In der Besetzungsliste von "Bauer sucht Frau" herrscht ständige Bewegung: Hier gehen welche, da kommen neue – und beinahe jedes Mal ist es ein Drama. Letzteres wird natürlich ausführlich eingefangen – und die Kandidaten können einem dabei manchmal leidtun.

Eine Kritik
von Christian Genzel, Freier Autor

Manchmal liegt bei "Bauer sucht Frau" nicht nur die Begeisterung des Zusehers weit unterhalb des Maximums, sondern auch die der Kandidaten. Das nennt man dann wohl ausgleichende Gerechtigkeit. Diesmal trifft es den schüchternen Stefan: Weil seine beiden Mädels so still sind wie er, bleibt sein Vergnügen an der Hofwoche eher gebremst.

Einige Folgen lang quält er sich (und uns) nun schon, aber die Gespräche bleiben zögerlich. Dabei ist Abhilfe nur einen Telefonanruf entfernt: Stefan ruft einfach eine der anderen Kandidatinnen an, die sich für ihn beworben haben, und lädt sie ein, sich zur schwungvollen Partie zu gesellen.

Stefan ruft weibliche Verstärkung.

Besagte Dame hat offenbar gleich neben dem Telefon gewartet und springt sogleich ins Auto, um noch am selben Tag vorbeizufahren. Man könnte fast auf den absurden Gedanken kommen, das wäre mit der Sendeleitung abgesprochen.

Stefans andere beiden Damen zeigen so viel Begeisterung, wie man erwarten konnte. "Sind wir dir nicht gut genug?", fragt die eine. "Bleibt die nur für ein paar Stunden oder übernachtet sie?", will die andere wissen. Vielleicht sollte Stefan vor der Ankunft seiner Neuen noch alle spitzen Gegenstände vom Hof schaffen.

Neue Schuhe fürs Pferd

Was bedeutet es, wenn man ein Hufeisen auf dem Weg findet? Richtig: Irgendwo läuft ein armes Pferd barfuß herum. Um das zu verhindern, nimmt Hufschmied Christian seine Kandidatin Monika mit in den Stall, um einem Gaul ein paar neue Treter zu verpassen.

Wirklich zufrieden ist er nicht mit ihrer Arbeit: Zu sanft schlägt sie mit dem Hammer zu. Dem Pferd scheint's egal zu sein: Das lächelt nicht einmal in die Kamera.

Mangelnde Schlagkraft ist dann allerdings nicht der Grund, warum Monika heimgeschickt wird: Sie ist Christian wohl einfach zu schüchtern.

Und ewig glotzt die Kamera ...

Barth setzt sich mit Facebook-Video in die Nesseln - und merkt es nicht mal.

Es folgt einer dieser unangenehmen voyeuristischen Momente, die zum festen Reality-Bestandteil gehören: Monika kommen die Tränen – und die Kamera hält eisern drauf. Sie schluchzt und wischt sich über die Augen, die Kamera rückt noch etwas näher. Über die Szene wird tieftrauriger Piano-Pop gekleistert, um den Moment noch etwas mehr auszukosten.

Man spürt förmlich, wie hinter den Kulissen alle aufgeregt jubeln, so viel herzzerreißendes Drama für die Konserve einfangen zu können. Man muss als Teilnehmer einer Reality-Show wohl damit rechnen, keine Privatsphäre zu kriegen, aber das macht solche aufdringlich indiskreten Szenen auch nicht besser.

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