(abi/dpa) - "Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau ..." Diesen Satz kennt man eigentlich nur in Verbindung mit dem berühmten "Ta-ta, ta ta ta taaa!". Doch bis Dezember wird die berühmte "Tagesschau"-Melodie modernisiert. Hollywood-Musiker Hans Zimmer, der den "König der Löwen"-Soundtrack schrieb, soll daran arbeiten.

"Ta-ta, ta ta ta taa!" - wohl jeder Deutsche weiß etwas mit dieser Melodie anzufangen, leitet sie doch seit 1956 die "Tagesschau" in der ARD ein. Sie stammt aus der "Hammond-Fantasie" vom Berliner Musiker Hans Carste, der sie in russischer Gefangenschaft komponierte. Doch müssen wir uns um diese sechs Töne jetzt Sorgen machen?

Wie "Bild.de" berichtet, soll jetzt ein berühmter deutscher Musiker die "Tagesschau"-Melodie neu erfinden: Hollywood-Komponist Hans Zimmer. Den Filmkomponisten kennt man unter anderem wegen seiner Soundtracks der "Fluch der Karibik"-Filme, "Inception" oder auch die Disney-Produktion "König der Löwen", für deren Musik er 1995 den Oscar erhielt.

Doch keine Bange: Der ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke relativierte die Befürchtungen um die "Tagesschau"-Fanfare. So teilte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa mit: "Wir 'entsorgen' die Melodie nicht, sondern überarbeiten sie nur. [...] Wie zuletzt in den Jahren 2005, 1997 und 1994. Dabei bleiben natürlich die Grundelemente der 'Tagesschau'-Melodie erhalten, die sie so unverwechselbar machen."

Die "Tagesschau" sei nun einmal "pure Gewohnheit", man könne sie auch auf Latein vorlesen, sagte einmal der Pionier des deutschen Privatfernsehens, Helmut Thoma. Diese resignierende Feststellung traf der ehemalige RTL-Geschäftsführer nach seiner gescheiterten Initiative, das Hauptabendprogramm der Privatsender um 20 Uhr gegen das ARD-Nachrichten-Flaggschiff starten zu lassen. Thoma lag mit seiner Erkenntnis richtig.

Dass es sich bei der Sendung um ein Heiligtum handelt, bei dem gerade oberflächliche Veränderungen höchst sensibel vom Publikum wahrgenommen werden, hat die Geschichte immer wieder bewiesen. Nur ein Beispiel: Als Chefsprecher Karl-Heinz Köpcke (1922-1991) 1974 aus seinem Sommerurlaub mit einem Schnurrbart zurückkehrte, weil er eine Schramme verdecken wollte, hagelte es Protestanrufe und -briefe. Der Schnauzer musste wieder ab. Nicht zuletzt angesichts solcher Empfindlichkeiten muss sich der neue "Tatort"-Darsteller Til Schweiger fragen, ob sein Vorschlag zur Abschaffung des Vorspanns in der ARD-Krimireihe sinnvoll ist.

Mahnende Worte kommen auch vom Experten. Marken dürfen nicht einfach so geändert werden. "Die "Tagesschau"-Melodie hat Markencharakter und ist bei den Menschen tief verwurzelt. Sie identifizieren damit im Fernsehen ein spezielles Angebot", sagte Volker Nickel, Sprecher des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft. "Denn wenn Sie gewohnt sind, jeden Morgen im Schrank oben rechts die Kaffeetasse zu finden und die ist plötzlich nicht mehr an ihrer gewohnten Stelle, ist das ärgerlich und verwirrend."