In der letzten Folge vor Weihnachten wird es bei "Bauer sucht Frau" richtig besinnlich: Bei Günter verweilt das Fernsehteam im Stalldreck, während "Stadtmadl" Vanessa noch einmal so tun darf, als würde sie tatsächlich einen ihrer Bauern nehmen wollen.

Eine Kritik
von Christian Genzel

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Eigentlich ist es nur logisch, dass das bevorstehende Weihnachtsfest bei "Bauer sucht Frau" so konsequent ignoriert wird. Ganz abgesehen davon, dass die Kennenlernshow noch im ausklingenden Sommer gedreht wurde, als die Kühe grün und die Wiesen saftig waren – oder war das umgekehrt? Viel wichtiger: Die Bauern haben doch hier schon ihr eigenes Fest der Liebe.

So geht es auch in der letzten Folge der aktuellen Staffel höchst romantisch zu. Und das gleich in den ersten paar Minuten: Bauer Günter nimmt seine beiden Damen mit zur Stallreinigung.

Immerhin produzieren die Kühe täglich mehr Mist als so mancher Reality-TV-Redakteur, weshalb Günter jeden Tag mit dem Traktor den Dung entsorgen muss.

Während die Kamera liebevoll auf die braune Soße draufhält, redet Günter von den "vielen Eindrücken", die er seinen Kandidatinnen bietet.

Seine Hofdame Ilga empfiehlt sich, wohl dank wenig sensibilisierter Nase, als Top-Kandidatin für Günter: Auf ihre Frage, ob er sich über ihre Anwesenheit freue, säuselt er charmante Worte darüber, wie sie trotz des Geruchs nicht kehrtgemacht hat. "Das sind doch gewisse Punkte, die man als positiv betrachtet", flötet er poetisch.

Ilgas Konkurrentin Saskia hat sich kurz zuvor schon verabschiedet. Es liegt nicht an den "vielen Eindrücken", sondern an der Urlaubsplanung: Sie würde in einer Beziehung trotzdem auch gerne mal alleine in den Urlaub fahren, aber Günter irritiert der Gedanke eher. Dabei hätte er als Daheimgebliebener doch noch seine Kühe!

Das Gesamtpaket zählt

Genauso gefühlvoll geht es einmal mehr bei "Stadtmadl" Vanessa zu, die gerne aufs Land ziehen würde und dafür einen hübschen Bauer mit noch hübscherem Hof sucht.

Sie wirkt, als hätte ATV eine junge Praktikantin überredet, sich doch eben mal für die Show mit ein paar Burschen zu treffen – und zur Belohnung gibt's ein Sternchen im Empfehlungsschreiben.

Beim gemeinsamen Dinner mit Michael erklärt Vanessa, worauf sie als erstes bei einem Mann schaut: "Grundsätzlich das Gesamtpaket."

Das hängt eng mit ihren Ansprüchen an den Zukünftigen zusammen: "Mir ist wichtig, dass mein Partner gepflegt ist und auf sich schaut – gepflegte Hände, gepflegte Zähne, was auch immer."

Eine ganz nüchterne Entscheidung

Ebenso wichtig: "Dass er sich zu guten Anlässen auch gescheit kleiden kann."

"Erfülle ich deine Ansprüche?", will Michael wissen. "Also, ich bin noch nicht aufgestanden und gegangen", urteilt Vanessa gnädig.

Weil sowohl Michael als auch Konkurrent Patrick beide ihren nüchtern-distanzierten Gesprächston perfekt beherrschen, kann sich Vanessa schwer zwischen den beiden entscheiden. Man kriegt ohnehin das Gefühl, dass ihr am liebsten ein Bauer wäre, der in der Stadt in einem Penthouse lebt und einen In-Club betreibt.

Aber die Produktionsfirma will uns ja für die drei Specials anspitzen, die nach der Weihnachtspause folgen. Also druckst Vanessa herum und erklärt, dass sie noch gar keine Entscheidung gefällt hat. Sie braucht Zeit. Wir auch.