Von der Auflösung des Parlaments bis zur Neuschaffung der Bundeshymne – am Montagabend gaben auf Puls 4 fünf alternative Kandidaten zur österreichischen Bundespräsidentenwahl ihre Ideen zum Besten. Die Sendung wirkte recht chaotisch und Richard Lugner zeigte sich siegessicher - schließlich "gewinnt der Kasperl immer".

Einen ambitionierten Versuch, die relevantesten der "Kleinkandidaten" der Präsidentenwahl zu Wort kommen zu lassen, hat der Privatsender Puls 4 in der Sendung "Pro und Contra – Lugner & Co for president?" unternommen. In der so betitelten "Ameisenrunde" diskutierten am Montagabend die potenzielle Präsidentschaftskandidaten Richard Lugner (Unternehmer und Opernball-Star-Importeur), Robert Marschall (Obmann EU-Austrittspartei), Elfriede Awadalla (Gewinnerin der Million bei der Millionenshow und Autorin), Martin Wabl (ehemaliger Richter und Bundesrat) sowie Adrien Luxemburg (Unternehmensberater und Autor).

Partei nominiert Minister einstimmig für Wahl zum Bundespräsidenten.

Gleich vorweg: auch wenn sich Moderatorin Corinna Milborn brav durch ihren kurzen Fragenkatalog ackerte und beteuerte, man werde die Kandidaten in den nächsten Wochen weiterhin zu Wort kommen lassen, wirkte die Sendung recht chaotisch. Abgesehen von einer kaum vorhandenen Gesprächskultur, die Milborn durch striktes Drüberreden rettete, entstand der Eindruck einer Society, Klatsch und Tratsch-Sendung.

Unterstrichen wurde das, durch die regelmäßige Befragung der zwei Polit- und Medienberater Thomas Hofer und Peter Pelink vor Ort. Wie Mitglieder bekannter Dancing-Shows, gaben sie coram publico ihren Senf zu den Inhalten der Kandidaten ab. Ein Konzept, das bei einer Elefantenrunde besser eingesetzt wäre.

Cathy Lugner will Österreich attraktiver machen

Doch ohnehin gerieten die politischen Absichten der Kandidaten vor allem für die Selbstinszenierung von Richard und Cathy Lugner in den Hintergrund. Natürlich, der Bauunternehmer und Opernball-Stargast-Importeur hat gegenüber den anderen Kandidaten nicht nur einige Lebensjahre mehr, sondern schon Erfahrung im Stimmenfang.

Immerhin konnte er bei seinem ersten Antritt zur Präsidentenwahl im Jahr 1998 knapp 10 Prozent der Wählerstimmen einfangen. Mit erheblicher Unterstützung seiner damaligen Frau "Mausi" Lugner. Wie das bei seiner aktuellen Cathy aussieht? Sie würde ihn natürlich voll und ganz unterstützen, versprach sie und ergänzte: "Ich würde Österreich attraktiv repräsentieren."

Dass die ehemalige Krankenschwester Österreichs "First Lady" werden wird, ist unwahrscheinlich. Bei allem Respekt: Keiner der Alternativkandidaten hat ernsthafte Chancen auf das Präsidialamt. Insofern ist der Begriff der "Ameisenrunde" – auch wenn es dem Demokratieverständnis zuwiderläuft – durchaus zulässig.

Im ORF-"Report" spricht der Verteidigungsminister Klartext.

Peter Pelinka, Journalist und Medienberater: "Es braucht zwei Punkte, um erfolgreich zu sein: Erstens ein klares Programm und zweitens, ein gewisses Maß an Bekanntheit. Das erfüllen nur Robert Marschall und Richard Lugner. Sie könnten es zumindest schaffen die 6.000 Unterschriften bis 13. März zu bekommen."

"Marschall-Plan": Parlament auflösen, Flagge einholen, Schweiz besuchen

Als Obmann der EU-Austrittspartei schoss sich Robert Marschall klar auf Anti-EU Kurs ein – und ein wenig auf Anti-Demokratiekurs. Als Präsident würde er zuerst das Parlament auflösen und Neuwahlen erzwingen, dann die EU-Flagge aus den Räumlichkeiten entfernen und anschließend in die Schweiz reisen: "Die Schweiz ist ein Vorbild der Demokratie, da kann sich die ganze EU etwas abschauen. Man kann Demokratie an der Schweiz lernen, aber sicher nicht in Brüssel." Außerdem würde er Andreas Gabalier das Ehrenkreuz der Republik verleihen. Von dessen Patriotismus könnten sich manch andere etwas abschneiden, wie er meinte.

