Man kennt das ja noch aus der Schulzeit: Es macht Sinn, das Gelernte regelmäßig zu wiederholen, damit es sich festsetzen kann. Es ist ein Konzept, das auch die Macher der ATV-Show "Balkan-Hochzeiten" voll und ganz verinnerlicht haben.

Eine Kritik
von Christian Genzel

In den vorigen drei Folgen haben wir gelernt, dass die Feste der Balkan-Völker – zumindest jener, die mittlerweile in Wien leben und ins Fernsehen wollen – teuer und aufwendig sind. Hunderte und Tausende von Gäste tanzen an, es wird viel gegessen, die Frauen haben hübsche Kleider, die Männer schöne Bärte.

In der vierten und letzten Folge der Reality-Show üben wir das angeeignete Wissen. Wie viele Gäste kommen da doch gleich? Kann das kostspielig werden? Was tragen die Männer vom Hut an abwärts?

Die Last des Bartes

Immerhin: Zum Thema "Bart" sehen wir heute ein ganz neues Szenario. Wo ansonsten nur die Damen so traditionell beim Frisör gezeigt werden, als wäre es der Auftakt zu einer wöchentlichen Sitcom, beschreitet das ATV-Team heute den Laden eines arabischen Barbiers.

"Es ist nicht einfach, arabische Haare zu schneiden", berichtet ein Kunde, der alle paar Tage hierher kommt. Angenehmer Nebeneffekt: Mit dem Frisör verbindet ihn mittlerweile so etwas wie eine Freundschaft. Vielleicht schenken sie sich sogar die neuesten Fön-Modelle zum Geburtstag.

Der zweistündige Besuch beim Barbier sei so etwas wie eine Therapie, meint der Dauergast: "Man wird ziemlich viel Last los". Schon alleine die Bartstoppeln bringen ja einiges auf die Waage!

Business as usual

Geheiratet wird natürlich auch – und schon befinden wir uns wieder beim Frisör, wo die junge Seyran für die große Zeremonie hergerichtet wird. Die Aufgabe ihrer Schwester Silmaz ist einfach umschrieben: "Die Braut einfach beruhigen".

Aber so eng nehmen die Macher der "Balkan-Hochzeiten" den Titel ihrer Show ja nicht: Wir dürfen auch einer Taufe beiwohnen. Der einjährige Angelo wird bombastisch gefeiert, die Festivitäten werden bis 2 oder 3 Uhr, vielleicht auch bis 5 oder 6 dauern, wie uns der stolze Roma-Papa erklärt.

Natürlich müssen da wieder ein paar hundert Gäste anwesend sein: "Wenn du nicht die ganze Familie einlädst, dann sind die böse", klärt uns ein Kenner der Festlichkeiten auf. Der Veranstalter erklärt derweil, dass manche für solche Feste sogar Kredite aufnehmen.

Alles, aber keine Hochzeiten

Überhaupt stehen Hochzeiten diesmal gar nicht so hoch im Kurs: Als nächstes geht es zu einem Beschneidungsfest. Wer auf den Einsatz von Scheren, Messern oder Hackebeilchen hofft, wird enttäuscht: Die Feier unterscheidet sich kaum von den sonstigen, die uns präsentiert werden, aber wir wissen jetzt, dass es hier Süßigkeiten für die Kinder und Zigaretten für die Erwachsenen gibt.

Und dann ist da noch die Geburtstagsfeier des 18-jährigen Daniel. Geübte Zuseher können nach fast vier Folgen "Balkan-Hochzeiten" sicherlich einschätzen, wie viele Gäste auftauchen werden und wie lustig das Fest wird.

Am Ende kriegt Daniel einen nagelneuen Wagen geschenkt, geht vor Rührung in die Knie und greift sich ungläubig an den Kopf. "Ein Luxusauto für den 18-Jährigen: Ein Traum geht in Erfüllung", erläutert der Sprecher. Wir lernen: Balkan-Hochzeiten sind selbst dann toll, wenn gar nicht geheiratet wird.