Am Anfang der Seer stand Fred Jaklitsch - und seine Vision von einer grenzüberschreitenden Musik, die gute Laune macht. 20 Jahre später steht er mit seiner Band immer noch auf der Bühne. Der Seer-Mastermind im Interview über Heimat, Hans Krankl und Wahlkuverts.

In vielen eurer Lieder und auch im Titel des neuen Albums geht es ums "Dahoam". Was ist für dich Heimat?

Fred Jaklitsch: Heimat kann vielerlei sein. Einerseits das Geographische, das ist für mich ganz klar das Ausseerland, Österreich. Heimat kann die Familie genauso sein. Heimat muss nicht unbedingt an eine Landschaft gebunden sein, es kann auch etwas Spirituelles sein. Wichtig ist, dass jeder für sich einen Platz der Geborgenheit und der Nestwärme und des Angenommenseins findet. Das ist dann Hoamat - egal wo und egal mit wem.

Besonders heuer wurde der Heimatbegriff ja etwas strapaziert - speziell im Hinblick auf die Bundespräsidentenwahl. Wie geht es dir damit?

Ich würde es einfach jedem selbst überlassen, zu definieren, was für ihn Heimat ist. Man merkt relativ schnell, wo es nicht stimmig ist.

Habt ihr die Pannen rund um die Wahl mitverfolgt?

Freilich. Da bekommt man natürlich gleich einmal einen schlechten Ruf, wenn man keine Kuverts z'sammpicken kann, aber gut. Ironie des Schicksals. Wichtig ist, dass es die Möglichkeit gibt, zu wählen, und dass jeder von diesem Recht Gebrauch macht, auch wenn es einmal zwei, drei Anläufe braucht.

Kommt in nächster Zeit vielleicht einmal ein politisches Seer-Lied?

Ich bin kein Fan vom erhobenen Zeigefinger. Ich sehe unsere Musik nicht als politische Botschaft. Die Seer stehen für ein positives Heimatgefühl, für ein Lebensgefühl. Was jeder für sich draus macht, liegt in seinem Ermessen. Hinzugehen und zu sagen, "Das ist der richtige Weg", mag ich nicht. Es ist viel wichtiger, mit den Menschen Auge in Auge zu besprechen, was für sie im Leben entscheidend ist.

2016 ist euer Jubiläumsjahr. Wenn ihr an eure Anfänge zurückdenkt, hättet ihr je damit gerechnet, dass ihr in 20 Jahren noch auf der Bühne stehen würdet?

Aber natürlich, vom ersten Tag an habe ich das gewusst! (lacht) Nein, natürlich nicht. So ein Erfolg ist nicht programmierbar. Es braucht eine Menge Sturheit, eine Menge Leidenschaft und eine Menge Konsequenz. Und es braucht eine hervorragende Mannschaft, sei es das Management, seien es Veranstalter, dass man diesen Weg gehen kann. Vor allem brauchst du ein treues Publikum, das dir so viele Jahre zuhört.

Wenn man im Probelokal sitzt mit ein paar Liedern, eigentlich ohne jede Chance, und gegen die Marktgewohnheiten anspielen muss, dann lässt man sich so etwas nicht erträumen. Es hat sich Stück für Stück über die Jahre herauskristallisiert: Ein bissl mehr geht noch. Es war nie ein Über-Nacht-Erfolg, dadurch ist uns sehr bewusst, welchen Weg wir gegangen sind.

Für euer neues Album "Duette bei uns Dahoam" und die dazugehörige Sendung seid ihr durch ganz Österreich gereist. Wie lang wart ihr unterwegs?

Das waren schon zwei, drei Monate. Es war sehr intensiv, emotional und mental, aber spannend, weil wir das oft mit einem abendlichen Auftritt oder einem Open-Air verbunden haben. Das heißt: Tagsüber haben wir gedreht und abends noch Vollgas gegeben.

Ihr habt den Künstlern, mit denen ihr zusammenarbeitet, häufig mehrere Stücke zur Auswahl gegeben. Klaus Eberhartinger von der EAV hat aus "Entweder-Oder" einen "Lederhosen-Salsa" gemacht. Wie lief die Zusammenarbeit ab?

