In der neuen Netflix-Serie "Biohackers" spielt Jessica Schwarz die Professorin Tanja Lorenz, die Gen-Manipulationen am Rande der Legalität vornimmt und eine dunkle Vergangenheit zu haben scheint. Im Interview mit unserer Redaktion spricht die 43-jährige Schauspielerin über ihre Rolle als Schurkin, Frauen als Wissenschaftlerinnen und die Verschiebung der Serie wegen der Corona-Pandemie.

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Jessica Schwarz, in "Biohackers" spielen Sie die eiskalte Professorin Tanja Lorenz. Wie war es für Sie, eine so fiese Person zu spielen?

Jessica Schwarz: Es war für mich schwierig, weil ich so ziemlich das genaue Gegenteil von ihr bin. Ich habe zur Vorbereitung viel mit meinem Coach gearbeitet, um die Filmfigur zu formen.

Die Lorenz verfügt über ein großes, wissenschaftliches Fachwissen und hat keine Skrupel, wenn es darum geht, ihre Ziele zu erreichen. Da muss man sich ein bisschen drauf einlassen. Aber wenn man erstmal drin ist, macht es eigentlich Spaß, muss ich gestehen.

Also liegt Ihnen die Rolle der Schurkin?

Ja, ich schaue gerne Serien. Da gibt es inzwischen so gute Frauenfiguren, die das verkörpern. Aus der amerikanischen Sicht, zum Beispiel Renée Zellweger in "What if", wo man sich denkt: OK, das kann man schon mal machen.

Du bist dann die Antagonistin und vielleicht nicht die beliebteste Figur, aber zum Spielen ist es eine großartige Herausforderung. Es ist toll, wenn man das durchzieht.

Gab es für die Rolle ein Vorbild?

Ich habe mit meinem Coach viel mit Eigenschaften von verschiedenen Tieren oder von Sternzeichen erarbeitet. Das gibt es die unterschiedlichsten Techniken, ganz gute Sachen, um sich rein zu fühlen. Ich glaube, es gibt kein grausameres Tier als den Tyrannosaurus Rex, der zur Professorin Lorenz passte.

Wir haben uns viel im Netz rumgetrieben, um herauszufinden, wie der schaut, wie er agiert und wie er seine Opfer angreift. Wir haben uns an den 3D-Modellen orientiert, die durch Knochenfunde entwickelt wurden. Wer beim Anschauen der Serie drauf achtet, sieht es vielleicht.

Zur Vorbereitung für die Rolle haben Sie mit Wissenschaftlern gesprochen. Wie war das?

Sehr interessant. Vor allem ging es auch darum, Einblick in die Sprache der Wissenschaft zu erhalten. Das ist ein Feld, indem es sehr viele Wörter und Fachbegriffe gibt, die nicht in meinem normalen Sprachduktus stattfinden. Die man aber natürlich so aussprechen muss, als würde man über nichts anderes reden.

Aber viel spannender war für mich, wie man so eine Figur auftreten lässt, die eine andere Moral, ein anderes ethisches Empfinden hat. Und die sich anderen Menschen nicht so öffnen kann und eher eine etwas kältere Persönlichkeit ist, die durch ihr Wissen glänzt.

Das Fachwissen musste ich mir nicht unbedingt aneignen, sondern eher, wie das Auftreten der Wissenschaftler ist. Das war für mich spannend.

Die Serie wurde im vergangenen Jahr in Freiburg und München gedreht.

Wir durften in vielen Laboren drehen und konnten mit tollen Wissenschaftlern sprechen. Es ist wahnsinnig spannend, was da mittlerweile so alles möglich ist, welche Krankheiten, gerade Autoimmunkrankheiten, durch diese etwas feinere DNA-Analyse behandelt werden können.

Mich hat das schon immer interessiert, vielleicht auch, weil meine Mutter früher in einer Apotheke gearbeitet hat. Schon als Kinder hat sie uns immer in die Welt der Pillen, Salben, Tuben und Fläschchen entführt.

Bei uns stand immer alles voll damit. Ich bin heute noch eine wandelnde Apotheke. Wenn am Set irgendjemand etwas braucht: Ich bin am Start (lacht).

In Biohackers geht es um Gen-Manipulation am Rande der Legalität. Wie stehen Sie privat dazu?

