Pit Gottschalk

Sportjournalist, Kolumnist

Pit Gottschalk ist eines der bekanntesten und profiliertesten Gesichter im deutschen Sportjournalismus. Der 51-Jährige arbeitete bis Jahresende 2018 als Chefredakteur Sport bei der Funke Mediengruppe in Essen. Zuvor hatte Gottschalk unter anderem an der Erfolgsgeschichte der "Sport Bild", Europas größter Sportzeitschrift, mitgeschrieben. Deren Chefredakteur war der mehrfach ausgezeichnete Journalist zwischen 2003 und 2008. Seit Januar 2020 ist er Chefredakteur von SPORT1.

Insgesamt verbrachte Gottschalk, der bis 1992 bei Mitteldeutsche Zeitung/Mitteldeutscher Express volontiert hatte, insgesamt 21 Jahre im Hause Axel Springer, unter anderem bei "Welt/WamS" und "Sport Bild". Im Frühjahr 2019 legte Gottschalk in seinem Buch "Kabinengeflüster" bisher unerzählte Geschichten aus seinen Jahren im Journalismus vor.

Artikel von Pit Gottschalk

Jedes Jahr aufs Neue stellt sich heraus, dass Mannschaften in der Hinrunde über ihre Verhältnisse gelebt haben und sie in der zweiten Saisonhälfte in der Tabelle herabfallen. Die Teams eines Trainers sind besonders absturzgefährdet.

Die aktuelle Bundesliga-Tabelle verheißt dem FC Bayern nichts Gutes. Vier Punkte liegt der Titelverteidiger hinter Spitzenreiter RB Leipzig und zwei Zähler hinter Borussia Mönchengladbach. Dafür läuft's wirtschaftlich umso besser - zum Leid der Konkurrenz..

Als die WAZ die Nachricht veröffentlichte, dass Torwart Alexander Nübel den FC Schalke 04 am Saisonende verlässt, habe ich mich geärgert. Und noch mehr, als Bild mit dem Zusatz spekulierte, dass der neue Verein vermutlich Bayern München heißen wird.

Wenn man auf seine Erfolge schaut, vergisst man schnell, dass Mario Götze erst 27 Jahre alt ist. Fünfmal Deutscher Meister, viermal DFB-Pokalsieger, beides mit zwei Klubs, dazu Weltmeister mit der Nationalmannschaft und Klubweltmeister mit dem FC Bayern. Eine herausragende Karriere so weit.

Die Beschreibungen für das Top-Spiel Borussia Dortmund und RB Leipzig schwankten in der Nacht zwischen "spektakulär" und "dramatisch". Sechs Treffer in 90 Minuten, zwei verschenkte Führungen und ein Sensationstor - es wäre jetzt ein Leichtes, in den Lobgesang einzustimmen. Man tut’s besser nicht.

Besser hätte es für die Bundesliga in der Champions League nicht kommen können. Vorige Saison waren Bayern München, BVB und Schalke 04 im Achtelfinale kläglich an den Gegnern aus der Premiere League gescheitert. Kein Sieg in sechs Begegnungen und nur ein Unentschieden bei 3:17 Toren - das war peinlich, wir erinnern uns.

Jürgen Klopp ist für die Bundesliga verloren. Der Trainer des FC Liverpool, inzwischen 52 Jahre alt, hat den Vertrag bei seinem Klub vorzeitig bis 2024 verlängert.

Der BVB hat sich mit einem Wackelsieg ins Achtelfinale der Champions League gerettet. Ist damit die Kritik der Vergangenheit an Trainer Lucien Favre aus der Welt geräumt? Sicher nicht. Eine Genugtuung ist es aber allemal.

Heute ist der Tag der Wahrheit für Borussia Dortmund. Der Verein steht auf der Kippe und das letzte Gruppenspiel in der Champions League gegen Slavia Prag könnte zum Schicksalsspiel werden - nicht nur für die Mannschaft, sondern auch für Trainer Lucien Favre.

Nach dem 2:1-Sieg von Borussia Mönchengladbach gegen den FC Bayern können sich die Gladbacher auf die Schultern klopfen und weiterhin die Tabellenführung genießen. In München hingegen brennt (mal wieder) der Baum. Was bei den Bayern aktuell schief läuft.

Die Causa Flick stellt die Vereinsbosse vor ein neues Problem

Gestern machten innerhalb kürzester Zeit zwei Meldungen die Runde, auf die viele Menschen lange gewartet hatten. Die eine: Der neue DFB-Präsident kämpft für ein Comeback der Stehplätze in den Stadien. Die andere: Der Uefa-Boss will die Abseitsregelung anpassen.