Lugner sieht sich als Kasperl

Richard Lugner würde - wenn schon - in alle Schengenländer reisen, um mit ihnen gemeinsam "die Schengengrenzen dicht zu machen". Wie genau das funktionieren soll, konnte er allerdings nicht sagen. Überhaupt machte er in der Nichtbeantwortung von Fragen erfahrenen Politikerkollegen Konkurrenz. Immer wieder pochte er auf die Verfassung und blieb vage. Lediglich in einem war er sich sicher: "Ich bin der Kasperl und der Kasperl gewinnt immer." Ob das Kasperltheater aber überhaupt beginnen wird, wird sich am Donnerstag zeigen, dann wollen er und seine Cathy bekannt geben, ob es einen Präsidentschaftswahlkandidaten Richard Lugner geben wird.

Elfriede Awadalla: Millionen-Gewinnerin für den Islam

Als einzige weibliche Kandidatin der Runde – und als einzige linke Kandidatin, wie sie betonte – war Elfriede "El" Awadalla mit von der Partie. Vor elf Jahren gewann sie eine Million Euro in der Millionenshow und gründete daraufhin einen Verlag. Dennoch setzt sie sich für eine Millionärssteuer ein. Denn das Geld sei, wie sie sagt, schon lange weg.

Als einzige der Kandidaten sprach sie sich klar dafür aus, dass der Islam zu Österreich gehöre: "Ich komme aus dem Burgenland und hab meine Großmutter nie ohne Kopftuch gesehen." Insofern störe es sie nicht. Zudem arbeite sie viel mit Flüchtlingen, wo es ihr noch nie passiert sei, dass ihr die Hand verweigert wurde.

Auf die Frage, was sie als Bundespräsidentin machen würde, wenn ihr ein islamisches Staatsoberhaupt die Hand gäbe, antwortete sie pragmatisch: "Na dann geb’ ich ihm halt nicht die Hand und sag Hallo." Auch sie könne eine First Lady mitbringen: "Wenn man als Paar antreten könnte, hätte ich auch eine Co-Kandidatin. Ich finde sicher eine lesbische Freundin, die mir die 1st Lady macht." Der EU gegenüber trage sie eine gewisse Skepsis in sich. Sie würde die Europäische Union gerne sozialer machen.

Luxemburg will Kirche und Staat trennen

Etwas positiver der EU gegenüber eingestellt ist Adrien Luxemburg, der immer wieder betonte, dass es bei seinem Namen um keinen aristokratischen Anspruch gehe. Der Unternehmensberater und Autor, der seit 37 Jahren in Österreich lebt, will Menschenrechte schützen und tritt für eine strikte Trennung von Kirche und Staat ein.

Ex-Bundesrat Martin Wabl fordert Abschaffung von Bundesrat

Die einzig klare Forderung von Martin Wabl an diesem Abend lautete, den Bundesrat abzuschaffen: "Da könnte man sofort etwas einsparen." Wabl ist, im Vergleich zu den anderen Diskussionsteilnehmern, der einzige Kandidat mit realer Politerfahrung. Der ehemalige Richter war auch über viele Jahre Mandatar und Bundesrat. Er tritt bereits zum vierten Mal zur Wahl an. Diesmal ist er sich sicher die Hürde der 6.000 Unterschriften zu stemmen. Eine eingetragene Partnerschaft ist in seinen Augen in Ordnung, solange man sie nicht als Ehe bezeichne. Denn diese sei "Mann und Frau vorbehalten".

Hinsichtlich der Asylobergrenzen gibt es sich liberaler. Die Obergrenze halte er für verfrüht. Überhaupt sollte die Last auf alle EU-Länder aufgeteilt werden.

Was aufgefallen ist: Alle Kandidaten hatten eine, nicht ganz der Realität entsprechende Vorstellung von den Befugnissen des Bundespräsidenten. Da wurden Angelegenheiten der Bundesregierung in die eigene Hand genommen. Bei der Frage nach der neuen Version der Bundeshymne meinte Elfriede Awadalla etwa, dass sie eine gänzlich neue Version fordern würde.