Das kleine Städtchen Glastonbury gilt als magischster Ort Englands. Keltische Legenden und christliche Erzählungen treffen hier auf mysteriöse Weise aufeinander. Der Hügel Glastonbury Tor soll einst die magische Insel Avalon gewesen sein, das Zentrum weiser Druiden, Rückzugsort König Artus' und Versteck des Heiligen Grals.

Idyllisches Grünland mit weidenden Kühen und Schafen: Das ist die Umgebung des beschaulichen englischen Städtchen Glastonbury.

Im Wald bei Aarey Milk Colony sollten Sie nachts keinen Anhalter mitnehmen.

Gerade einmal 9.000 Menschen wohnen in dem Ort. Seltsamerweise findet ausgerechnet hier seit 1970 eine der weltweit größten Musik-Open-Air-Veranstaltungen statt, das Glastonbury Festival.

Aber das ist noch nicht das Außergewöhnlichste an diesem Ort: Hier befindet sich auch das mythische Zentrum Englands.

Das Nebelreich Avalon

Zahlreiche Ruinen und Legenden zeugen von einer zauberhaften Vergangenheit. Im Mittelpunkt steht Glastonbury Tor, der höchste Hügel weit und breit.

Die Kelten nannten ihn "Yns Avallach", was Apfelinsel und Avalon bedeutet. Denn einst war der Hügel eine schwer erreichbare Insel inmitten von Sümpfen.

Auf seiner Spitze ragt heute eine berühmte Ruine in den Himmel: der ehemalige Kirchturm St. Michael. Es ist ein mystischer und heiliger Ort, der Menschen aus der ganzen Welt anlockt.

Ein Hügelland für Auserwählte

Seinen magischen Charakter besitzt Glastonbury seit vielen Jahrhunderten: Seit dem 12. Jahrhundert erhebt die Kleinstadt den Anspruch, dass hier das sagenumwobene Avalon liege.

Die Pforte dorthin befand sich angeblich auf dem Hügel Glastonbury Tor. Avalon ist die "Anderswelt" aus der keltischen Mythologie, Wohnort vieler mythischer Wesen wie Naturgeistern oder Magiern. Sie liegt neben der Welt des Menschen in Hügeln oder Inseln versteckt.

Legenden zufolge errichteten die Kelten auf der damaligen Insel Avalon eine Druiden-Akademie. Dort sollten Auserwählte in mystische Geheimnisse eingeweiht werden.

Außerdem bereiteten sich Tote für die Wiedergeburt vor. Die Anderswelt war der Brunnen der Seele, des Geistes und der Unsterblichkeit.

Darum leuchteten die Wunden von Soldaten in einer Schlacht 1862 blau.

Avalon spielt auch bei der seit dem 5. Jahrhundert entstandenen Sage um König Artus eine Rolle: Die Heilerin Morgan le Fay hat ihn dort kuriert, nachdem er sich bei einer Schlacht lebensgefährlich verletzt hatte.

Der Herrscher soll in Glastonbury von drei Priesterinnen abgeholt und mit ihrer Hilfe nach Avalon übergesetzt sein.

Blutige, christliche Legenden um Glastonbury

Aber nicht nur für Kelten und die Artus-Anhänger war Glastonbury ein heiliger Ort, sondern auch für Christen. Das hat mit Joseph von Arimathea zu tun, dem Onkel von Jesus.

Mehrere Male soll er in Avalon gewesen sein, zuerst gemeinsam mit Jesus. Später legte er angeblich dort den Grundstein für die älteste Kirche auf der Insel.

Die Ankunft von Joseph in Glastonbury gilt als legendär. Nachdem er als heimlicher Jünger den Leichnam Jesu in Jerusalem begraben hatte, reiste er nach England, so die Sage. Dabei hatte er einen Wanderstab sowie einen Kelch, mit dem er am Kreuz das Blut Jesu aufgefangen hatte.

In Avalon angekommen, rammte er seinen Wanderstab in die Erde. Der schlug Wurzeln und wurde zu einem Dornbusch, der über Jahrhunderte geblüht haben soll. Später wurde dort eine Abtei errichtet, deren Ruinen bis heute erhalten sind.

Die Blutquelle von Tor

Auch der heilige Kelch lebte angeblich weiter. Joseph vergrub ihn am Fuß des Glastonbury Tor. Dort sprudelt noch heute die sogenannte Blutquelle.

Unter Moskau soll es ein sagenumwobenes Schienennetz geben.

Allerdings haben Wissenschaftler bewiesen, dass die ungewöhnliche rote Farbe des Wassers ganz natürlich ist: Schuld ist der hohe Eisengehalt dort.

Der Kelch kommt auch in der Artus-Sage vor: Dort ist er der heilige Gral, der laut anderen Überlieferungen vom König und seiner Tafelrunde ausgegraben wurde.

Die Gebeine von König Artus

Womöglich wurden Artus und seine Frau Guinevere sogar in der Abtei von Glastonbury begraben. Zwar brannten 1184 große Teile des Gebäudes und der dazugehörigen Klosteranlagen ab - Mönche behaupteten aber wenige Jahre später, sie hätten in zwei Metern Tiefe eine steinerne Grabplatte, Knochen und ein bleiernes Kreuz entdeckt.

Darauf soll gestanden haben: "Hier liegt der berühmte König Artus auf der Insel Avalon begraben." Die Gebeine gingen während der Reformation verloren – aber noch heute weist ein Schild vor der Abtei-Ruine auf die angeblich letzte Ruhestätte des legendären Königs hin.

Wo erstaunliche Energien wirken

So ist es auch kein Wunder, dass immer noch viele Menschen davon überzeugt sind, dass rund um Avalon und das Glastonbury Tor besondere Kräfte vorherrschen.

Genau an diesem Ort soll die Hauptkraftlinie Englands verlaufen: Sie verbindet Avalon mit dem Saint Michael’s Mount von Cornwall und den großen Steinkreisen von Stonehenge und Avebury.

Auch der spiralförmige Pilgerpfad, der sich rund um den Hügel schlängelt, hat es in sich. Vor 2.500 Jahren soll er angelegt worden sein. Er gilt als Symbol für die Erdschlange und deren besonderer Kraft und Harmonie. Nur wer den Hügel über Stunden entlang dieses Weges besteigt, bekommt diese Energien zu spüren.

Wünschelroutengänger wollen die Kräfte dieses magischen Ortes schon selbst erfahren haben. Und feinfühlige Menschen sind angeblich in der Lage, diese Energien aufzunehmen – bei ihnen lösen sie einen trancehaften Zustand aus.

Sie sind es auch, die den Schlüssel zur Anderswelt Avalon finden können. Nämlich dann, wenn sie die Schwingungen der Erde mit dem kosmischen Bewusstsein des Spiralwegs in Einklang bringen.

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