Mit Büchern von Sebastian Fitzek ist das so eine Sache. Sie sind meist schwer wieder aus der Hand zu legen, fesseln einen an die Couch und verfolgen einen nicht selten in die Träume. Oder Albträume, je nachdem. Sein neues Werk, das er mit Comedy-Autor Micky Beisenherz geschrieben hat, soll einen gleichzeitig zum Lachen und zum Gruseln bringt. Funktioniert das?

Patricia Kämpf
Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Mehr News zum Thema Kultur

Es ist wieder ein Thriller geworden, natürlich. Die dramatische Story hat sich einer von Deutschlands erfolgreichsten Autoren, Sebastian Fitzek (50), diesmal allerdings nicht alleine einfallen lassen, sondern sich einen Co-Autor an die Seite geholt: Micky Beisenherz (44), seines Zeichens Comedy-Autor und Moderator. "Wir wollten ein Buch schreiben, das einen auf der einen Seite zum Lachen bringt und auf der nächsten Seite bleibt einem das Lachen vor Spannung im Halse stecken", erzählt Fitzek im Gespräch mit unserer Redaktion.

Worum geht es in "Schreib oder stirb"? Der mysteriöse Patient einer psychiatrischen Klinik behauptet, ein neunjähriges Mädchen entführt zu haben. Über seine Tat will er aber nicht mit Ermittlern sprechen, sondern nur mit einem ganz bestimmten Literaturagenten - der soll ihm einen Verlagsvorschuss von einer Million Euro verschaffen. Im Gegenzug verrät ihm der mysteriöse Patient, wo das Mädchen versteckt wird. Außerdem soll der Literaturagent die Entführungsgeschichte aufschreiben und groß rausbringen.

Lesen Sie hier das Interview mit Sebastian Fitzek zu "Schreib oder stirb".

Der Comedy-Autor und der Thriller-Autor: Funktioniert das?

Der Thriller-Autor und der Comedy-Autor: Auf der einen Seite Fitzek, dem solch düstere Geschichten wie in seinem Erstlingswerk "Die Therapie" einfallen, in der ein Psychiater, der am Münchhausen-Stellvertreter-Symptom leidet, seine zwölfjährige Tochter umbringt. Auf der anderen Seite Beisenherz, der Sonja Zietlow und Daniel Hartwich als Autor die fiesen Sprüche beim Dschungelcamp in den Mund legt. Kann das gutgehen?

"Schreib oder stirb" ist an manchen Stellen ein Thriller geworden, der von Tweets unterbrochen ist. Und der Leserin und dem Leser jede Menge Vorwissen abverlangt. So schadet es etwa nicht, sich im Vorfeld mit japanischen Horrorfilmen auseinanderzusetzen, in denen Mädchen aus Fernsehgeräten steigen. Oder sich darüber zu informieren, wer Toni Hamady ist und ob man Post von Wagner bekommen möchte. Aber man kann das natürlich auch alles googeln, sollte man es nicht kennen.

Die Idee für die Zusammenarbeit von Sebastian Fitzek (l.) und Micky Beisenherz gibt es schon lange.

An anderen Stellen ist "Schreib oder stirb" dann doch wieder das, was viele Fans von Sebastian Fitzek erwarten: ein Thriller, dessen Cliffhanger es einem schier unmöglich machen, das Buch zuzuklappen. Und dennoch sagt Fitzek: "Es ist etwas anders als das, was ich bisher gemacht habe." So unterscheide es sich etwa stilistisch, weil reale Personen auftauchen. Reale Personen, die eine besondere Sichtweise auf die Dinge des Lebens haben, finde man selten in lustigen Krimis oder Thrillern, sagt der Autor. Bei "Schreib oder stirb" entstehe so die Komik. "Ich hoffe, dass uns das gelungen ist und dass sich das Buch auch dadurch von anderen unterscheidet, dass es dennoch ein Thriller und keine Komödie ist."

Für Sebastian Fitzek ist es nicht die erste Kooperation. Vor Micky Beisenherz hat er mit dem Rechtsmediziner Michael Tsokos das Buch "Abgeschnitten" geschrieben. Sind noch weitere solcher Projekte geplant? "Bei mir entsteht zuerst die Idee, und die lässt sich schlecht planen, weil ich nicht weiß, wann sie mich ereilt", sagt Fitzek. "Wenn mich morgen der gedankliche Blitz trifft und ich die Idee für einen Science-Fiction-Western habe - was auch immer das sein mag -, dann würde ich den schreiben wollen. Und erst dann würde ich schauen, ob ich vielleicht jemanden bei der Nasa kenne. Ich analysiere weder die Welt noch die Buchlage."

Allerdings gibt es zwei Autoren, mit denen er sehr gerne mal zusammenarbeiten würde: J.K. Rowling und Stephen King. "Bei Rowling würde nicht viel schiefgehen und da würde es mir schon reichen, wenn ich klein als Autor mit draufstehe", sagt Fitzek und lacht. "Und von Stephen King wüsste ich gerne, wie er arbeitet." Der 50-Jährige stellt aber auch klar: "Diese Antwort ist meinem kompletten Größenwahn geschuldet; ich würde die einfach gerne mal kennenlernen."

Wie viele Bücher hat Sebastian Fitzek noch geplant?

Einem Helden seiner Kindheit ist Fitzek zumindest ein bisschen näher gekommen. Sein Literaturagent Roman Hocke war auch einer der Agenten von Michael Ende - "Die unendliche Geschichte" zählt immer noch zu Fitzeks Lieblingsbüchern. "Es sind immer die Bücher, die einen in der Kindheit geprägt haben", sagt er. "Die unendliche Geschichte" habe aber auch dazu geführt, dass er überhaupt Autor geworden ist. Als Fitzek zu Beginn seiner Karriere von vielen Verlagen abgelehnt wurde, begann er, nach Literaturagenten zu googeln - und stieß so auf Roman Hocke. "Da dachte ich mir: Das passt doch irgendwie, da schließt sich der Kreis."

Fitzek schreibt seit 2006 Bücher, auf seiner Homepage sind 35 aufgelistet - nicht nur Thriller, auch Kinderbücher und Kurzgeschichten sind dabei. "Schreib oder stirb" kommt am 30. März auf den Markt. Fertig ist es schon seit einer ganzen Weile; etwa fünf bis sechs Monate vor Veröffentlichung muss so ein Buch abgeschlossen sein. Was Sebastian Fitzek momentan tut? Selbstverständlich schreiben. "Nach der Abgabe eines Buches sitze ich natürlich nicht Däumchen drehend fünf Monate rum. Schreiben ist meine Leidenschaft, ich wüsste gar nicht, was ich sonst machen würde. Also schreibe ich."

Ein Ende scheint nicht in Sicht. Oder? "Das klingt ein bisschen pathetisch und ein bisschen blöd, aber ich bin jetzt 50 geworden und rechne in Sommern: Wie viele Sommer habe ich noch, in denen ich gesund und munter und glücklich und zufrieden bin, ohne Wehwehchen? Ich brauche etwa einen Sommer pro Buch, also sind das noch etwa 30 Bücher? So viel ist das nicht."

Mehr Kultur-News finden sie hier

"Schreib oder Stirb" von Sebastian Fitzek und Micky Beisenherz erscheint am 30. März 2022 im Droemer-Verlag

Bildergalerie starten

Aktuelle Karikaturen

Nachrichten aus der Politik sind langweilig und dröge? Unsere aktuellen Karikaturen beweisen das Gegenteil - jeden Tag aufs Neue.
Teaserbild: © imago images/STAR-MEDIA