• In den 1990ern feierte sie als Blümchen mit "Herz an Herz" oder "Nur geträumt" große Charterfolge. Jetzt hat Jasmin Wagner ihr erstes Album seit 15 Jahren veröffentlicht.
  • Im Interview mit unserer Redaktion spricht die 41-Jährige über ihre neue Musik, ihr Leben als Single und die Rückkehr der 90er.
  • Zudem verrät die Sängerin, warum es für sie schön ist, manchmal Blümchen sein zu können und warum sie es als anstrengend empfinden würde, immer Blümchen sein zu müssen.
Ein Interview

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Frau Wagner, 15 Jahre nach ihrem bis dato letzten Album veröffentlichen Sie am 23. Juli "Von Herzen". Warum hat es so lange gedauert?

Jasmin Wagner: Für mich ist es beinahe ein Wunder, dass es überhaupt dazu gekommen ist. Wenn man so ein großes Erbe antritt, das Blümchen hinterlassen hat, dann kann man in dieser Form nicht noch einmal Musik machen. Von daher ist es sehr schön für mich, dass mich die Liebe zu den 90ern zurück auf die Bühne geholt hat. Zudem freue ich mich, dass ich mit meinen Erfahrungen eine andere Art von Musik machen kann. Ich bin heute in der Lage, das Album selbst zu schreiben und nach meinen Vorstellungen zu gestalten.

Wie fühlt sich das für Sie an? Spüren Sie einen gewissen Druck?

Allen voran erfüllt es mich mit Stolz. "Von Herzen" ist keine Wiederholung, sondern der Aufbruch zu etwas Neuem. Aber natürlich habe ich mächtig Bammel, da schon ein großer Druck auf mir lastet. Gleichzeitig empfinde ich eine riesige Neugierde, wie die Musik bei den Menschen ankommen wird. Eine aufregende Zeit.

Diesen Aufbruch zu etwas Neuem vollziehen Sie momentan nicht nur auf beruflicher, sondern auch auf privater Ebene, richtig?

Ja, das stimmt. Ich befinde mich in einer Phase meines Lebens, in der sich alles noch einmal neu definiert hat. So habe ich das Theater verlassen, meine Ehe beendet und bin wieder ganz nach Hamburg umgezogen. Alles in meinem Leben ist neu - das fühlt sich kribbelig an.

Ihre aktuelle Single heißt "Gold". Zu Blümchen-Zeiten konnten Sie bereits Edelmetall mit nach Hause nehmen. Wie wichtig sind Ihnen heute gute Chart-Platzierungen und Preise?

Das ist keine einfache Frage. Natürlich mache ich die Musik in erster Linie für mich, aber eben auch für meine Fans. Wie jeder andere Künstler auch möchte ich nach wie vor, dass die Menschen meine Lieder hören und diese gut angenommen werden.

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"Ich bin und bleibe ein Kind der 90er"

Sie bezeichnen Ihren heutigen Musikstil als Electro-Schlager. Ist es Ihr Ziel, ein neues Genre zu begründen?

Vor allem war es mein Ziel, Musik zu machen, die mir gefällt und die eine gewisse Energie mit sich bringt. Blümchen stand damals für Techno-Beat, heute wäre es vielleicht auch Schlager gewesen. Ich weiß natürlich, dass alles einen Namen braucht, und meiner Meinung nach passt Electro-Schlager am besten. Das Genre Schlager ist heute unglaublich facettenreich - und Electro ist mein Privileg, weil ich ursprünglich aus der elektronischen Musik komme.

Wie viel Blümchen steckt heute noch in Jasmin Wagner?

Ich bin und bleibe ein Kind der 90er. Daher sind mir Synthie-Sounds nach wie vor eine Freude. Zudem ist dieses Jahrzehnt wieder in aller Munde - ob mit Blick auf die Musik oder die Mode. Ich bin eine Künstlerin, die sich auf der Bühne mit den Fans gerne in eine Art Trance begibt. Das funktioniert am besten auf energiegeladenen Beats. Dennoch bin ich natürlich kein Teenager mehr. "Von Herzen" ist kein Blümchen-Album, sondern ein Werk, das die Erfahrungen meines Lebens widerspiegelt.

