Seit dem 9. Oktober kann sich auf Netflix wieder gegruselt werden: "The Haunting of Bly Manor" überzeugt durch eine Mixtur aus subtilem Spukhaus-Horror, berührender Romanze und Detailverliebtheit. Wer steckt eigentlich hinter der außergewöhnlichen Serie? Wir stellen die weniger bekannten Fakten vor.

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Vor fast zehn Jahren debütierte mit "American Horror Story" eine neue Form der "Anthology"-Serie: In jeder Staffel, anstelle jeder Folge, wird eine abgeschlossene Geschichte erzählt. Das bietet genug Freiraum, um eine Handlung atmen zu lassen, aber zugleich nicht jahrelang an immer denselben Figuren zu hängen.

Während "American Horror Story" aber den Fokus auf psychopathisch überzogene Charaktere und sadistischen "Torture-Porn" legt, finden wir beim Anthology-Horror-Vetter "The Haunting" primär realistische und komplexe menschliche Beziehungen vor. Die wenigen Horrorszenen kommen eher dem psychologischen Terror der alten Gruselschule wie "Poltergeist" (1982) oder "The Shining" (1980) nahe.

Insbesondere die zweite Staffel "The Haunting of Bly Manor" ist vielmehr als detektivisches Mitratespiel zu sehen. Ausgefeilte Dialoge und versteckte visuelle Hinweise lassen uns darüber grübeln, was das Gruselschloss so für Geheimnisse birgt, denn: Jedes Gespenst hat seine eigene tragische Geschichte hinter sich.

Nia Miller (l.), Benjamin Evan Ainsworth (2.v.l.), Rahul Kohli (3.v.l.), Amelie Bea Smith (2.v.r.) und Victoria Pedretti (r.) in "The Haunting of Bly Manor".

Wie und durch wen aber ist dieses faszinierende Genre-Sammelsurium überhaupt entstanden? Wir werfen einen Blick hinter die spannenden Kulissen – und schnell wird so einiges klar.

"Bly Manor": Ein Geschichten-Potpourri

Wie schon sein Vorgänger "The Haunting of Hill House" bedient sich auch die zweite Staffel einer Romanvorlage: "The Turn of The Screw" (1898) von Henry James wurde zuvor bereits achtmal verfilmt, zuletzt noch dieses Jahr unter dem Namen "Die Besessenen". Die bekannteste Umsetzung bleibt aber der hochgelobte Film "The Innocents" von 1961. Den wollte "The Haunting"-Schöpfer Mike Flanagan gar nicht erst zu überbieten versuchen, wie er "gamesradar.com" erklärte: "You're not going to do much better than 'The Innocents' anyway." Zu Deutsch etwa: Du wirst es sowieso nicht viel besser als "The Innocents" hinbekommen.

Stattdessen gibt es zwar einige direkte Referenzen auf den Film, wie etwa das Lied "O Willow Waly", ansonsten wurde der 120 Jahre alte Romanplot aber einer ordentlichen Verjüngungskur unterzogen: Die Verlagerung der Handlung in die späten 80er Jahre und das Verbauen von modernen und weltoffenen Liebesbeziehungen frischen das Geschehen auf.

Nia Miller (l.) und Rahul Kohli (r.) in "The Haunting of Bly Manor".

Nur die achte Folge, in schwarzweiß gehalten, wirkt gezielt antiquiert: Erzählt wird die Ursprungsgeschichte der Gespensterdame "Lady in the Lake", welche einst als Viola im 18. Jahrhundert zu Tode kam. Ausgerechnet das ist aber nicht Teil der Originalvorlage – jedoch vom selben Autor Henry James: Man bediente sich bei dessen unabhängiger Kurzgeschichte "The Romance of Certain Old Clothes" (1868), wonach gleicherweise die Episode benannt ist.

Auch der Familienname "Wingrave" der jungen Geschwister Fiona und Miles aus der Serienumsetzung entstammt ebendieser Kurzgeschichte. Gerade diese Verknüpfung und Reinterpretation verschiedenster Einflüsse – die Serie verarbeitet in kleinerem Rahmen noch zahlreiche weitere Geschichten von James – lassen "The Haunting of Bly Manor" zu einer rundum neuen Erfahrung werden.

Der Serienschöpfer Mike Flanagan: Von Spukhäusern und Besessenem

"The Haunting"-Schöpfer Mike Flanagan ist kein Neuling im Horrorgefilde. Seit seinem Kurzfilm "Oculus" (2006) widmet er sich mit Werken wie "Absentia" (2011) oder "Ouija: Ursprung des Bösen" (2016) beinahe ausschließlich dem Erwachsenengenre.