Im Schatten der Krise von BVB und des FC Bayern gedeiht beinahe unbemerkt ein junges, zartes Pflänzchen, das uns allen Hoffnung macht. Hoffnung auf spannende Zeiten im deutschen Klubfußball, in dem ja nun schon seit einem Jahrzehnt nichts mehr los ist: Achtmal wurde in dieser Zeit der FC Bayern Meister, zweimal Dortmund.

Das Entsetzen im deutschen Fußball ist groß: Bei der Europameisterschaft im Sommer (ab 12. Juni 2020) muss die Nationalmannschaft gegen Weltmeister Frankreich und Titelverteidiger Portugal ran. Kaum standen zwei der drei Vorrunden-Gegner fest, bekam die EM-Gruppe F ihr Etikett verpasst: "Todesgruppe".

Der Weser-Kurier berichtet von der vielleicht mutigsten Attacke, die Werder Bremen bisher in dieser Bundesliga-Saison gewagt hat. Das Argument zur Kostenteilung klingt bestechend: Zu einem Streit gehören immer zwei, und wenn die Polizei zu einem Fußballspiel mit hohem Gewaltpotenzial anrückt, dann auch deshalb, weil sich Fans aus beiden Lagern auf den Tod nicht ausstehen können. Warum also nicht beide Vereine in die Pflicht nehmen?

Zuerst zu den Fakten: Die Erfolgsbilanz von Trainer Hansi Flick beim FC Bayern ist astrein. Zweimal 4:0 in der Bundesliga (gegen Dortmund und Düsseldorf) sowie 2:0 gegen Olympiakos Piräus und gestern Abend 6:0  gegen Roter Stern Belgrad in der Champions League sind nicht zu toppen.

Drei Trainer mussten in dieser Bundesliga-Saison ihren Posten räumen. Insgesamt sind nur zwei Trainer länger als drei Jahre im Amt. Die kurze Haltbarkeitsdauer wirft Fragen auf.

Borussia Dortmund muss sich nichts mehr vormachen. Trainer Lucien Favre hat allen Kredit verspielt. Die "Favre raus!"-Rufe aus dem Publikum waren zur Halbzeit, als die Mannschaft mit 0:3 gegen den Bundesliga-Letzten SC Paderborn hinten lag, nicht zu überhören. 

Die jüngste Nachricht aus dem Sport Business erfreut sogar die BVB-Fans: Borussia Dortmund hat den Ausrüstervertrag mit Puma verlängert - eine Viertelmilliarde soll der neue Deal nach Kicker-Informationen einbringen.

Ein ganzes Jahr lang war die Unzufriedenheit mit der deutschen Nationalmannschaft nicht zu überhören. Die Löw-Truppe lieferte seit der historischen WM-Blamage 2018 genügend Anlässe zur Kritik: Die Leistungen waren bisweilen unbeständig und versprachen zunächst keine Besserung.

Irgendwann streikt sogar die Website der europäischen Fußballunion Uefa. Wenn man Genaueres wissen will, wie am Freitag die Play-Off-Auslosung zur EM 2020 funktioniert, führt der passende Link zu den "European Qualifier Play-Off Draw" geradewegs ins Nirwana.

Als ich gestern Abend den Welt-Artikel zum England-Gastspiel im Kosovo las, wurde mir ganz anders. Die Zuschauer erhoben sich und sangen gemeinsam mit ihren Gästen lautstark die englische Nationalhymne, sie applaudierten und gaben Großbritannien zu verstehen: Wir danken euch für die Unterstützung im Bürgerkrieg damals.

An guten Ausreden mangelt es nie. November-Wetter und Anstoßzeiten, Gegner und Eintrittspreise: Man kann jeden Punkt einzeln oder gebündelt anführen, um den schleppenden Ticket-Vorverkauf vor den beiden Länderspielen am Samstag gegen Weißrussland und am Dienstag gegen Nordirland zu erklären.

Wenn die deutsche Nationalmannschaft gegen Weißrussland und Nordirland ihre letzten Punkte zur EM-Qualifikation einsammeln möchte, sind die Spieler von Bundestrainer Joachim Löw auch ein bisschen Schaufensterpuppen für den DFB-Ausrüster.

Inzwischen macht Uli Hoeneß kein Geheimnis mehr daraus. Als die Spieler beim FC Bayern ihren Unmut über Niko Kovac nicht mehr verbergen konnten, habe man in der Vereinsführung reagieren müssen, sagte der Präsident am Samstag. Der Trainer flog raus.