In der letzten Folge der diesjährigen ANTM-Staffel werden noch ein paar Kandidaten nach Hause geschickt, bevor die Top 3 ins Finale kommen. Vor der Entscheidung werden lange Rückblicke gehalten - und danach gibt's erst ein "falsches" Finale.

Eine Kritik
von Christian Genzel

Nur acht Folgen umfasst die diesjährige Staffel von "Austria's Next Topmodel" – und so steht heute auch schon das Finale an. Wieder wird das Mantra der Show wiederholt: Nur einer oder eine kann "Austria's Next Topmodel" werden. Abgesehen natürlich von all den Kandidaten im nächsten Jahr.

Bevor es soweit ist, steht aber noch eine Entscheidung aus der vergangenen Folge an. Von den sechs übriggebliebenen Jungmodels werden flugs noch Sanda und Max hinausgeworfen – Erstere, weil da angeblich mal wieder "nicht genug" da ist, Letzterer, weil er mit seinem Gegrantel wohl nicht ins Siegerkonzept der Jury passt. Vor seinem Rauswurf spricht Coach Daniel noch ein paar ernste Worte und betont, wie sehr ihn Max persönlich enttäuscht hat.

Wenig später muss auch Allegra die Koffer packen, womit uns drei Kandidaten für das Finale bleiben: Simone, der nette Kumpeltyp mit den langen Beinen. Peter, das Profi-Bübchen, das bei jedem Jurykompliment so nickt, als wüsste er eh schon längst, wie toll er ist. Und Isak, der lässige Hip-Hopper von nebenan, der mit dem Geldgewinn dafür sorgen würde, dass seine Mama schuldenfrei wird.

Schöne und weniger schöne Momente

Der Großteil der Laufzeit bis zur finalen Entscheidung wird aber damit verbracht, verschiedenste Rückblicke auf die Staffel zu halten. Die schönsten und schlimmsten Momente werden nochmal gezeigt, der Unterschied ist minimal.

Geweint wird natürlich auch – vor allem, als diverse Familienmitglieder und Freunde den Finalisten noch Videobotschaften zukommen lassen.

Während die Models und Juroren also in Erinnerungen und Gefühlen schwelgen, können auch wir kurz auf die achte Staffel von "Austria's Next Topmodel" zurückblicken. Immerhin präsentierte sich die Show nicht nur auf neuem Sender, sondern auch mit ganz neuem Team.

Als Modelmama war die 72-jährige Eveline Hall sicherlich die originellste Neuerung: Statt Klumscher Kälte strahlte die Schauspielerin die ganz große Bühnentheatralik aus.

Oper mit Psychospielchen

Hall spielte ANTM als große Oper, in der nur zufällig niemand singt und auch niemand erdolcht wird.

Gleichzeitig gab sie sich menschlicher als ihr deutsche Kollegin: Als Kandidatin Julia bei einem der Psychospielchen weinte, hatte Hall genug Größe, zuzugeben, dass es ihr in der Situation genauso gehen würde.

Weit ärgerlicher waren die beiden Handlanger, die Hall zur Seite gestellt wurden: Designerin Marina Hoermanseder und Model Daniel Bamdad.

Sie waren die Kindergärtner im Nachwuchsmodelbereich – vor allem Daniel sprach mit den Kandidaten gerne so langsam und überdeutlich, als hätte er es mit einem besonders begriffsstutzigen Sauhaufen zu tun.

Gleichzeitig redeten die beiden gerne von Leistung und Respekt – natürlich immer als Forderung. Auf Augenhöhe sind sie den Kandidaten freilich nie begegnet, stattdessen kreierten sie Drucksituationen, die angeblich etwas mit dem echten Modelleben zu tun hätten, und erklärten dann herablassend, warum ihre Schützlinge für die böse große Welt noch nicht bereit seien.

Der Gewinner

Vor dem echten Finale gibt es noch ein falsches, weil ja immer künstliches Drama generiert werden muss: Peter und Simone werden nach einem Entscheidungswalk ins tatsächliche Finale geholt – und erst, als Isak schon ganz verzweifelt und enttäuscht durch den Raum rennt, wird ihm gesagt, dass er beim Finale auch dabei ist.

Nach dem Entscheidungswalk kommt also originellerweise ein Entscheidungswalk, bevor dann alle auf einen Bildschirm starren, der den Sieger verkünden soll. Nach wenigen Momenten ist das "Men's Health"-Cover mit Isak darauf zu sehen: Der 21-Jährige aus Oberösterreich ist "Austria's Next Topmodel".

Er setzt sich in den Audi, den er gewonnen hat, und fährt laut Sprecher "in ein neues Leben". Es ist hoffentlich eins ohne Reality-Fernsehen.