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Besonders auffällig ist seine Vorliebe für Gruselhäuser mit mysteriösen Räumen und verwunschenen Gegenständen: Den besessenen Spiegel beispielsweise nutzte Flanagan vor "Bly Manor" bereits bei "Oculus" und dessen Langfilm-Neuverfilmung von 2013 als Hauptmotiv. Auch miteinander verwobene Zeitstränge, welche wie in "Hill House" dieselben Figuren jeweils als Kinder und Erwachsene begleiten, findet man schon hier.

Mike Flanagan, Schöpfer der "The Haunting"-Serie, posiert für seinen Film "Doctor Sleeps Erwachen".

Im Jahr 2019 übernahm Flanagan die Verfilmung der "The Shining"-Fortsetzung "Doctor Sleeps Erwachen" und inszenierte damit die Rückkehr zum wohl ikonischsten Gruselhaus der Filmgeschichte: Der mittlerweile erwachsene Danny, hier gespielt von Ewan McGregor, muss zum Overlook-Hotel zurückkehren, wo er einst von seinem verrückt gewordenen Vater Jack (Jack Nicholson) mit der Axt verfolgt wurde.

In "Bly Manor" hat Flanagan sogar ein kleines "Easter Egg" zum "Shining"-Universum versteckt: Das Hostel-Zimmer von Hauptfigur Dani in der ersten Folge hat die Nummer 217 – dieselbe wie das Overlook-Zimmer mit der untoten Großmutter in der Badewanne. Wer weiß: Vielleicht steht ja bald eine "The Haunting"-Staffel namens "The Haunting of the Overlook" vor der Tür, welche den "The Shining"-Roman in all seinen Einzelheiten wiedergibt und endlich Stephen King zufrieden stellt.

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Flanagans Stammschauspieler: Bis zur Heirat

Den passenden Darsteller für Jack hätte Flanagan bereits gefunden: Die Rolle hat er nämlich schon einmal für einen Cameo-Auftritt in "Doctor Sleeps Erwachen" an seinen "The Haunting"-Stammschauspieler Henry Thomas vergeben – der übrigens kein anderer als der zehnjährige Elliott aus "E.T." (1982) ist.

Die wiederholte Zusammenarbeit mit denselben Darstellern ist bei Flanagan keine Seltenheit: Auch für "Ouija" stand Thomas bereits für ihn vor der Kamera – genauso wie Lulu Wilson und Elizabeth Reaser, die in "Hill House" die gleiche Figur, einmal als Kind respektive Erwachsene, verkörpern.

In der Stephen-King-Verfilmung "Das Spiel" (2017) übernahm Flanagan ebenso die Regie – und auch hier besetzte er die Hauptrolle mit einem bekannten "The Haunting"-Gesicht: die Familienmutter aus "Hill House" und Erzählerin aus "Bly Manor" Carla Gugino. Ebenso zu seinen "The Haunting"-Stammschauspielern gehören Oliver Jackson-Cohen und Victoria Pedretti. Letztere spielt in "Bly Manor" sogar die Hauptrolle Dani.

Der Regisseur steht seinen Lieblingsschauspielern so nahe, eine hat er sogar geheiratet: Seine Frau Kate Siegel mimte bereits sowohl in "Hill House" als auch "Bly Manor" für ihn – in letzterem gab sie die adelige Viola beziehungsweise den Geist "Lady in the Lake" zum Besten. Und in Flanagans Film "Still" (2016) schraubte sie am Drehbuch mit und spielte zugleich die Hauptrolle.

Das Ehepaar Mike Flanagan (l.) und Kate Siegel (r.) bei der Premiere von "Doctor Sleeps Erwachen".

Eines scheint klar: Mike Flanagan und seine kleine Schauspieler-Familie haben bei ihren Projekten klare, gemeinsame Visionen. Aktuell befindet sich Flanagans neue Horror-Serie "Midnight Mass" in der Vorproduktion – und als Schauspieler gelistet sind wieder einmal die klassischen Kandidaten: Ehefrau Kate Siegel sowie Dauerbrenner Henry Thomas. Um es mit den Worten einer Figur aus "Bly Manor" zu sagen: "It's not a ghost story. It's a love story." ("Es ist keine Geistergeschichte. Es ist eine Liebesgeschichte.")

Verwendete Quellen:

  • Gamespot.com: "Netflix Haunting Of Bly Manor: Every Easter Egg And Clue You Missed"
  • Gamesradar.com: "Mike Flanagan on Haunting of Hill House season 2: "The Turn of the Screw is only one of a dozen stories we're telling"
  • IMDb: Mike Flanagan (I)
  • Screenrant.com: 10 Things To Know About Bly Manor's Henry Thomas
  • Screenrant.com: 10 Hidden Details In The Haunting of Bly Manor Everyone Completely Missed
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