Zum Glück gibt es Ethikkommissionen, die darüber entscheiden und auch mal sagen: "So nicht!" Das ist natürlich ein zweischneidiges Schwert, in vielen Bereichen. Auch was Tierversuche angeht.

Auf der einen Seite steht da die Möglichkeit, schwerste Krankheiten zu heilen und Menschenleben zu retten. Auf der anderen Seite liebe ich Tiere und zum Glück gibt es Menschen, die gewisse Dinge hinterfragen, recherchieren, sich irgendwo einschleusen und für die notwendige Aufmerksamkeit sorgen.

Ein Pauschalurteil kann ich da nicht abgeben. Das ist keine einfache Frage. Wenn beispielsweise eine schwere Krankheit im Familienkreis auftreten würde, ist man vielleicht auch dankbar, wenn das Leben verlängert oder gerettet werden kann.

In der dritten Folge fragt Mia Akerl und ihren Kommilitonen Jasper, ob er nicht Angst habe, eine Pandemie auszulösen. Wann wurde Ihnen klar, dass das Thema der Serie hochaktuell ist?

Ich habe die ersten drei Folgen gelesen und mir gedacht, dass es ein wirklich packendes Thema ist. Ich habe mit dem Regisseur Christian Ditter telefoniert, der auch meinte, dass die Wissenschaft inzwischen mit dieser Thematik schon so weit ist, dass durch diese genaue Analyse der DNA Missbrauch entstehen könnte.

Biohacking findet nicht morgen oder übermorgen statt, sondern heute. Das zu zeigen, finde ich spannend.

Die Serie sollte eigentlich am 30. April auf Netflix starten, wurde aber wegen der Corona-Pandemie verschoben.

Dafür hatte ich absolutes Verständnis. So kurz nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie wollte man vermeiden, durch die Ausstrahlung einiger Filmszenen, weitere Ängste und Sorgen bei dem ein oder anderen Zuschauer auszulösen. Ich glaube, es ist aber jetzt der richtige Zeitpunkt, die Serie zu zeigen.

Es ist doch auch toll, mal zwei Frauen in wissenschaftlichen Berufen zu sehen. Noch dazu aus unterschiedlichen Generationen. Das ist etwas, dass jungen Frauen auch Mut machen kann.

Und es geht um das Studentenleben, darum, wie bunt und verrückt das Leben als Erstsemester sein kann. Wir sind sehr dicht am Thema Biohacking dran, aber es geht um sehr viel mehr. Ich habe Netflix trotzdem zu 100 Prozent verstanden, dass sie die Serie verschoben haben.

Ganz allgemein: Was erwartet die Zuschauer bei der Serie "Biohackers"?

"Biohackers" ist eine genreübergreifende, sehr moderne Serie. Die nah an der Zeit ist, die etwas bietet, was man so noch nicht gesehen hat und sich mit einer Thematik auseinandersetzt, die einfach noch nicht so bei den Menschen angekommen ist.

Bei Biohacking denken die Menschen noch an Zukunftsmusik und sehen vielleicht nicht, dass das jetzt, hier und heute schon stattfindet. Die Biohackings, die in der Studenten-WG gezeigt werden, sind Dinge, die es tatsächlich gibt und die funktionieren.

Die Serie ist einfach wahnsinnig spannend, sie hat eine Mystik, es geht um Rache, es ist alles da, was eine gute Serie braucht.

Das Erzähltempo ist sehr hoch, die sechs Folgen mit jeweils rund 30 Minuten Spieldauer recht kurz. Hätten Sie sich mehr Zeit gewünscht, um die Geschichte und die Figuren zu entwickeln? Oder muss eine Netflix-Serie im Jahr 2020 genauso temporeich sein?

Ich finde schon, dass eine Serie so sein darf. Mir ging es manchmal beim Lesen auch so, dass ich dachte: "Wow, das geht aber zackig". Als ich dann aber die ganzen sechs Folgen am Stück sehen konnte, habe ich mir gedacht: "Das ist großartig, ich liebe es!"

Die letzte Folge endet mit einem fiesen Cliffhanger. Wie optimistisch sind Sie, dass es eine zweite Staffel geben wird?

Ich würde im wahrsten Sinne des Wortes gerne noch ein bisschen als Professor Dr. Lorenz herumdoktern (lacht). Und würde auch gerne sehen wollen, was sich solch tolle Drehbuchautoren weiterhin einfallen lassen. Das würde mich sehr freuen!