Am Mittwoch startet auf Netflix das Beziehungsdrama "Was wir wollten" mit Lavinia Wilson und Elyas M'Barek in den Hauptrollen. Der tieftraurige Film, der für Österreich ins Oscar-Rennen gehen wird, überzeugt mit tollen Schauspielern und einer spannenden Inszenierung, die einige überraschende Wendungen nimmt.

Christian Stüwe
Eine Kritik
von Christian Stüwe

Ein Paar, beide Ende 30, schweigt sich auf einer Autofahrt an. Sie schaut aus dem Fenster, er bemüht auf die Straße. Melancholische Musik setzt ein. Alice (Lavinia Wilson) und Niklas (Elyas M'Barek) kommen von einem Arzttermin.

Gerade wurde ihnen mitgeteilt, dass die künstliche Befruchtung nicht funktioniert hat, bei dem Embryo in Alice' Bauch sind keine Herztöne mehr zu vernehmen. Der Kinderwunsch des Paares bleibt unerfüllt. Schon wieder. Es war bereits der vierte Versuch.

Alice und Niklas fahren zu einer Baustelle, auf der gerade ihr Familienhaus entsteht. Beide haben gute Berufe, Geld ist kein Problem. Sie lieben sich, eigentlich fehlt es an nichts. Wenn da nicht dieser unerfüllte Kinderwunsch wäre. Jedes Kinderlachen vom Nachbartisch im Restaurant stürzt die beiden in eine Krise.

Lavinia Wilson und Elyas M'Barek als Paar in Krise

Die Gynäkologin (Maria Hofstätter) rät dem Paar, in den Urlaub zu fahren, um Abstand zu gewinnen; vielleicht auch, um endgültig mit dem Thema abzuschließen.

Und so brechen Alice und Niklas auf in Richtung Sardinien, wo sie ein Ferienhaus beziehen. Schon bald treffen ihre Urlaubsnachbarn ein, eine ziemlich laute und etwas aufdringliche Familie aus Tirol.

Mutter Christl (Anna Unterberger) liebt Horoskope und liest anderen Menschen gerne ungefragt aus den Sternen, Vater Romed (Lukas Spisser) ist ziemlich gesellig und nimmt schnell Kontakt zu Alice und Niklas auf, die eigentlich lieber alleine wären. Obwohl die beiden Paare ziemlich gegensätzlich sind, fangen sie bald an, gemeinsam Dinge zu unternehmen. Es wird gegrillt, gewandert und Tennis gespielt.

Vor allem haben Christl und Romed aber das, was Alice und Niklas unbedingt haben wollen: zwei Kinder. Den verschlossenen Teenager David (Fedor Teyml), der sichtlich keine Lust auf den Familienurlaub hat, und die kleine Denise (Iva Höpperger), die ziemlich aufgedreht und genauso distanzlos ist wie ihre Eltern ist.

Sie sucht den Kontakt zu Alice und sorgt so dafür, dass die Wunde des unerfüllten Kinderwunsches nicht verheilt, sondern noch weiter aufreißt. Am Strand malt Denise ein trauriges Gesicht in den Sand. "Das bist du, die traurige Frau", sagt sie zu Alice.

Die Begegnung mit der scheinbar glücklichen Tiroler Familie stürzt die Beziehung von Alice und Niklas noch tiefer in die Krise. Es wird sich angeschwiegen, es wird geschrien, ein Glas voller Rotwein zerbricht an der Wand. Lavinia Wilson und Elyas M'Barek spielen das Paar mit einer derartigen Intensität, dass es teilweise fast schon unangenehm ist, ihnen zuzuschauen.

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"Was wir wollten" ist Österreichs Kandidat für den Oscar

Man sollte aber dennoch hinschauen, denn der österreichische Film "Was wir wollten", der ab Mittwoch (11. November) auf Netflix abgerufen werden kann, ist ein echtes Highlight im Angebot des Streamingdienstes. Eigentlich wurde der Film fürs Kino produziert, aufgrund der Corona-Pandemie erscheint er nun aber direkt auf Netflix. Nichtsdestotrotz schickt Österreich "Was wir wollten" ins Rennen um den Oscar als bester ausländischer Film.

Ulrike Kofler gibt bei dem Film, der auf der Kurzgeschichte "Lauf der Dinge" von Peter Stamm basiert, ihr Debüt als Regisseurin eines abendfüllenden Films. M'Barek, der bislang vor allem in Komödien und Thrillern in Erscheinung trat, zeigt nach "Der Fall Collini" auch in "Was wir wollten", dass er auch Drama beherrscht. Denn trotz einiger komischer Momente ist der knapp 90 Minuten dauernde Film tieftraurig.

Die Handlung nimmt überraschende Wendungen

Auch wer normalerweise nichts mit Dramen oder Beziehungsfilmen anfangen kann, sollte einen Blick riskieren. Denn die Inszenierung ist spannend und kurzweilig, die Schauspieler überzeugen. Und ohne zu viel zu verraten, nimmt der Film die eine oder andere sehr überraschende Wendung.

Am Ende steht die Erkenntnis, dass im Leben vielleicht doch nicht alles perfekt sein muss und dass es absolut in Ordnung ist, auch mal traurig zu sein. Und das ist im Corona-Jahr 2020 vielleicht nicht die schlechteste Botschaft.

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