfer selbst bezeichnet seine Karriere als Glücksfall. Geplant habe er nie etwas. "Es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass mir viel zugeflogen ist", sagte er der Tageszeitung "Kurier". Seine Mutter wollte, dass er Lehrer wird. Für eine von ihm erhoffte Laufbahn im Spitzenfußball hat es nicht gereicht. So feierte er eher unabsichtlich 1984 sein Debüt als Kabarettist mit der Gruppe "Schlabarett" und fand seine Berufung.

Durchbruch gelingt Dorfer mit "Indien"

Größere Bekanntheit erreichte er mit dem Theaterstück "Indien", das er gemeinsam mit seinem langjährigen Kabarett-Kollegen Josef Hader verfasst hat. Das tragisch-komische Roadmovie wurde mit Dorfer in der Hauptrolle äußerst erfolgreich verfilmt (1993). Die Filme "Muttertag" und "Poppitz", in denen er mitwirkte, sind Kult. Nebenbei absolvierte er zahlreiche Solo-Tourneen ("fremd") durch Österreich und Deutschland. 1998 startete die schräge Fernsehsitcom "MA 2412", in der er an der Seite von Roland Düringer den Alltag der österreichischen Bürokratie aufs Korn nahm.

Satire ist gut, wenn sie intelligent ist

Wichtig ist ihm, nicht zu viel Ideologie in den Job mitbringen: "Meine Ansicht ist, dass Satire gut ist, wenn sie intelligent ist. Und wenn sie intelligent ist, ist sie logischerweise weder rechts noch links", so Dorfer zur "Presse".

Sein medienwirksamstes Engagement begann 2004 mit seiner wöchentlichen Talkshow im ORF. Dort hagelte es satirische Kritik an der österreichischen Politik. 2010 fiel die letzte Klappe. Seinen Rückzug von der jahrelangen TV-Präsenz legte er bewusst still und leise an. Emotionale Abschiede hält Dorfer in gewohnt trockener Manier für peinlich. Seitdem hat sich der exzellente Geschichtenerzähler mit Wiener Dialekt großteils vom politischen Kabarett abgewandt und sich auch neue Aufgaben gesucht.

Matthias Brandt hat keine Lust mehr auf Krimi - er will aussteigen.

Er hat nach 25 Jahren sein Studium wieder aufgenommen und seine Doktorarbeit mit dem Thema "Satire in repressiven Systemen im 20. Jahrhundert" geschrieben. 2011 wurde er an der Uni Wien promoviert. Das wissenschaftliche Arbeiten war auch eine Selbsttherapie gegen eine Midlife-Crisis, wie er in Interviews sagte.

Einfälle für seine Programme, in diesem Jahr ist er mit "bis jetzt – solo" sowie" und..." wieder auf Tour, habe er immer nebenbei. Block und Bleistift müsse er nicht dabei haben. Er merke sich seine Gags.

Probleme hat Dorfer mit der Comedy-Welle. "Da hat man plötzlich die Witze, die man selbst in der Unterstufe gemacht hat, auf der Bühne von erwachsenen Menschen gehört." Das sei für ihn nur schwer zu ertragen gewesen. Er selbst spielte nie gerne in großen Hallen - das alte Audimax der Wiener Uni mit 800 Sitzplätzen sei sein Lieblingsort.

Über Persönliches redet Dorfer, der sich nicht gerne fotografieren lässt, fast nie. Bekannt ist sein großes Engagement für alleinerziehende Mütter, weil auch er ohne Vater aufwuchs.© dpa