• Der Partysong "Layla" von DJ Robin x Schürze erhitzt aktuell die Gemüter.
  • Im Interview mit unserer Redaktion hat sich nun Produzent Ikke Hüftgold zu Wort gemeldet.
  • Der 45-Jährige spricht über die "Layla"-Verbote, Sexismus in Songtexten und den bevorstehenden "ZDF-Fernsehgarten"-Auftritt.
Ein Interview

Ikke, Sie sind der Produzent des Partysongs "Layla", der aktuell hohe Wellen schlägt. Ist der Songtext nun sexistisch oder nicht?

Ikke Hüftgold: Die Meinungen gehen da stark auseinander. Für die einen ist "Layla" nicht sexistisch, für die anderen wiederum schon. Die Wahrheit liegt vielleicht in der Mitte. Sicherlich hat der Songtext sexistische Züge, indem die Frau etwa auf die Attribute "jünger, schöner, geiler" reduziert wird. Natürlich fehlen hier Begriffe wie Intelligenz oder andere wichtige Attribute, die man einer Frau ebenso zusprechen muss. Aber, und das ist für mich entscheidend: Wir verstehen den Song humoristisch und satirisch. Denn das ist die Musik, die wir seit nunmehr 30 Jahren machen. Dafür stehen wir.

Wie kommt diese Art von Humor bei Frauen an?

Dieser Humor wird insbesondere auch von Frauen getragen und gefeiert. Ohne Frauen würde unsere Musik überhaupt keinen Sinn machen, denn dann würden wir Männer alleine am Ballermann stehen. Dem ist nicht so und daher haben wir eine sehr hohe Akzeptanz, was unseren satirischen Umgang mit Sexualität angeht.

Ob "10 nackte Friseusen" oder Ihr eigener Song "Dicke Titten, Kartoffelsalat": Warum haben Ballermann-Hits häufig einen "schlüpfrigen" Anstrich?

Wer sind denn die klassischen Ballermann-Urlauber? In der Regel sind das Menschen, die einen festen Wohnsitz haben, einer geregelten Arbeit nachgehen und das ganze Jahr über Druck ausgesetzt sind. Mit unserer Partymusik wollen sie diesen Druck abbauen. Vor diesem Hintergrund würde ich uns als eine Art Medizin bezeichnen, die wir dem Partypublikum mit unseren Songs verabreichen. Seit inzwischen drei Jahren kämpfen wir gegen Corona, wir alle mussten mit vielen Regeln und Verboten leben.

Ist diese Gemengelage letztendlich das Erfolgsgeheimnis hinter "Layla"?

Ja. Hinzu kommt die eingängige Melodie und der witzige Text. Der Alkohol, der beim Feiern im Spiel ist, tut sein Übriges. Wie bei allem, was man macht, kommt es immer auf das Maß an. Wir legen großen Wert darauf, dass wir bei unserer Arbeit dieses Maß nicht aus den Augen verlieren. Als Familienvater und Kinderstiftungsgründer ist mir diese Balance wichtig. Extrem herabwürdigende Texte, die zum Beispiel im Rap gang und gäbe sind, kennen wir in unserer Partymusik gar nicht.

"Jünger, schöner, geiler" … klingt das aus Ihrer Sicht nicht herabwürdigend?

Nein, weil es mit einem Augenzwinkern gemeint ist. Die Frauen, die "Layla" konsumieren, verstehen das auch genauso. Dass die Doktorin im fiktiven Alter von 65 Jahren einen anderen Blickwinkel darauf hat, verstehe ich natürlich auch.

Die Debatte ist das eine, eine Zensur des Songs das andere. Sie haben eine Online-Petition namens #freelayla gegründet. Wie fällt die Resonanz bisher aus?

Bisher gibt es mehr als 50.000 Stimmen. Auch darüber hinaus ist die Resonanz überragend. Bei "stern TV" haben über 22.000 Leute abgestimmt. Wir dürfen nicht vergessen, dass diese Sendung nicht nur 18- bis 24-Jährige schauen, sondern auch die ältere Bevölkerung. Und diese Generation bringt, das hat die Umfrage bewiesen, ein hohes Maß an Verständnis für unsere Musik und die Jugend mit. Dieses Statement stärkt uns den Rücken.

