Rudi Dolezal beschließt die vierte Staffel seiner ServusTV-Reihe "Austropop-Legenden" mit einer Zusammenstellung der besten Geschichten: Falco pöbelt, Opus kommen beinahe nicht zu ihrem Welthit, Georg Danzer holt einen Obdachlosen ins Studio.

Wenn sich Musiker nach vier bis fünf Alben zurücklehnen und die Zeit mit einer "Best of"-Zusammenstellung füllen können, ist es nur recht und billig, dass auch Musikdokumentarist Rudi Dolezal nach vier Staffeln seiner TV-Reihe "Austropop-Legenden" eine Art Compilation bastelt und alte Geschichten aufwärmt.

Seit 2012 erzählt Dolezal von den Austropop-Musikern, 24 Folgen sind zusammengekommen. In den "Best of"-Highlights stürzt er sich auf die offensichtlichsten Namen des Genres: Ambros, Fendrich, Hirsch, Danzer, Falco, EAV, Resetarits. Der Kanon gewissermaßen, plus ein paar "Bonustracks" wie DÖF, Stefanie Werger und Hans Orsolics.

Geschichten als roter Faden

Kabarettist Werner Schneyder wird zu Beginn zitiert, was eine Legende ausmacht: "Dass Leute ihrer Leistung wegen unvergesslich sind, und auch wegen der Geschichten, die über sie erzählt werden – ob die jetzt stimmen oder nicht."

Diese Geschichten sind es, die hier als loser roter Faden fungieren. Auch wenn Helmut Qualtinger zu Beginn quasi als "erster Austropop-Star" präsentiert wird, folgt die "Best of"-Folge keiner Chronologie, sondern setzt sich eher assoziativ zusammen. Gezeigt wird mal dies, mal das, und manchmal passt das auch aneinander.

Falco säuft, schreit und scheppert

Vor allem über Falco kann man natürlich erzählen. Da berichten also die Produzenten Rob und Ferdi Bolland, wie der Gute bei den Aufnahmen zu "Rock Me Amadeus" schon um 10:00 Uhr vormittags sturzbetrunken war. Zu einer anderen Gelegenheit weigerte er sich, in Anwesenheit der Plattenfirmenchefs im Studio zu singen - und die Produzenten mussten sich für ihren Star entschuldigen.

Erzählt wird auch, wie er in einem Tobsuchtsanfall sogar mal einen Fernseher in die Luft stemmte, aber noch davon abgebracht werden konnte, ihn auf irgendeine Person zu werfen.

Wie die Bollands das erzählen, ist wirklich ein Highlight: Rob rennt fuchtelnd durch das Studio, um den wahnsinnigen Österreicher nachzuahmen, und gibt beiläufig zu Protokoll, dass das Schreien ja ganz normal war, aber dass dann Scheppern zu hören war, sei eher ungewöhnlich gewesen.

Glück mit den Hits

Derartige Eskapaden haben die anderen Austropop-Stars nicht zu bieten, also wird von der Entstehung des einen oder anderen Songs berichtet. Opus beispielsweise haben ihren Ohrwurm-Welthit "Live Is Life" extra für ein Open-Air-Konzert komponiert, wo sie den Song auch zum ersten Mal aufnehmen wollten.

Für diese Aufnahme musste die Band das Konzert pausieren, damit das Band gewechselt werden konnte. Prompt fiel natürlich "Live Is Life" in diesen Zeitraum – also kam Produzent Peter Müller nach dem Konzert an und meinte, wenn die Band den Song unbedingt haben wolle, müsse sie ihn halt nochmal spielen. Diese Zugabe hatte letztlich aber den Vorteil, dass das Publikum den Song von vorher schon kannte und entsprechend mehr mitging.

Überhaupt wären so manche der großen Hits beinahe nicht zustande gekommen: Klaus Eberhartinger von der EAV erzählt, wie man den "Märchenprinz" erst gar nicht veröffentlichen wollte, weil die Band den Song nicht gut fand. "Die Selbsteinschätzung war bei uns nicht immer die beste", kommentiert er schmunzelnd.

STS haben ihren Klassiker "Fürstenfeld" erst im zweiten Anlauf hinbekommen: Der von Josef Jandrisits geschriebene Song hieß erst "With a Little Help", dann schrieb Schiffkowitz einen neuen Text auf Steirisch.

Und natürlich hatte man erst an "I wül wieder ham" als Titel angedacht. "Bist du deppert, du kannst do ned a Numma 'Fürstenfeld' nennen!", zitiert Schiffkowitz die empörte Reaktion.

Nicht legendär, aber macht Lust auf Musik

So reiht das "Best of" der "Austropop-Legenden" kleine Anekdoten aneinander – hier erzählt Joesi Prokopetz, wie der DÖF-Song "Taxi" von – was sonst – einem zu spät ankommenden Taxi inspiriert wurde, dort erinnert sich Georg Danzer an den Obdachlosen, den man für die Single "Tschik" ausfindig machte und zu Dietmar Schönherr ins Fernsehstudio holte, um den Text vorzutragen.

Sehr erkenntnisreich ist das nicht einmal für Leute, die wirklich nur die gröbste Orientierung in Sachen Austropop haben – und ob die Geschichten das Etikett "legendär" verdienen, mag man in vielen Fällen auch bezweifeln.

Dennoch schafft die Zusammenstellung neben einer amüsanten kleinen Reise durch die österreichische Musikgeschichte vor allem eines: Man kriegt Lust, sich all die spannenden Songs und Alben einmal wieder -oder vielleicht zum ersten Mal - anzuhören.