Heißt das, dass wir Blümchen nie mehr wiedersehen werden?

Nein, das auf keinen Fall. Blümchen macht ab und zu Konzerte und Ausflüge in dieses 90er-Universum. Kürzlich konnte sie mit dem Rapper Finch sogar einen Top-Ten-Hit hinlegen ("Herzalarm"; Anm. d. Red.). Ich mag es, damit zu spielen, und finde es schön, manchmal Blümchen sein zu können. Ich würde es aber als anstrengend empfinden, immer Blümchen sein zu müssen.

Meinen Sie unter anderem den "Blümchensong" auf Ihrem neuen Album, wenn Sie von "mit Blümchen spielen" sprechen?

Ja. Das ist genau meine Art, damit zu spielen. Das verrät eigentlich schon ein Blick auf die Lyrics, in denen es heißt: "Nur wenn dein Herz so schlägt wie ein Blümchensong, dann will ich dich und sonst nicht." Es ist der perfekte Schlager geworden und drückt aus, dass ich eben selbst viel Freude an Blümchen habe.

"Eine Couch, der Fernseher und ich, mehr brauch ich nicht"

Hat sich Jasmin Wagner mit diesem Album - und den privaten Veränderungen - zum zweiten Mal neu erfunden, nur diesmal, ohne den Künstlernamen zu wechseln?

Ehrlich gesagt habe ich mir früher, zu Beginn meiner Karriere, mehr Gedanken darüber gemacht, was ich im Leben brauche und was ich erreichen möchte. All das habe ich abgelegt. Ich versuche heute, den Moment zu genießen.

Dazu passt Ihr Album-Song "Mehr brauch ich nicht". Brauchen Sie wirklich nicht mehr, um glücklich zu sein?

(lacht) Sie spielen sicherlich auf das Thema Liebe an …

Ertappt.

Darüber habe ich mir auch Gedanken gemacht, klar. So ist "Mehr brauch ich nicht" entstanden. Meine Plattenfirma fragte mich daraufhin: "Was ist denn das für ein komisches Lied?". Es ist aber wirklich so. "Eine Couch, der Fernseher und ich, mehr brauch ich nicht": Das ist meine persönliche Definition von Glück. Aber: Wenn das mit der richtigen Person an meiner Seite passiert, dann ist das mit das schönste Gefühl - oder der beste Ort. Man kann sich mit dem falschen Menschen am besten Ort der Welt einsam fühlen. Oder man kann sich mit dem richtigen Menschen an einem unaufgeregten Ort total glücklich fühlen.

Eine gute Lebenseinstellung. Sind Sie dennoch auf der Suche nach einem neuen Partner?

Also, ich finde es schön zu daten. Nachdem die erste Verarbeitung der Trennung vonstatten gegangen war, interessierte es mich sehr, wie man sich heute kennenlernt, wie man datet. Bei mir waren zwischenzeitlich rund zehn Jahre ins Land gegangen, ich bin inzwischen Anfang 40.

Und wie datet man, beziehungsweise: Wie datet Jasmin Wagner heute?

Ich war definitiv bereit für das Thema Online-Dating. Es kam allerdings nicht dazu, da mir mein Freundeskreis meine Dates sozusagen zugeliefert hat. Die Jungs wurden also vorgecastet, das war ganz lustig.

Wie ergeht es Ihnen in Hamburg? Sie sind in Ihre Geburtsstadt zurückgekehrt …

Es ist herrlich. Wie fast jeder Hamburger Künstler habe auch ich jetzt endlich einen Song über meine Heimat veröffentlicht - nämlich "Hamburg im Sinn". Der Titel setzt sich mit der Frage auseinander, wie man Heimat definiert. An welchen Ort möchte man immer wieder zurückkehren? Für mich ist es Hamburg.

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