Werten Sie diese Resonanz als Statement für die künstlerische Freiheit, also über den Song "Layla" hinaus?

Künstlerische Freiheit ist in unserer Demokratie tief verankert, sie hat aber auch Grenzen …

Wo ziehen Sie diese Grenzen?

Alles, was strafrechtliche Relevanz hat, muss ganz stark hinterfragt werden – auch schon im Wording. Das Thema ist natürlich schwierig, da ich in diesem Bereich grundsätzlich gegen Verbote bin. Vieles geht auch mit der Meinungsfreiheit einher. Jeder steckt seine eigenen moralischen Grenzen, das ist Teil einer Identität. Doch wann ist etwas gewaltverherrlichend und wann ist es satirisch? Letztlich ist es die Aufgabe des Gesetzgebers, hierfür Regeln zu finden. Diese Diskussion gehört auf jeden Fall in die Gesellschaft – mit Blick auf "Layla" ist die Debatte jedoch überzogen.

Die positive Resonanz scheinen nicht alle Veranstalter zu teilen oder täuscht der Eindruck? Viele Volksfeste haben "Layla" verboten …

Das stimmt. Ich bekomme im Stundentakt Feste aus verschiedenen Kommunen und Städten angezeigt, die dieses "Layla"-Verbot mitgehen. Es ist nicht bei Würzburg und Düsseldorf geblieben. Das halte ich für eine unfassbar bedenkliche Entwicklung.

Wie ist diese Dynamik zu erklären?

Das mag etwas mit mangelnder Aufmerksamkeit zu tun haben. Oft sind es einzelne Personen, die diese Entscheidungen treffen. Irgendjemand hat ja immer die Mütze auf. Ich halte es für fragwürdig, dass sich Einzelne das Recht herausnehmen, für die Masse zu entscheiden. Hier wird versucht, ein Thema zu verdammen, das nach Jahrhunderten endlich aus der Illegalität herausgeführt wurde: nämlich die Prostitution. Es ist zumindest diskutabel, ob man mit der Empfehlung eines Verbots nicht auch die Prostitution diskriminiert.

Wie geht ihr als Team mit den Verboten um? Suchen Sie das Gespräch?

Ich appelliere einfach nur an die Feiernden: Stellt euch auf die Bänke und singt den Song! Etwas überspitzt gesagt, kann "Layla" so zur Freiheitshymne werden. Eigentlich brauche ich aber keinen Aufruf zu starten, weil die Leute ja nicht doof sind. Niemand lässt sich diesen Song verbieten. Und dann warten wir doch mal ab, ob das eine oder andere Verbot nicht gekippt wird.

Ist hinsichtlich des Münchener Oktoberfestes das Wort schon gesprochen? Die Wiesn-Wirte sollen sich gegen "Layla" ausgesprochen haben ...

Das letzte Wort hat definitiv das Volk. Die können entscheiden, was die wollen. Wenn die Leute keinen Bock auf ein Verbot haben, kann es sein, dass sie das jeweilige Fest ignorieren werden. Wenn 5.000 Menschen "Layla" grölen, kann jede Blaskapelle einpacken.

Am 31. Juli werden DJ Robin x Schürze "Layla" im "ZDF-Fernsehgarten" präsentieren – und zwar in der Originalversion. Hat Sie diese Entscheidung überrascht, schließlich war das bei Partyhits bereits häufig anders?

Für mich ist das die eigentliche Revolution. Das ZDF steht zu seiner Zusage und hat uns nicht unter Druck gesetzt, den Songtext ändern zu müssen. Ich habe den Eindruck, dass der Sender die Chance erkannt hat, am Beispiel "Layla" herausfinden zu können, was öffentlich-rechtlich gewünscht ist und was nicht. Die Millionen Menschen, die "Layla" feiern, zahlen GEZ-Gebühren und haben durchaus das Recht, den Song im TV zu hören. Ikke Hüftgold war im "ZDF-Fernsehgarten" bisher übrigens nie erwünscht. Am 31. Juli bin auch ich zum ersten Mal als Ikke für eine Nummer mit den Draufgängern gebucht. Ikke im "Fernsehgarten": Das ist dann die doppelte Revolution. (lacht)

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