Teilweise hat der Gast die Freiheit bekommen, aus der Nummer zu machen, was er will. Das war für uns sehr reizvoll, weil die Nummer damit eine neue Perspektive, eine neue Dimension bekommt. Beim Klaus war es so, dass er mit seinem Produzenten zusammen diese Salsa-Version gemacht hat.

Das heißt, ihr habt eure eigenen Lieder noch einmal neu einstudiert?

Sabine „Sassy“ Holzinger und Hans Krankl
Hans Krankl hat seine Familie aussuchen lassen, welches Lied er mit den Seern aufnehmen soll.

Ja ... (überlegt) Wir haben die Lieder zur Verfügung gestellt. In den meisten Fällen haben wir selbst daran gearbeitet und mit demjenigen dann eine Version gefunden, die für beide Seiten zufriedenstellend war. An manchen Stellen haben wir ganz bei Null angefangen - weil wir auch mit einem klassischen Orchester gearbeitet haben.

Ihr wart auch in der Philharmonie in Salzburg. Was war die große Herausforderung, wenn man mit einem Orchester spielt?

Das sind zwei Paar Schuhe für jemanden, der aus Pop und Rock kommt. Die Klassiker sind unglaublich diszipliniert und spielen auch beim hundertsten Mal noch so wie beim ersten Mal. Es ist dort größtmögliche Perfektion angesagt. Unsere Band zählt, glaube ich, zu den besten in Österreich. Der Zugang war bissl ein anderer. Aber unterm Strich ist eine Symbiose herausgekommen, die stimmig ist. Man hat das Gefühl, es ist ein Klangkörper.

Wie habt ihr eure Duett-Partner ausgewählt? Wolltet ihr etwas Neues ausprobieren oder sind es Kollegen, die ihr gut kennt?

Es ist eine Mischung: Jedes Lied auf der CD hat eine eigene Geschichte und ein persönliches Moment. Wir haben mit der Blasmusik gespielt, weil unser Schlagzeuger in Niederösterreich mit der Blasmusik aufgewachsen ist. Mit der Philharmonie ... weil Dietmar aus Salzburg ist und die Dirigentin gut kennt. Der Klausi ... weil er beim Open-Air war, Umberto Tozzi auch - das war der Anknüpfungspunkt.

Das Album ist also eine persönliche Zeitreise.

Es war keine abstrakte Wunschliste, auf der wir Leute angekreuzt haben. Es gab überall ein persönliches Bekanntsein oder eine Beziehung, wo wir gesagt haben, es wäre doch schön, wenn man den wieder ins Boot holen könnte.

Gibt es einen Song, der dir beim Schreiben besonders wichtig war und jetzt auf dem Album gelandet ist?

Nein. Ich bin aus Leidenschaft Songwriter. Und wenn ich sich so große Künstlerkollegen der Lieder annehmen, habe ich einfach eine Freude. Man kann ein Baby nicht dem anderen vorziehen.

Es ist bei den Duetten ja jemand ganz Besonderes dabei: Hans Krankl. Er hat seit 2008 kein Lied mehr aufgenommen.

Hans Krankl ist immer noch ein Phänomen und eine Marke. Allein die Sache mit Córdoba ist unauslöschlich in unser aller Gedächtnis eingebrannt (lacht).

Hat es Überzeugungsarbeit gebraucht, ihn aus der musikalischen Versenkung zu holen?

Nein, überhaupt nicht! Wir haben ihn angerufen, weil Zabine mit ihm schon einmal ein Album aufgenommen hat. Er hat gesagt, seine Familie sind große Fans: Er hat dann nur nachfragen müssen, welches Lied er aufnehmen soll.

Alfred "Fred" Jaklitsch ist das Mastermind hinter den Seern: Er schreibt alle Lieder und Texte selbst. Einzig beim Arrangement lässt er sich manchmal vom Rest der Band überzeugen. Am 5. November zeigt ServusTV um 20:15 Uhr die TV-Premiere der Dokumentation zum aktuellen Album "Duette bei uns Dahoam". Darauf sind die Seer zusammen mit Künstlern wie Wilfried, Hans Theessink, Florian Silbereisen und den Florianer Sängerknaben zu hören.